Die deutsche Gelehrtenrepublik. Ihre Einrichtung. Ihre Geseze. Geschichte des lezten Landtags. Auf Befehl der Aldermänner durch Salogast und Wlemar. Herausgegeben von Klopstock. Erster Theil



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Verse.

Vorrede.
Bald ist das Epigramm ein Pfeil,

Trift mit der Spize;

Ist bald ein Schwert,

Trift mit der Schärfe;

Ist manchmal auch, (die Griechen liebten's so)

Ein klein Gemäld, ein Strahl, gesandt

Zum brennen nicht, nur zum erleuchten.

Vorschlag zur Güte.
Nun endlich sind wir doch dahin gekommen!

Erfahrung hat den Plaz, der ihr gebührt, genommen!

Sie ist's in der Philosophie;

Sie ist es in der Theorie

Des Dichters, und auch da nur sie!

Erst hatte sie der Dichter, sprach

Ihr Donnern und ihr Säuseln nach.

Erfahr du sie, wie er. Wenn dieser Tag dir tagte;

Dann frag ihn erst: Ob er sie recht erfuhr? recht sagte?

Denn was dein Saz auch immer seze,

Vom folgereichsten Allgemeinen

Bis zu dem Einzelsten des engbegränzten Feinen,

Ist alles, ohne sie, Geschwäze.

Die Chronologen.


Er lahmt am Griechenstab', und schleicht am Römerstocke;

Und dennoch schreyen sie, er mach epoque!

An den, der's versteht.
Aus deutscher herzensvoller Lache,

(Fern laß vollhalsiges Gelächter seyn;

Und streu des Lächelns Würze sparsam ein.)

Besonders aber auch

Aus Sitt und Brauch,

Aus eigner Laun' und Geist, vereine du und mache

Ein neues schönes Sonderding,

Das nicht von fremder Flitter gleisse,

Und das so Vornehm wie Gering

Deutschcomisch heisse.

Frage, die gleichsam zur Sache zu gehören scheu
Er, sagt er,

Ist Richter, und Verklagter,

Wer schreibt. O du vom Herrn Verleger

Gemietheter, wer ist denn Kläger ?

Ganz gute Bemerkung.
Die Dichter, die nur spielen,

Verstehen nicht, was sie, und was die Leser sind.

Der rechte Leser ist kein Kind;

Er mag sein mänlich Herz viel lieber fühlen,

Als spielen.

Sitt und Weise der Neuern.


Die Römer sind es euch, die Griechen last ihr liegen:

Ihr nehmt das Ey, und last die Henne fliegen.


Fortgang in den Wissenschaften.


Stets vor, und nicht langsäumend stille stehen,

Nicht hinter sich mit Stolze sehen,

Nicht auf dem Wege sich im Kreise drehen,

Darauf komts an, ihr Söhne meines Vaterlands

Steil ist sie hier und da die Bahn

Den Felsenberg hinan;

Allein wer steigen kont', und stieg, der fands.

Der seltne Zuhörer.


Taub bin ich, spricht man mir von Thaten, die man thun will, vor;

Doch von geschehnen: lauter Ohr.

Vom rechten Gebrauche der Feile.
Wüst du dein Bild vom Untergange retten;

So must du es so sehr nicht glätten.

Der Arm, an dem so viel die Feile macht und schaff,

Die gar zu helle Stirn

Hat keine Kraft,

Und kein Gehirn.

Veit.
Da hat er's nun! bekomt, wie Janus, zwey Gesichter!

Doch warum ahmt er auch izt Frankreichs Dichter,

Izt Engellands, so unablässig nach?

Scharfsinn sprech' izt seine Mine, Tief sinn izt, wie's Urbild sprach,

Meint ihr. Nachgebehrdung würde ja auch dieß nur seyn,

Angenomnes, fremdes Ding, nichts mehr; allein

Veit macht ja nur Gesichter.

Der unglükliche Waghals.


Den Griechen seine Nation vergleichen ..

Es ist ein kühner Schritt;

Man thut ihn wol, doch thun ihn andre mit ?

Der Griech' erfand!

Welch ist die Wahrheit, die sein tieferer Verstand

Nicht forschte? Welcher Schönheit Bild

Hat nicht sein Genius enthült?

Und ihr, was habt ihr? Nachgeahmet!

