Johann Heinrich Bisterfeld



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Es muss die Seele des gottlosen Spinoza in jenem Menschen wohnen, der solche Schmähworte spricht. Gott soll unsere Seelen von dergleichen Werken der Dunkelheit bewahren.

Letztlich kamen auch einige Vertreter der neuesten deutschen Denkrichtungen auf die Liste: das Werk Doxoscopia des ausgezeichneten Hamburger Philosophen Joachim Jungius (Nr° 10.), De plagio von Jacob Thomasius (Nr° 184.), obwohl der Leipziger Philosophieprofessor weniger durch seine neuen Ansichten, als vielmehr durch seine pädagogische Leistungen berühmt wurde. Er war nämlich einer der Lehrer des bedeutendsten deutschen Denkers der Zeit, Gottfried Wilhelm Leibniz, der für Spinoza besonderes Interesse zeigte, und 1676 ihn auch besuchte. Von Leibniz ist im Verzeichnis ein Jugendwerk über die Bewegung (Nr° 160.) angeführt.



Hermetik und Alchemie

Ein anderes, äußerst bedeutendes Segment des Verzeichnisses widerspiegelt ein gesteigertes Interesse für die Magie, die hermetischen Traditionen und die Alchemie. Die Auflistung kann bei dem Magie-Handbuch von Agrippa De occulta philosophia (Nr° 214.) und dem Werk Magia naturalis von Giambattista della Porta (Nr° 189.) angesetzt werden, die zu der Zeit außerordentlich populär waren. Im Katalog findet man auch zwei nicht näher identifizierbare Werke von Raymund Lull (Nr° 106.), bzw. von Roger Bacon (Nr° 104.). Bacon geriet in Schwierigkeiten gerade wegen seiner geheimen Experimente, die er im Pariser Haus des Franziskanerordens ausführte. Hierzu gehört auch eine Arbeit des Paul Scalichius, des sich für den Grafen der Hunnen haltenden Pál Skalics (Nr° 169.). Scalichius war der Autor einer Reihe von kabbalistisch-lullistischen Werken im XVI. Jahrhundert. Es folgt das Werk Anatomiae Amphiteatrum vom Lehrer des oben bereits erwähnten Digby, Robert Fludd (Nr° 138.), in dem die Anatomie und Physiologie aufgrund von alchemistischen Experimenten und Sezierungen dargestellt wird. Auch Paracelsus soll hier aufgelistet werden, der radikal mit den medizinischen Traditionen von Galenos und Avicenna brach (Nr° 118.), wie auch der geheimnisvolle Basilius Valentinus, dessen am Anfang des XVII. Jahrhundert berühmt gewordenes Werk Der Triumphwagen des Antimon war. Auch andere Werke von Basilius Valentinus wurden zu der Zeit veröffentlicht, und es kann angenommen werden, dass der Besitzer auch die 1677 in Hamburg herausgegebenen gesammelten Schriften des Autors besaß (Nr° 120.). Wir wissen zwar wenig vom deutschen Alchemisten Heinrich Nolle, z.B. dass er an den Diskussionen des Rosenkreuzer teilnahm, und dass 1623 die Giessener kirchlichen Behörden wegen eines seiner Werke auch ein Verfahren gegen ihn einleiteten, sein hermetisches Werk konnte aber zumindest mit Sicherheit identifiziert werden (Nr° 18.). Der paracelsischen Lehren folgende Iatrochemiker, Jean Beguin wurde durch die Herstellung von Medikamenten berühmt, dessen Textsammlung Tyrocinium Chemicum wenig Theorie, aber umso mehr praktische Ratschläge beinhaltet (Nr° 247.). Johann Schröder, der in Frankfurt als Stadtphysiker tätig war, publizierte 1641 zum ersten Mal sein Hausrezeptbuch, das Pharmacopoeia, das auf einen sehr großen Erfolg stieß. Schröder war übrigens auch ein Anhänger der Lehren von Paracelsus, weshalb auch gegen Ende des XVII. Jahrhunderts einige seiner Thesen korrigiert werden mussten. Der Arzt und Physiker Friedrich Hoffmann aus Halle, der selber Autor verschiedener Werke zum Thema Medizin war (Nr° 17.), war derjenige, der das Werk von Schröder gründlich überarbeitete und neu herausgab. In den alchemistischen Experimenten spielten die Metalle eine wichtige Rolle - über die Transformation derselben verfasste der Kieler Geschichtsprofessor Daniel Morhof einen Brief (Nr° 123.). Aus den Werken, die den Weg zur modernen Chemie wiesen, sollen die Schriften des dänischen Arztes und Chemikers, später königlichen Rates, Borrich hervorgehoben werden (Nr° 20. und 21.). In einer dieser Schriften polemisierte er mit dem Helmstedter Arzt Hermann Conring, der die Bedeutung der Alchemie für die Heilkunde bezweifelte (Nr° 39). Als Rarität muss ein Werk über Chemie des Arztes Bernhard Swalve aus Emden (Nr° 53) bezeichnet werden, wie auch die Werke von Michael Ettmüller (Nr° 246.), bzw. von Caspar Cramer (Nr° 244.).

