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Daniela Molzbichler

SWS-Rundschau (

.Jg.) Heft /: –

www.sws-rundschau.at

Auf heftigste Kritik stoßen die Darstellungen von Hofstede bei Hansen. Er spricht

seinen Untersuchungen die Sinnhaftigkeit für die interkulturelle Forschung ab und

zieht insgesamt eine negative Bilanz:



»Alles in allem ist sein [Hofstedes] Buch für die moderne Kulturwissenschaft eine Katastro-

phe. Er versündigt sich an allen Fortschritten, die seit den sechziger Jahren erzielt wurden,

und ausgerechnet dieses Machwerk hat die Unbelehrbaren, die den Kulturbegriff für Unfug

hielten, belehrt. Jene Psychologen, Soziologen und Wirtschaftswissenschaftler, die nur empiri-

schen Analysen trauen, wurden durch Hofstedes Statistik davon überzeugt, dass Kultur aus

hard facts bestehe, die man messen und wiegen kann« (Hansen 

, ).

Drechsel, Schmidt und Gölz bezeichnen derartige etische Modelle auch als »Container-

Theorien« und kritisieren vor allem, dass Kulturen als geschlossene Einheiten betrachtet

werden, die im Kern unveränderlich sind. Sie plädieren für eine breite Dimensionsvielfalt

von Kulturen und bezeichnen diese als »cultural web« (Drechsel/ Schmidt/ Gölz 

).

Meines Erachtens ist Hofstedes Kulturerfassungsansatz kritisch zu betrachten, je-



doch auch als das zu interpretieren, was er ist: Ein künstliches Konstrukt, um einen vir-

tuellen Raum für einen Vergleich von Kulturen zu schaffen, indem man sich bewegen

kann. Es handelt sich dabei um ein Gebilde, das uns erlaubt, unterschiedliche Kultu-

ren – und in diesem Zusammenhang auch uns selbst – zu betrachten. Ein derartiges

Konstrukt bietet nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Auch die Kulturdimensionen von Hofstede wurden im Laufe der Zeit verändert

und erweitert. Äußerst interessant ist das Globe-Projekt als eine innovative Form der

Hofstedeschen Untersuchung. Dieses Projekt läuft zwar bereits seit 

, ist aber noch

ziemlich unbekannt. Daran sind mittlerweile 

 WissenschafterInnen aus derzeit 

Ländern beteiligt, die mit einem gemeinsamen Konzept ihre jeweilige »Nationalkultur«

untersuchen. Die Ergebnisse werden derzeit noch erarbeitet. Erwähnenswert scheint

vor allem das gemeinsame Konzept zu sein, wofür die Hofstedeschen Dimensionen die

Ausgangspunkte darstellten. Innovativ am Globe-Projekt ist sicherlich, dass nicht nur

die neun weiterentwickelten Dimensionen untersucht, sondern auch der »Ist-Zustand«

und der »Soll-Zustand« in den jeweiligen Kulturen beschrieben werden. Gemeint sind

damit nicht nur die vorherrschenden Wertvorstellungen in einer Gesellschaft oder in

einem Land, sondern auch in einem Unternehmen, in einer Organisation usw. Es wird

somit erhoben, wie die einzelnen Befragten die aktuelle Situation in der Gesellschaft

und in der Organisation, in der sie sich befinden, einschätzen und welche Wunschvor-

stellungen sie in beiden Bereichen haben.

Zusätzlich sei noch erwähnt, dass das Globe-Projekt bestimmte Länder und na-

tionale Kulturen clustert, die genügend Gemeinsamkeiten aufweisen. Eine derartige

Cluster-Region bilden beispielsweise Deutschland, Österreich, die deutschsprachige

Schweiz und die Niederlande. Ich denke, dass solche Verbindungen immer mit Vorsicht

zu erstellen und zu bewerten sind, war jedoch von den Ergebnissen beeindruckt (Szabo

etal. 