Daß also hier, wie sonst, die Gleichheit lahmet.

Geh's, wie es kann; allein wo ist der neue Zug,

Der lächerlich genug

Den Thoren zeichnet, der in Wolken schift,

Und schwäzet, daß sein Volk die Griechen übertrift ?

Der Untersuchung würdig.


Du gingst der Schönheit Bahn,

Sohn Fingais, Ossian!

Sie ging Mäonides Homer!

Wer that der Schritte mehr ?

Die Henriade.
Was ist wol, daß bey Meister Arouet,

In seinem Heldenreim, nicht bey einander steht?

Erst macht er dieß und jen's von Menschen kund,

Dann kommen Geister, und

Hernach, als handelnde Personen,

Abstractionen:

Die Politique,

Mit mancher Nicke;

Auch die Discorde

Zu Blut und Morde;

Darauf,

Ein Götterhauf'!



Ist dieser Misch was anders, als

Horazens Mädchenkopf, Fischschwanz, und Pferdehals ?

Die Kritik.
Durch die Kritik, zu zeigen neue Wege,

Die sich der Dichter wählen würde,

Wenn er nicht lieber eigne ginge,

Das wäre Meisterwerk;

Die neuen Wege zu entdecken,

Die Dichter, welch' Erfinder sind, betraten,

Das war nicht kleines Beyfalls werth;

Doch, Wege hundertmal gewiesen,

Zum hundert erstenmal zu weisen,

Und trift man auch dabey auf unbemerkte Stege,

Die seitwärts laufen, wiederkehren,

Was ist denn das ?

____________________

(jen´s) Wir Endesunterschriebenen erklären hierdurch, daß wir die Verse mit Anmerkungen heraus zu geben gedenken. Eine vorläufige, zur Probe dienende Anmerkung sey folgende: Die Härte, welche in verschiednen dieser Verse das Ohr so sehr beleidigt, bringt auf die sichre Vermutung, daß wenigstens die so beschafnen im vorigen Jahrhun dert gemacht sind. Es ist dieß unsre steife und feste Meinung. Nur müssen wir von den Versen dieser Art diejenigen ausnehmen, die ihrem Inhalte nach offenbar in das gegenwärtige Jahrhundert gehören. Komm uns keiner (es soll Leute geben, die diese Härte so verkleistern wollen) komm uns keiner, sagen wir, und behaupte, daß diese abscheulichen Verstösse wider die Regeln des Wohlklangs mit allem Fleiß, und in der Absicht wären begangen worden, um auch auf diese Weise auf die Geringfügigkeit der vorkommenden Gegenstände gleichsam mit Fingern zu zeigen. Worauf zeigt denn das und am Ende des Verses? Kurzum, es ist diese Behauptung eine wunderliche Behauptung; und wir erklären uns hiermit zwar nur vorläufig, aber dennoch auf das nachdrüklichste dawider.


Fabian Wabbel. Theobald Schwopp

der Jüngere.
Otto Bimm. Seiffart Kickel.

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Der Zufriedne.
So oft ich dieß, und das, und jenes noch bey mir beschönige,

Bleib ich bey guter Laune,

So daß ich dann in meinem Sinn

Zufrieden bin

Mit jedem Könige

Auf jedem Zaune.

Von wenigen bemerkter Unterschied.
In zwanzig Versen des Homer

Liegt wahrer tiefgedachter Regeln mehr,

Als in des Lehrbuchs ausgedehnten, bis zum Schlafen

Fortplaudernden zehn hundert Paragraphen.

Verlorne Mühe.
Er zischt mich an, und wolte Krieg
Mit mir so gerne führen!

Antworten? mich hinab bis gar zu ihm verlieren?

Ich geh, und laß, auch diesen Kriechenden, Musik

Der Schlangen, wie's ihm lüstet, musicieren.

Das feine Ohr.
Gleich dem thatenlosen Schüler der Ethik,

Hörst du in der Poetik

Gras wachsen; aber hörest nie

Den Lorber rauschen in dem Hain der Poesie.

Die Idealisten.
Kernlose Schale,

Wie's auch mit tiefer Untersuchung prale,

Ist doch nur dieß Geschwäz vom Ideale.