Medizinische und naturwissenschaftliche Werke

Es sind zahlreiche medizinische Arbeiten im Verzeichnis zu finden. Der Wittenberger Professor und Iatrochemiker Daniel Sennert (Nr° 2.), bzw. sein Professorenkollege Sperling (Nr° 164.) sind mit jeweils einem Werk auf der Liste vertreten. Sennert plädiert in seinem Hauptwerk für die atomistische Weltanschauung. Von größerer Bedeutung sind jedoch die aus der zweiten Hälfte des Jahrhunderts stammenden medizinischen Werke von Reinesius (Nr° 192.), bzw. Thomas Bartholinus, der rege Beziehungen zu den Gelehrten seiner Zeit pflegte, und ist auf der Liste mit einem Exemplar seiner medizinischen Briefe repräsentiert (Nr° 193.). Sein Zeitgenosse war der Oxforder Professor und Iatrochemiker Thomas Willis, der als eine der größten Persönlichkeiten der Medizin des XVII. Jahrhunderts galt. Er war derjenige, der zuerst die These formulierte, Verdauung sei die Bewegung der Därme oder der inneren Körperteile (Nr° 207.). Im Verzeichnis befindet sich ein Chemielehrbuch des Jenaer Universitätslehrers Werner Rolfinck, der ein Laboratorium einrichtete, und berüchtigte Sezierungen vor der Öffentlichkeit des Weimarer Hofes durchführte (Nr° 243.). Die medizinischen Schriften des Leidener Medizinprofessoren Antonides von Linden (der letzte Eching von Rembrandt wurde gerade von ihm hergestellt) waren sogar in zwei Bänden zugänglich - einmal in einer Amsterdamer Ausgabe (Nr° 81.), und auch in der Redaktion von Georg Mercklin mit dem Titel Lindenius redivius (Nr° 27.).

William Gilberts Naturphilosophie über Magnetismus und elektrische Phänomene zählte in europäischen Gelehrtenkreisen zu den Hauptwerken der Zeit (Nr° 135.). Gilbert arbeitete alle bis dahin gewonnenen Erkenntnisse auf, und ging sogar den verschiedenen Aberglauben nach. Er ergänzte dann diese mit Ergebnissen seiner eigenen Experimente, wie z.B. mit der Wahrscheinlichkeit dessen, dass zwischen den Polen eine Art magnetische Kraft wirkt. Der zeitgenössische Mathematiker und Astronom Abdias Trew aus Herborn ist auch mit einem Werk im Verzeichnis vorhanden (Nr° 165.). Borelli, der vielseitige italienische Natur­wissenschaftler, Autor von Werken über Physik, Optik und Astrologie, dessen Bruder der Sekretär von Campanella in Florenz war, Mitglied der von der Familie Medici ins Leben gerufenen Accademia del Cimento unternahm in seinem Werk De vi percussionis den Entwurf eines mechanischen Systems, den er in De motu animalium weiter entwickelte. Er versuchte, die Bewegungen der Tiere aufgrund von mathematischen Rechnungen zu beschreiben. Die Kosten des Werkes wurden von der ehemaligen schwedischen Königin Christine übernommen - Borelli widmete ihr sein Werk, das aber erst nach seinem Tode veröffentlicht wurde (Nr° 159.). Die Zahl der Werke des französischen, aber in Italien wirkenden Jesuitengelehrten Honoré Fabri übersteigt 30 Schriften. Sein Interesse erstreckte sich von dem Heliozentrismus, durch die Ringe des Saturns (in dieser Sache führte er auch einen berühmt gewordenen Streit mit dem niederländischen Physiker Christian Huygens), bis zur Optik und dem Magnetismus. Er war sogar mit Galilei in Hinsicht auf die Bewegung der Erde um die Sonne einverstanden, weshalb er auch für 50 Tage in ein Gefängnis gesteckt wurde. Seine Physik (Nr° 166.) wurde auch in Gelehrtenkreisen anerkannt. Im Verzeichnis sind noch unter den deutschen Autoren die Physik von Johann Christoph Sturm (Nr° 177.) und sein Brief an More (Nr° 157.) angeführt.

