Eine Einführung zu ‘Depression’



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Eine Einführung zu ‘Depression’

Judy Kantrowitz (USA)


Das Thema unseres Kongresses ist die Begegnung mit dem Schmerz der Patienten, mit denen wir analytisch arbeiten. Unsere Aufgabe besteht darin, uns in ihre Welt und ihren Zustand hineinzuversetzen, um ihnen dabei zu helfen, Unerträgliches zu containen und zu repräsentieren. Wir begleiten sie auf der Suche nach Möglichkeiten, somatischen Schmerz in Affekte zu transformieren und ihre Gefühle zu kommunizieren. In diesem Prozess teilen wir ihr Ringen und ihr Leid und entdecken dabei sowohl eigene Aspekte, in denen ihr Schmerz eine Resonanz findet, als auch solche, die sich dem widersetzen. Sich auf die intensive emotionale Analyseerfahrung einzulassen heißt, dass wir den Versuch wagen, Erfahrungen anzuerkennen und zu empfinden, die unsere Patienten ohne unseren Beistand nicht anerkennen und empfinden können. Wenn alles gut geht, erfahren nicht nur die Patienten zahlreiche schmerzliche Wahrheiten über sich selbst. Auch wir lernen in diesem Prozess, schmerzhafte Affektzustände zu ertragen und zu modulieren. Wir haben die Aufgabe, unseren Patienten zu helfen, sich weiterzuentwickeln, doch die intensive emotionale Arbeit ermöglicht auch uns selbst eine Weiterentwicklung.

Mein Thema ist die Depression. Ich stelle die insgesamt elfjährige Analyse eines Mannes mit eingefrorenem Affekt vor. Die Behandlung begann in einer frühen Phase meiner Arbeit als Analytikerin. An der Depression meines Patienten waren dispositionelle sowie umwelt- und entwicklungsbezogene Faktoren beteiligt. Er war gleichsam festgefahren in einer psychischen Position, in der es ihm unmöglich war, erfolgreich zu sein, hörte aber nicht auf, sich nach Erfolg zu sehnen – während er sich gleichzeitig an seine Herkunftsfamilie und deren innere Repräsentationen klammerte. Vor allem aber gehorchte dies alles seinen eigenen Bedingungen. Er wirkte lethargisch und wie gefangen in masochistischen Mustern und in seinem eingefrorenen Affekt; dennoch verstand ich seine Schwierigkeiten als ein offenes dynamisches System, das diese Faktoren auf schmerzhafte Weise im Spiel behielt – mit dem Ergebnis, dass er voranzukommen versuchte und sich dann wieder selbst zurückhielt. Da er seine Ziele nicht zu erreichen vermochte, fühlte er sich ständig gedemütigt. Er fürchtete sich vor seiner eigenen Aggression, die ihm potentiell mörderisch erschien; die Angst, jemandem Leid zuzufügen, lähmte ihn. Auch dies trug dazu bei, dass er keine Erfolge erzielen konnte. Er richtete seine Aggression gegen sich selbst, indem er sich leichte, mittlere und bisweilen schwere Strafen auferlegte. Zudem quälte ihn seine Einsamkeit; wenn er aber neue kognitive, affektive und beziehungsmäßige Formen des Zusammenseins mit anderen und mit sich selbst suchte, überkam ihn die Scham.



Mein Analysand und ich suchten nach Möglichkeiten, die Hindernisse zu überwinden, die durch seine Projektionen und seine Probleme mit der Affektregulation entstanden. Seine unsicheren Grenzen erschwerten es ihm, zwischen sich und anderen sowie zwischen Realität und Phantasie zu unterscheiden. Sobald er sich sexueller oder aggressiver Impulse bewusst wurde, wollte er aus der Analyse fliehen. Seine bewusste Selbstkritik bestätigte ihn in der Erwartung, kritisiert zu werden. Er blieb der Vergangenheit und den alten Konstruktionen seiner selbst und anderer verhaftet und konnte sich auch aufgrund seiner selbstschädigenden Verhaltensweisen nicht davon lösen. Ich selbst erlebte seine verleugneten Affekte als Gefühllosigkeit und musste mich damit auseinandersetzen. Seine Angst vor Gefühlen war auf jeder Entwicklungsebene und in unserer Übertragung/Gegenübertragung von Anfang bis Ende der Analyse aktiv. Wenn meine Resonanz mit seiner Beengtheit allzu stark wurde, hatte ich gelegentlich Schwierigkeiten, meinen eigenen Affekt zu modulieren. Im Laufe langsamer, von Schmerzen begleiteter Zyklen der Progression und des anschließenden Rückzugs fasste er nach und nach Vertrauen zu mir und zu sich selbst, so dass er sich ein erfüllteres Leben zugestehen und Gefühle zulassen konnte. Ich selbst wiederum nahm eine leichte, aber parallele Furcht, ihm wehzutun, in mir wahr, die sich hemmend auf meine analytische Arbeit auswirkte. Beide konnten wir unsere Toleranz für die Affektäußerung verbessern.


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