Der philosophische Idealist,

Hat, wie ihr wist,

So was von einem Narren;

Der kritische Idealist

Hat, wie ihr noch vielleicht nicht wist,

Auch oft wol was von mehr als Einem Sparren.

Die veraltete Kritik.


Die Griechen hielten am Olympe Spiel,

Mit Lauf, und Roß, und Kampf, mit Flöt', und Liede.

Da schattete der Lorber nur am Ziel;

Da sassen andre Richter,

Als die vom heutigen Gelichter;

Da scholl kein Lob,

Das euch erniedrigte, kein Tadel, der erhob.

Klage.
Bardiete tönten auch im Eichenhain,

Poeme nicht allein

Im Lorberhain.

Und, o ihr Jahre! doch

Ist umgefallen

Der Baum, den ihr erkort vor allen;

Der Lorber schattet noch.

Diesen Abend war weder bey den Ulmen noch in der Laube Versamlung; aber im Thale war sie desto zahlreicher, und die Unterredung von dem, was auf diesem Landtage geschehen müste und würde, desto lebhafter und freyer.


Zweyter Morgen.
Die Aldermänner weisen einen Ankläger ab. Andre Anklagen. Wie es der Zunft der Scholiasten ergeht.
Ein Ankläger erklärte, er wäre in Stande viele der Ausrufer zu überweisen, daß sie sich mehr als Eine Stimme angemaast hätten; auch hätten etliche ihr Amt ein Richteramt genant, und wären daher des Hochverraths schuldig. Was das Richteramt besonders anbeträfe; so hätte er nicht wenig Lächerlichkeiten in Bereitschaft, die bis zum Abgeschmakten gingen, und die auf keine Weise durch Ausbildungen bis dahin gekommen wären, weil sie aus den eignen Worten dieser Leute bestünden. Über das alles war er durch sehr glaubwürdige Männer dahinter gekommen, daß etliche Ausrufer, die er kente, eine Geselschaft unter sich errichtet hätten, und mit kleinen leicht zu verbergenden Abbildungen der Mittelmässigkeit Schleichhandel trieben. Sie sollen, sagte man, Nachtwächter zu Maklern und Hökern brauchen. Er wüste von diesem allen wenigstens so viel, daß eine weitere Untersuchung angestelt werden könte. Was die beyden ersten Punkte nämlich die Vielheit der Stimmen, und das Richteramt beträfe; so müste er die Aldermänner bitten, nicht mit zu grosser Strenge die Kürze von ihm zu fodern, weil die Beweise, die er zu führen hätte, und die er gern sehr genau führen wolte, durch viele Andeutungen, auch Beziehungen auf das, was man anderswo gerade heraus gesagt hätte, unterstüzt würden.

Wir verlangen da keine Kürze, sagte der wortführende Aldermann, wo sie, wegen Beschaffenheit der Sache, nicht statt findet; aber wir halten dafür, daß alles, was die Ausrufer angeht, und solten sie auch selbst des Hochverraths schuldig seyn, in Vergleichung mit denen vielen wichtigen Sachen, die wir auf diesem Landtage abzuthun haben, Kleinigkeit sey. Vielleicht ist gegen das Ende des Landtages noch Zeit zu diesen Nebendingen übrig. Für jezt weisen wir deine Anklage ab. Von dem Schleichhandel, der mit den Bilderchen getrieben wird, kanst du uns diesen Abend weitere Nachricht geben.

Ein zweyter Ankläger näherte sich. Entscheidet, sagte er, ob nicht sogar ... unter die Nachahmer gehöre? Ist meine Anklage gerecht; so - es wird mir schwer ein gewisses Wort mit ...s Namen auszusprechen; aber sein Beyspiel ist zu verführend, die Geseze sind einmal die Geseze, und die Republik ist versammelt, so muß ... zum Knecht erklärt werden.

... bezog sich in seiner Verteidigung auf das Urtheil der Republik, ob er nicht gut, und so wie es ein Freyer thun dürfte, nachgeahmt hätte? und ob er nicht für die grosse Anzahl derer, die sein Urbild nicht kenten, aufhörte ein Nachahmer zu seyn? Überdieses hätte er auch oft nicht nachgeahmt. Viele liessen sich auf die Vertheidigung ein. Es wurde nicht wenig auf den Zünften gestritten.