Man findet auch die Hauptwerke der Botanik: die Historia plantarum von Theophrastus Graecus (Nr° 76.) basiert auf den Erfahrungen in dem von ihm gegründeten athenischen botanischen Garten. Das Werk wurde im Auftrag vom Papst Michael V. von Theodor Gaza ins Lateinische übersetzt (Nr° 109.). Dioscorides schuf eine Geschichte der Pflanzen (Nr° 179.), nach ihm folgte Plinius (Nr° 78. und 180. sind gleich). Die hier aufgezählten antiken Autoren zählten zu den angesehensten Botanikern auch noch in der frühen Neuzeit. Der Besitzer verfügte über eines der seltenen Werken über Mineralien und Pflanzen des Isaacus Hollandus (Nr° 107.), wie er auch einen Band über Heilpflanzen aus der emblematischen Reihe über Pflanzen und Tiere (zuerst 1593-1604) des namhaften Arztes und Botanikers Camerarius (Nr° 196.) besaß.

Der Eigentümer der Bibliothek hatte auch eine bedeutende Sammlung von enzyklopädischen Werken. Ein Beispiel ist das Speculum naturale von Vincentius Bellovacensis: der im XIII. Jahrhundert lebende Enzyklopädist lieferte mit seinen Ordensbrüdern eine Zusammenfassung der Wissenschaften seiner Zeit. Eine Ausgabe des Werkes, das in 32 Büchern die Geschichte der Menschheit und der Natur darlegte, ist auch noch aus dem Jahre 1624 bekannt (N° 183.). Zu dieser Zeit wurde die Sammlung von Raritäten aus der Pflanzen-, Tier- und Mineralienwelt zur Mode, und nicht nur die Herrscher, sondern auch Privatpersonen konnten solche Sammlungen (Wunderkammer) errichten, die mit Bewunderung vom Publikum aufgesucht wurden. Eine der namhaftesten Lektüren dieser Art aus dem XVI. Jahrhundert ist das Werk Musaeum metallicum von Aldrovandi (Nr° 205.), das eine Beschreibung der 18 Tausend Stücke zählenden Sammlung des Naturwissenschaftlers und Philosophen aus Bologna ist. Die Dell’Historia Naturale des Apothekers und berühmten Sammlers aus Neapel Ferrante Imperato besteht aus 28 Büchern, und bespricht neben bergbaulichen und alchemistischen Themen auch Phänomene der Pflanzen- und Tierwelt (Nr° 186.). Der später in Kopenhagen praktizierende dänische Arzt Ole Worm lernte auch ihn während seiner italienischen Reisen kennen: er verfasste im XVII. Jahrhundert mit seinem Museum eine Kopie des Werkes von Imperato, das ein wunderbar illustriertes Werk mit 428 Folioseiten ist (Nr° 204.). Worm begann 1621 die Stücke seiner Sammlung nach den größten Mustern systematisch anzuschaffen, die dann nach seinem Tode vom dänischen Herrscher Friedrich III. angekauft wurden, um später zu einem Teil des Dänischen Nationalmuseums zu werden.

Auch das Werk Piazza Universale von Tommasso Garzoni (Nr° 208.), das die Beschreibung der Handwerke und Künste beinhaltet, ist enzyklopädieartig, wie auch die aus den Werken von Garzoni und anderer Autoren zusammengestellte Textsammlung von Polus (Nr° 209.), wo das gleiche Thema behandelt wird.