, –). So ergab eine Befragung von über  Personen aus dem mittleren

Management in diesen vier Ländern, dass die Mitbestimmung der ArbeitnehmerInnen

von ähnlich großer Bedeutung war – daher wurden bezogen auf dieses Thema die vier

Länder in einer Cluster-Region zusammengefasst.




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Kulturen in Konflikt? Vom Umgang mit Konflikten in interkulturellen Beziehungen

www.sws-rundschau.atSWS-Rundschau (

.Jg.) Heft /: –

Das Globe-Projekt weist darauf hin, dass langsam auch ein großer Streitpunkt in-

nerhalb der InterkulturalistInnen geklärt werden kann: Nationalstaatliche Grenzen

sind demnach für die Untersuchung kultureller Unterschiede nicht mehr so wichtig,

sondern das Hauptaugenmerk liegt auf transnationalen bzw. regionalen kulturellen

Gemeinsamkeiten und Unterschieden. InterkulturalistInnen sind sich somit immer

mehr dessen bewusst, dass klare Grenzziehungen zwischen Kulturen unmöglich sind.

Die Meinungen gehen jedoch weiter auseinander, wenn es um eine Bewertung geht,

inwiefern Untersuchungen wie jene von Hofstede dann noch aussagekräftig und ver-

tretbar sind.

3. Wann sprechen wir von einem interkulturellen Konflikt?

Die Auffassungen, ob und wann wir überhaupt von interkulturellen Konflikten spre-

chen können, sind breit gefächert. Zählen etwa peace-keeping-Aktionen bei einem eth-

nopolitischen Konflikt innerhalb eines Staates in Ostafrika genau so zu diesem Bereich

wie eine Moderation bei einer Auseinandersetzung zwischen AsylwerberInnen und

VerwaltungsbeamtInnen in einer Gemeinde in Westeuropa? Können Missverständnis-

se zwischen Franzosen und Deutschen, die gemeinsam an einem internationalen Pro-

jekt eines multinationalen Konzerns arbeiten, ebenso diesem Bereich zugerechnet wer-

den,  wie  eine  Ehekriseberatung  zwischen  einer  Muslimin  und  einem  Katholiken?

Gehört die Bearbeitung von Vorurteilen zwischen Autochthonen und Allochthonen

3

auch in dieses Feld? Sind nicht viele interkulturelle Konflikte de facto Generationen-



konflikte oder Konflikte aufgrund von Machtgefälle? Sind Kommunikationsbarrieren,

biologische Unterschiede, Stereotype, verschiedene Wertvorstellungen, Religionsbe-

kenntnisse oder Missverständnisse hauptsächlich für so genannte interkulturelle Kon-

flikte »verantwortlich«?

Wichtig ist die Feststellung, dass es wegen der unterschiedlichen Herangehenswei-

sen aufgrund der verschiedenen Disziplinen, Interessen und mentalen Programmie-

rungen keine allgemeingültige Definition geben kann, was nun einen interkulturellen

Konflikt ausmacht. In diesem Kontext sei auf Stella Ting-Toomeys Definition eines in-

terkulturellen Konflikts hingewiesen:

»Intercultural conflict is defined as the perceived or actual incompatibility of values, norms,

processes, or goals between a minimum of two cultural parties over content, identity, relatio-

nal, and procedural issues« (Ting-Toomey 

, ).

Aufbauend auf Ting-Toomeys Darstellung kann somit von einem interkulturellen Kon-

flikt gesprochen werden, wenn es sich dabei um mindestens zwei kulturell verschiedene

Parteien (Individuen) handelt, wobei mindestens eine Partei Unvereinbarkeiten im

Denken, Fühlen oder/und Wollen (etwa bei Wertvorstellungen, Normen, Verfahren

oder Zielerreichung) mit der anderen Partei (mit den anderen Parteien) erlebt. Ein in-

terkultureller Konflikt liegt auch dann vor, wenn sich die eine Partei im Realisieren ih-

3

»Autochthon« bedeutet »eingeboren« (einheimisch), »allochthon« meint »an anderer Stelle entstan-



den« (fremd).




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