... soll also, sagte man unter andern, nach dem Geseze: Obgleich lange Knechtschaft seine Werke vor der Landgemeine öffentlich verbrennen, damit er zur Freylassung fähig werde? Welche Fordrung? Bleibt denn, wurde geantwortet, nach dem angeführten Geseze nicht auch manches unverbrant? Und überdieß hat er ja auch andre Wege zur Freylassung zu gelangen. Freylich wird er keinen streitsüchtigen Freyen in Zweykampf erlegen wollen, und die Leute auf angemaasten Erfindungen zu ertappen hat man nicht immer Anlaß. Recht gut. Aber kennen denn die Aldermänner einen Mann von ...s Verdiensten nicht? und wird es ihnen nicht eine Freude seyn ihr Recht frey zu lassen, wen sie wollen, bey ihm zu brauchen? Ist er es denn allein, fuhr man fort ihn zu vertheidigen, der nachgeahmt hat? Warum werden die ändern nicht auch angeklagt?

Daß er es allein ist, der angeklagt wird, macht ihm Ehre. Man würde, wenn man mit Anklagen fortführe, Gefahr laufen auf Nachahmer von der Zwitterart zu stossen. Und wer möchte sich vorwerfen lassen, diese angeklagt zu haben ?

Der Herold unterbrach diese und ähnliche Streitigkeiten. Er fing an die Stimmen zu sammeln.

Ohne die Zunft der Scholiasten wäre ... zum Knecht erklärt worden. Denn sie, die den Herold abwies, da er zu ihr kam, und sich zulezt fragen ließ, gab, da die Stimmen getheilt waren, durch die ihrige den Ausschlag.

Es war schmeichelhaft für den Angeklagten, daß sich die Hälfte der Zünfte für ihn erklärte; aber gleichwol hatte ihn mehr als die Hälfte Aldermänner (die andern hielten die wenigen unnachgeahmten und zugleich schöneren Stücke seiner Werke davon ab) verurtheilt. Übrigens war es zwar wol die Zunft der Scholiasten gewesen, die ihn gerettet hatte; doch dieß konte ihm auf keine Weise nachtheilig seyn. Denn nicht ihr Beyfall war es, was sie ihm dadurch hatte bezeigen wollen, (die meisten dieser Zunft kennen weder ... noch sein Original) sondern sie folgte nur ihrer Neigung, es ihm, als einem Nachahmer der Alten, eher wie ändern zu verzeihn, daß er deutsch geschrieben hätte.

Ein neuer Ankläger erschien. Er sagte: Wenn mir ... zutraut, daß ich ihn, ohne deswegen etwas wider ihn zu haben, anklage; so hat er Recht: und traut er mir es nicht zu; so hab ich gleichwol Recht, daß ich es thue. Wer das Beste der Republik mit meinem Eifer wünscht, der denkt hierinn, wie ich; und wer diesen Eifer nicht kent, der ist mir gleichgültig.

... hat auch ohne Bedürfnis viel ausländische Worte in die Sprache gemischt. Es muß daher das Landgericht: Wider die Natur und alte gute Sitte unsrer Sprache auch gegen ihn, oder vielmehr vorzüglich gegen ihn gelten, weil er schon viele zur Nachfolge gebracht hat. Der Ankläger las hierauf aus ... s Schriften alle Stellen her, in welchen er ausländische Worte gebraucht hat. Das Urtheil von Bedürfnis und Nichtbedürfnis überließ er zwar, wie sich das verstand, der Entscheidung der Republik; er schloß aber gleichwol mit dieser Anmerkung: So wol die, welche die Sprache nicht kennen, aus der das ausländische Wort genommen wird, als die, welche sie ein wenig verstehn, und wie klein ist die Anzahl derer, die fremde Sprachen genung verstehn, bekommen von diesem Worte so unbestimte Begriffe, daß die Absicht des Gebrauchs beynah ganz verfehlt wird. Dieß ist desto wahrer, je bedeutender das ausländische Wort ist; und bedeutende Worte soll man denn doch vorzüglich wählen, wenn man anders verlangt, noch einigermaassen entschuldigt zu werden. Dieß schon ist zureichend, solche Worte zu verwerfen; und wir haben, es zu thun, kaum nötig, uns des Widrigen der Mischung, und des Reichthums unsrer Sprache, den sie schon hat, und nach ihrer vielseitigen Anlage noch haben kann, zu erinnern.