Chinesische Reisebeschreibungen

Unter den Titeln bilden eine besondere Gruppe diejenigen, die sich mit China befassen. Das XVII. Jahrhundert ist äußerst reich an exotischen Reisebeschreibungen. Die Jesuitenmissionare schritten in der Verfassung dieser Beschreibungen und in der Bekanntmachung der Kultur von fremden Völkern besonders voran: einer der Pioniere der modernen China-Missionen war Nicolas Trigault, der nach seinen Studien vom Orden selbst nach China geschickt wurde, um zwischen 1607 und 1613 an verschiedenen Orten (wie Nanking und Peking) Dienst zu leisten. Nach seiner Rückkehr nach Europa, plante er eine neue Missionsreise. Eines seiner Ziele war, die Heilige Schrift ins Chinesische zu übertragen. 1618 reiste er gemeinsam mit 22 Ordensbrüdern, mithilfe von finanzieller Unterstützung, wieder nach China. Er überarbeitete das auf Italienisch verfasste Reisetagebuch seines Ordensbruders Matteo Ricci, übersetzte es ins Lateinische und gab es 1615 heraus. Es war jedoch nicht zu identifizieren, ob es sich um dieses Tagebuch oder um die von Trigault und anderen verfasste Geschichte von China handelt (N° 48.). Auch Martino Martini hielt sich jahrelang in China auf, dessen Novus Atlas Sinensis zu einem wahren Bestseller wurde (Nr° 47.). Einer der Teilnehmer der Trigaultschen Expedition, Adam Schall von Bell lebte dann in Peking als Mandarin und Günstling des Kaisers von China. Seine Beschreibung von China wurde 1665 in Wien herausgegeben (Nr° 49.). Dieses Thema beschäftigte auch den berühmten Jesuitenpolyhistoren Athanasius Kircher, der sich - seinen Status ausnützend - allerlei Materialien der Missionsreisen anschaffte, um daraus seine ethnographisch-literarisch-kulturkundige Abhandlung über die Chinesen zu schreiben (Nr° 51.). Die Ergebnisse der ersten holländischen Gesandtschaft nach China wurde von Johann Nieuhof im Jahre 1665 zusammengefasst (N° 52.). Der Augsburger Theophilus Spizel kam zwar nie nach China, aber während seines Aufenthalts in Leiden veröffentlichte er sein interessantestes Buch mit dem Titel Commentarios de re litteraria Sinensium (Nr° 50.), dessen Quellen die Werke des Jesuitenmissionars Michele Ruggieri, bzw. die Sinicae Historiae Decas prima von Martino Martini (1658) waren. Spizel versuchte, eine Verbindung zwischen der Philosophie, bzw. religiösen Weltanschauungen der Chinesen, der Griechen, der Ägypter und der Inder herzustellen.

Das Interesse des Bibliothekbesitzers für exotische Erscheinungen und Orte erschöpfte sich nicht in den Chinalektüren: Abraham Rogerius arbeitete zehn Jahre lang in Palicatta (Neuseeland), dessen Buch die erste in Europa verfasste Schrift über den Hinduismus und die brahmanischen Bräuche darstellt. Sein Werk erschien 1651 zuerst auf holländisch, dann wurde es 1663 auch auf deutsch übersetzt, das von Christoph Arnold um eine vergleichende Analyse der amerikanischen, afrikanischen und asiatischen Religionen ergänzt wurde. Diese letztere Ausgabe ist im Verzeichnis angeführt (Nr° 43.). Es soll noch ein anderes „Reisebuch“ erwähnt werden, und zwar See-Fahrt nach der neuen Welt ohne Schiff und Segel (Nr° 206.), dessen Autor, der deutsche Johann Daniel Major folgenderweise den Leser im Vorwort seines Werkes anspricht:

Am allerwunderlichsten aber wird die vielleicht vorkommen gegenwertige Meine, und heutiges Tages vieler andern getreuen Diener der Natur, vorgenommene Reise, nicht mit dem Scipione, und Kirchero nach den Sternen, oder absonderlich zu dem Monden mit dem fliegenden Wandersmann: auch nicht mit dem Bacone Verulamio nach seinem, hinter America gefundenem Neuen Atlas sondern nach einer gantz andern Neuen Welt, und zwar eine Reise zur See, ohne Schiff und Segel.

Nun, die hier erwähnten Autoren und Werke sind Teil des Verzeichnisses, und ich nehme an, dass auch die berühmte Geschichte des auf den Mond fliegenden Menschen konnte sich im Besitz des Bibliothekeigentümers befinden. Der Autor der Geschichte ist nämlich Francis Godwin (im Verzeichnis bloß als Godwinus angeführt, Nr° 27.), dessen äußerst populäres Werk The man in the moon in mehrere Sprachen übersetzt wurde. Schließlich zurück zum Thema Kircher: sein Hauptwerk war das Oedipus Aegyptiacus (N° 42.). Er arbeitete etwa zwanzig Jahre an seinem Buch von einem Umfang von fast zweitausend Folioseiten, zu dessen Herausgabe im Jahre 1652 Kaiser Ferdinand III. mit einer riesengroßen Summe beigetragen hat. Kirchers Meinung nach seien die Ägypter die Besitzer der uraltesten Weisheit gewesen, von der sich auch die anderen Kulturen ernährten. Deswegen hat er die Kulturen aller Kontinente miteinander verglichen, darin das Gemeinsame suchend, und es schien ihm den Schlüssel dazu in den ägyptischen Hieroglifen zu finden.



