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Daniela Molzbichler

SWS-Rundschau (

.Jg.) Heft /: –

www.sws-rundschau.at

3.2 Interkulturelle Konfliktbehandlung (auf der Mikroebene)

Bei der Diagnose interkultureller Konflikte lassen sich immer wieder ähnliche Felder

erkennen, die für die Konfliktentwicklung von großer Bedeutung sind. Hier werden

nun fünf spezielle Themenkomplexe hervorgehoben (Molzbichler 

, –), die

für die (präventive) Bearbeitung eines interkulturellen Konflikts vor allem auf der Mik-

roebene, bei einem Konflikt von Angesicht zu Angesicht, eine Rolle spielen: 

. interkul-

turelle Kommunikation

. interkulturelle Missverständnisse, . Vorurteile/ Stereotype,

. Kulturschock, . interkulturelle Kompetenz. Diese Teilbereiche sind häufig mitei-

nander verwoben und bei jedem interkulturellen Konflikt in einer anderen Kombinati-

on, mit einer anderen Gewichtung vertreten. Für die Bearbeitung interkultureller Kon-

flikte auf der Makroebene sind viele andere Aspekte von Bedeutung (Molzbichler 

,


–), die jedoch den Rahmen des Artikels sprengen würden. Festzuhalten ist, dass

etwa bei ethnopolitischen Konflikten die Ebene des Kulturschocks keine Rolle spielt, für

die Konfliktlösung jedoch der Abbau gegenseitiger Vorurteile und die Förderung des

gegenseitigen Verstehens (Teil der interkulturellen Kompetenz) wichtig sind.

3.2.1 Interkulturelle Kommunikation

Häufig tragen nicht die kulturellen Unterschiede per se zu Kommunikationsschwierig-

keiten und Missverständnissen bei, sondern es kann sich dabei auch um soziale Gefälle,

Macht- und Statusfragen, Generationenkonflikte, unbearbeitete psychische Probleme

usw. handeln. Allerdings ist keine klare Einteilung möglich. Dementsprechend gibt es

auch für den Bereich der interkulturellen Kommunikation viele Ansätze (beispielsweise

von Hall 

, Gumperz  und Clyne ). Ich möchte hier jedoch speziell auf Ed-

win Hoffman (

) hinweisen, für den der Grundsatz »cultures don’t meet, people do«

im Mittelpunkt seiner Arbeit steht. Sein TOPOI-Modell kann in der Praxis gut ange-

wendet werden, wie etwa interkulturelle Projekte in den Niederlanden zeigen (Molz-

bichler 

, –).

Hoffman meint zwar, dass die Untersuchungen von Hofstede insofern sinnvoll

sind, als sie Einsicht in die unterschiedlichen Kulturen bieten, sie sind jedoch auch ris-

kant, weil sie zu sehr Verallgemeinerungen zulassen. Hoffman zählt zu den VertreterIn-

nen eines systemtheoretischen Ansatzes. Dieser geht davon aus, dass Kommunikation

zirkular verläuft, das heißt, Kommunikation ist ein Beeinflussungsprozess, dessen Cha-

rakter von Gleichzeitigkeit, Wechselseitigkeit und Vielfältigkeit bestimmt ist. Die Ge-

sprächspartnerInnen beeinflussen sich gegenseitig, gleichzeitig und werden auch von

ihrer sozialen Umwelt beeinflusst. Das von Hoffman entwickelte TOPOI-Modell ist

eine »… Systematik von Analyse-Punkten, die zu berücksichtigen sind, und von Inter-

ventionsmöglichkeiten, die in jeder Kommunikation (unabhängig von Ethnizität), in

der kulturelle Unterschiede und Missverständnisse auftreten, verwendet werden kann«

(Hoffman 

, ). Es basiert teilweise auf Paul Watzlawicks Axiomen (Watzlawick/

Beavin/ Jackson 

). Dementsprechend wird davon ausgegangen, dass Menschen di-

gital und analog kommunizieren, dass Menschen in ihrer Kommunikation Ursache

und Wirkung unterschiedlich interpretieren, dass jede Kommunikation einen Inhalts-



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Kulturen in Konflikt? Vom Umgang mit Konflikten in interkulturellen Beziehungen

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und Beziehungsaspekt umfasst, und dass es unmöglich ist, nicht zu kommunizieren.