Es wunderte einige, daß die Aldermänner den Ankläger, nach der Ablesung, noch dieses zu sagen erlaubten. Denn was braucht er, war ihre Anmerkung, Gründe der Geseze, die uns allen bekant sind, anzuführen ?

Man klage ihn an, sagte ... und werde ihn vielleicht gar verurtheilen; gleichwol fodre er Belonung. Denn er habe, ausser den ausländischen Goldstücken, auch einheimische, der Scherfe nicht zu gedenken, in die Sprache gebracht. Der Ankläger antwortete: Er würde doch an der Gerechtigkeit der Republik nicht zweifeln, und wissen, daß sie sich durch die auswärtige Münze, denn nur das, und nichts mehr wären auch die besten solcher Worte, nicht würde abhalten lassen, für die Goldstücke zu belonen, im Falle, daß diese die in den Gesezen bestirnte Zahl ausmachten. Die Stimmen wurden hierauf gesammelt. In den Zünften der Rechtsgelehrten, der Astronomen, der Naturforscher, der Mathematiker, und der Weltweisen waren zwar nicht wenig Stimmen für den Angeklagten, weil verschiedne Mitglieder dieser Zünfte, bey Bereicherung der Sprache, eben nicht ekler Wahl seyn, und auch wol die Bedürfnis nicht genau mochten untersucht haben; aber die Mehrheit war doch wider ihn. Die Aldermänner, und die übrigen Zünfte waren's beynah mit allen einzelnen Stimmen. Für ihn waren nur die Zunft der Scholiasten, und das Volk; aber dieß, zu Vieler Verwundrung, doch nur mit zwey Stimmen.

Die Aldermänner schikten zu den Dichtern, und liessen ihnen, wegen ihrer Unpartheylichkeit, in Absicht auf ... n, und auf sich selbst, danken; auf jenen, weil sie ihn überhaupt und als ihren Mitzünfter hochachteten, und auf sich selbst, weil ihnen die Sprachmischung so vortheilhaft wäre. Denn, gemischt, wäre die Prosa am meisten von der Poesie unterschieden; und bekantlich müsten die Dichter nach nichts so sehr trachten, als sich von den Prosaisten zu unterscheiden. Der würde sehr Unrecht haben, fuhr der Abgeordnete der Aldermänner fort, welcher das Verdienst der Unpartheylichkeit, für die jezo den Dichtern gedankt würde, durch die Vermutung schmälern wolte, daß sie gefürchtet hätten, das Gemisch könte wol einmal bis zur poetischen Sprache durchdringen. Denn es wäre eine offenbare Ungerechtigkeit, von den Deutschen zu glauben, sie würden jemals so sehr, als es hierinn die Engländer wären, von allem Geschmacke verlassen seyn, daß sie den Dichtern einen solchen Verderb ihres Ausdruckes gestatten solten. Um die Unpartheylichkeit der Dichter (der Abgeordnete wandte sich an seine Begleiter, unter denen Altfranken waren) richtig zu beurtheilen, muß man sich, (denn bis dahin würd es zulezt kommen) auf der einen Seite, die Sprache der Prosaisten beynah auf englische Art, und selbst mit dem Englischen, denn warum denn nicht auch dieß? vermischt, und also als eine halbausländische, oder mit dem nicht so gelinden Worte der Alten, als eine halbbarbarische vorstellen; und auf der andern Seite, daß die Dichter die deutsche Sprache behalten haben: ein Unterschied zwischen Prosa und Poesie, der selbst bey den Griechen, bey denen er doch am weitesten geht, so weit nicht gegangen ist. Wer unter euch die Alten kent, der vergleiche hier, nicht etwa Herodotus und Sophokles, denn bey ihnen ist die Verschiedenheit weniger merklich; sondern Xenophon und Homer: und thue dann den Ausspruch.



Die Zünfte wurden durch das jezige Verfahren der Scholiasten von neuem gegen sie aufgebracht. Denn sie fanden in demselben eine geheime Absicht der Sprache zu schaden. Da diese Meinung zu so vielem Alten, das gegen die Scholiasten zu erinnern war, hinzukam, so blieb es selbst ihnen nicht länger zweifelhaft, daß die Aufhebung ihrer Zunft beschlossen wäre. Sie thaten in dieser grossen Angst einen Schritt, den sie freylich, wie viel anderes, nicht genung überlegt hatten, und der sie hernach sehr reute. Sie schikten ihren Anwald ab, der sich mit der Bitte an die Republik wandte: Man möchte dem grossen Volke (so nanten sie den Pöbel, um ihn zu gewinnen, und vielleicht auch, das Sonderbare ihrer Entschliessung sich selbst zu verbergen) dem grossen Volke gestatten, morgen doch auch Einmal eine Stimme zu haben. Die Aldermänner antworteten dem Anwalde auf der Stelle: Das sollen sie schon heute; und aus allen Zünften und dem ganzen Volke rief man dem Herolde, der die Stimmen sammeln wolte: Schon heute! zu.

Kaum war dieß vorbey; so begaben sich die Anwalde der Redner, der Dichter, und der Geschichtschreiber zu den Aldermännern. Dieser ungewöhnliche Hergang der Sache, denn sonst hat immer nur Ein Anwald den Vortrag, veranlaste die übrigen Zünfte ihre Anwalde schnell nachzuschicken. Nur der Anwald der Drittler wurde ein paarmal zurük gerufen, neue Verhaltungsbefehle zu empfangen. Denn diese Zunft schwankte ein wenig. Der Anwald der Geschichtschreiber führte das Wort. Ihr sehet, Aldermänner, daß dießmal alle Zünfte vor euch versammelt sind. Der Herold braucht die Stimmen nicht zu sammeln. Wir haben von unsern Zünften Befehl sie zu geben. Es sind drey Jahrhunderte, daß nicht etwa nur die Scholiasten unsrer Republik, sondern auch die Scholiasten aller Gelehrtenrepubliken des ganzen Europa die Alten erklärt haben. Also denken wir, daß sie endlich einmal erklärt sind. Zu der geringen Nachlese, die etwa noch zu halten seyn möchte, braucht es keine Zünfter. Denn die Stelle, welche ein Zünfter in der Republik einnimt, ist für den zu erhaben, der weiter keine Verdienste hat, als ein solcher Nachleser zu seyn. Gleichwol würden wir Deutschen, nach der uns eignen unaussprechlich grossen Geduld, noch immer Nachsicht mit unsrer Scholiastenzunft gehabt haben, wenn sie nicht gröstentheils aus Leuten bestünde, die vor Dünkel und Vorurtheil nicht wissen, wo sie hinwollen. Sprachen muß man lernen; wer leugnet das? Aber wie man die englische, französische, oder italienische, entweder durch sich selbst, oder von einem Sprachmeister lernt, so, und nicht anders lerne man auch die lateinische, und die griechische. Die ersten und nächstfolgenden Scholiasten waren, und musten ganz andre Leute seyn, als die jezigen. Sie begaben sich auf ein neues grosses Feld voller Schwierigkeiten. Sie sahen scharf, einige nämlich, verglichen, entwickelten eben so, und konten nur erst spät ein reifes Urtheil fällen. Die jezigen Scholiasten, die jenen nun das hundertemal nachsprechen, sind weiter nichts, als lateinische oder griechische Sprachmeister. Wer verachtet sie deswegen, weil sie nur das sind? Aber sollen sie denn deswegen, weil sie nur das sind, auch fortfahren eine Zunft zu seyn? Und dennoch würde die unüberwindliche deutsche Geduld sie noch beybehalten; wenn sie den Fortgang der Wissenschaften, durch Verwandlung der Nebendinge in Hauptsachen, des Mittels in den Zwek, nicht hinderten; nicht, weil man Anmerkungen über die Alten gar füglich lateinisch schreibt, noch immer bey ihrem Wahne blieben, daß man überhaupt am besten thäte in dieser Sprache zu schreiben; und, welches vollends alles übertrift, was nur ungedacht und lächerlich ist, daß man in keiner neuern, sondern einzig und allein in der römischen Sprache, (thun sie's etwa? und kann man's jezonoch?) schön schreiben könte; wenn sie uns endlich, vornämlich durch diese Behauptung, nicht gerade zu verführen wolten, Hochverräther an unserm Vaterlande, an uns selbst, und an unsern Nachkommen zu werden, und zu glauben, die wahre, inre, tiefeingeprägte Kraft und Schönheit des deutschen Geistes könne durch unsre Sprache nicht ausgedrükt werden. Nichts geringers liegt in ihrer Behauptung. Denn sie wissen, oder solten wissen, daß wir auf keine Weise verlangen was Fremdes, was Ausländisches, altes oder neues auszudrücken. Ich rede gar nicht mehr von diesen Männern, gar nicht mehr mit ihnen, wenn ich hinzuseze, daß wir noch sehr vieles ungethan lassen, wenn wir nur diesen Hochverrath nicht begehn. Wir müssen den Mut haben, den Entschluß fassen, ihn mit deutscher Standhaftigkeit ausführen, alle Wissenschaften, welche diesen grossen Namen verdienen, und dieß ungeachtet der Mitansprüche der gebildeten Völker Europa's, in unsrer Sprache zu erweitern, und zu erhöhn. Denn der ist nur ein Kleinmütiger, ein Halbdeutscher, einer, der sein Vaterland verkent, der es noch erst lernen muß, daß der ächte Deutsche, der kernhafte Mann der Nation alsdann gewiß ausführt, wenn er auszuführen beschlossen hat.