Als zusätzlicher Aspekt beim TOPOI-Modell kommt der Bereich Organisation hinzu.

Somit setzt sich TOPOI folgendermaßen zusammen (Hoffman 

, –):





Taal (Sprache): Bedeutung der verbalen und non-verbalen Sprache



Ordening (Ordnung): Sichtweise und Logik



Personen (Personen): Identität und Beziehung



Organisatie (Organisation): Regeln und Machtverhältnisse



Inzet (Einsatz): Motive und Beweggründe

Nach Hoffman sind dies jene Bereiche in der Kommunikation, in denen Missverständ-

nisse aufgespürt werden können. Die Idee des TOPOI-Modells ist es, eine Hilfestellung

zu geben, um den Blick auf Situationen interkultureller Kommunikation zu erweitern.

Im Mittelpunkt steht dabei die Kommunikation und nicht der ethnisch-kulturelle Hin-

tergrund. Es wird zudem davon ausgegangen, dass Missverständnisse – gerade bei in-

terkultureller Kommunikation – eher die Regel als die Ausnahme darstellen. Das TO-

POI-Modell bietet die Möglichkeit, Missverständnisse zu erkennen und zu bearbeiten.

Um damit effizient arbeiten zu können, wurden für jedes der fünf Elemente Fra-

gestellungen und Interventionsvorschläge formuliert, um herauszufinden, in welchen

Bereichen die Kommunikation misslungen ist (misslingt). Dabei stehen Selbstreflexion

und Aufklärung im Mittelpunkt. Wenn wir etwa den Bereich »Taal« als Beispiel heran-

ziehen, dann sind u. a. folgende Fragen für die Analyse von Bedeutung:

. In wessen Sprache spricht man? (Machtposition der eigenen Sprache!)

. Welche Bedeutung hat das, was jede Person sagt?

. Was drückt die Körpersprache/ non-verbale Sprache aus?

. Welche Bedeutung haben Worte und Verhalten?

Die dementsprechende Intervention geht etwa auf folgende Bereiche ein: Worte und

die non-verbale Sprache (u. a. die Körpersprache) mit allen Sinnen wahrnehmen, Be-

deutungen untersuchen oder nachfragen, Bedeutungen erklären, Feedback geben und

nach Feedback fragen (Hoffman 

, –).

Selbstverständlich ist für eine gute Kommunikation die Kenntnis einer gemeinsa-

men Sprache wichtig. Die GesprächspartnerInnen müssen jedoch auch wissen, wann

welche Sprachform verwendet wird, auch wann sie eher »hoch« oder eher »tief« spre-

chen sollten, was sie wann betonen müssen und anderes mehr. Die Körpersprache, Ges-

tik und Mimik, die unterschiedlichen Konzepte von Raum und Zeit, aber auch kultu-

relle Codes, beispielsweise wie viel Distanz »üblich« ist, sind dabei von Bedeutung.

Die meisten interkulturellen Kommunikationsprobleme treten vor allem dann

auf, wenn wenig (keine) gemeinsame(n) Sprachkenntnisse vorhanden sind, wenn non-

verbale Signale unterschiedlich interpretiert und Worte verschieden verwendet werden.

Auch die Bereiche »Sprechen und Verstehen«, der Ablauf des Gespräches oder die Fra-

ge,  wer  bei  einer  Kommunikation  den  dominante(re)n  Part  einnimmt,  können  zu

Kommunikationsproblemen führen. Genau um dies zu verhindern, kann das TOPOI-

Modell angewendet werden. Denn es können viele Missverständnisse in der interkultu-

rellen Kommunikation aufgedeckt beziehungsweise kann bereits präventiv eingegriffen

werden, um zu einer konstruktiven Verständigung beizutragen.





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