Nach Endigung dieser Anrede zeigte es sich, daß die Hofnung, welche die Scholiasten auf die Gelindigkeit der Aldermänner gesezt hatten, eitel gewesen war. Denn diese stimten dem Ausspruche der Zünfte sogleich bey. Es währte auch gar nicht lange, daß der Rathfrager zu den Aldermännern herauf kam, und den Beytritt des Volks anzeigte. Der Schreyer war mit ungebehrdiger Freude unter dem Pöbel herumgewandert, und hatte die Stimmen gesammelt. Er kam ganz ausser Athem zu dem Herolde gelaufen (denn herauf kommen darf er nicht) und sagte ihm, daß man sich ihrer Seits hiermit gegen die ganze Republik erkläre.

Den Aldermännern wurde von den Zünften und dem Volke aufgetragen, die Mitglieder der aufgehobnen Zunft zu vertheilen. Dieß geschah, und die meisten kamen unter den Pöbel. Die Aldermänner wurden zugleich einig, daß den Plaz, welchen die Zunft der Scholiasten einzunehmen pflegte, keine andre Zunft betreten, und daß dort ein Stein mit einer Aufschrift errichtet werden solte.

... n gings bey dieser Gelegenheit ein wenig wunderlich. Er gehörte zwar der Zunft der Gottesgelehrten auch an, aber er war diesen Landtag auf der Zunft der Scholiasten, die er sehr liebte, erschienen. Man hatte ihn gewarnt, und ihm gar nicht undeutlich zu verstehn gegeben, daß er doch dießmal die Zunft der Gottesgelehrten vorziehn möchte; allein er hatte es schlechterdings für unmöglich gehalten, daß sich so etwas, wie doch gleichwol hernach erfolgte, mit der ersten der Zünfte zutragen könte. Wie kann es Uns so schief gehn, sagte er, da Wir es eigentlich sind, welche die Republik aufrecht erhalten? Nein, nein solche Einflüsse können die Liebhaber der Frau Muttersprache niemals haben! Frau Muttersprache war auch dießmal sein Ausdruk gewesen. Wir wissen durch sehr glaubwürdige Zeugen, daß er diesen Scherz, der uns nur gar winzige Körnchen des attischen Salzes zu haben scheint, fast täglich auf dem Lehrstule vorbringe, vermutlich, um die jungen Deutschen, seine Zuhörer, dadurch zu vaterländischen Gesinnungen anzufeuren. Seiner Einsichten und Schlüsse ungeachtet war er jezo unter dem Volke. Nun erst auf der Zunft der Gottesgelehrten zu erscheinen? Dazu hätte er eine Erlaubnis haben müssen, welche Ausname gewesen wäre; und die konte vielleicht auch nicht gegeben werden. Es war also mislich mit der Ansuchung. Und überhaupt jezo, bey so sehr einreissender Unwissenheit, jezo um irgend etwas anzuhalten?

Die Zunft der Gottesgelehrten kam ihm zuvor, und lud ihn ein den Landtag unter ihr zuzubringen. Das hat er zwar gethan; aber er hat, den ganzen Landtag über, zu nichts seine Stimme gegeben, weil er an der Republik verzweifelte.



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