Die Repräsentativität der Bibliothek

Ich möchte noch kurz auf einen Faktor hinweisen, der oft in buch- und lesegeschichtlichen Analysen außer acht gelassen wird. In einem großen Teil der Bücher spielen die Illustrationen eine sehr wichtige Rolle, und das Verzeichnis beinhaltet mehrere - meiner Ansicht nach planvoll gesammelte - sehr kostbare Kunstalben, die mit niveauvollen Kupferstichen verziert sind. In dieser Hinsicht verdienen die philosophischen Traktate natürlich weniger Aufmerksamkeit, es handelt sich aber umso mehr um die Item der naturwissenschaftlichen, medizinischen, alchemistischen, enzyklopädischen und reisebeschreibenden Literatur. Der Novus Atlas Sinensis beinhaltet die detailliertesten chinesischen Karten der gegebenen Epoche, und bis zum 1737 wurde keine bessere und präzisere angefertigt (in diesem Jahr erschien die Kartensammlung Atlas de la Chine von D’Anville): Martini veröffentlichte je eine allgemeine Karte von China und Japan, bzw. die Karten von 15 chinesischen Provinzen, und zwar in technisch hervorragender Qualität. Und wie es in der Blaeu-Druckerei Tradition war, durften die Kunden zwischen dem handgefärbten und dem blanken Druckexemplar wählen. Athanasius Kirchers Werke in Folioformat sind bis heute wegen ihrer schönen Illustrationen bekannt, was auch bei den beiden oben erwähnten Bänden der Fall ist. Gilbert versah das Werk über den Magnetismus mit zahlreichen Illustrationen, als auch Joachim Schröder seine Pharmacopoea. Im Falle der Werke von Aldrovandi, Ferrante und Worm sind die Bilder gleich wichtig wie der Text. Zum Werk Ferrantes wurden z.B. 126 so präzis und anschaulich angefertigte Holzschnitte mit Pflanzen und Tieren angeschlossen, dass aufgrund der Bilder die Rassen auch heute noch identifizierbar sind.



Wissenschaftliche Fachbibliothek

Die inhaltlichen Charakterzüge der Bibliothek lassen sich folgenderweise zusammenfassen:

1. die Mehrzahl der Item stammt aus philosophischen Themenkreisen,

2. in bedeutender Anzahl sind Werke in Medizin, Hermetik und Naturwissenschaft repräsentiert, und

3. die Titel, die chinesischen Reisebeschreibungen beinhalten, weisen auf eine Art Spezialisation hin.

Eine Bibliothek kann natürlich auch durch ihre Mängel charakterisiert werden, obwohl - wie ich bereits erwähnt habe - es sich in unserem Fall um einen fragmentarischen Katalog handelt. Wenn wir dieses Verzeichnis mit dem Bestand der am Anfang der vorliegenden Studie aufgelisteten Gelehrtenbibliotheken vergleichen, springt ins Auge, dass das antike und humanistische Material zwar sorgfältig ausgewählt ist, aber es tritt in den Hintergrund. Auch die Zahl der theologischen Werke scheint unbedeutend zu sein - z.B. Voetius (Nr° 3.) oder Spanheim (Nr° 26.): dieses Phänomen ist sehr außergewöhnlich, betrachtet man die Gelehrtenbibliotheken des Karpatenbeckens. Es kann auch festgestellt werden, dass die Konfession der Autoren überhaupt keine Rolle in Hinsicht auf die Auswahl der Werke spielte, zumal in dieser Bibliothek der Besitzer die verschiedensten Werke von Jesuiten (Pereira, Serrarius, Kircher), Katholiken, die mit Jansenismus bezichtigt waren (Launoy), Papisten, die sich von ihrer protestantischen Glaubensbekenntnis verabschiedeten (Lipsius), orthodoxen Reformierten (Timpler, Voetius) oder von Juden (Spinoza) las. Außer der Theologie lassen sich auch an anderen Stellen weiße Flecken entdecken: die Humaniora, die Sprachen, die Literatur, die Poetik, die Geschichtsschreibung und die Jurisprudenz sind bloß mit jeweils einem Werk vertreten. Am auffälligsten ist jedoch der Mangel an Hungarica, denn es sollte sich doch um eine siebenbürgische Sammlung handeln, trotzdem lassen sich unter den 247 keine diesbezüglichen Item nachweisen. Es fehlt an Werken von Bisterfeld, und auch Alsted ist nur mit einem Werk (Thesaurus Chronologiae, Nr° 23.) repräsentiert.

Diese Eigenschaften zeugen jedoch vom bewussten Sammeln des Besitzers, der weniger eine universelle Bibliothek, als vielmehr eine Fachbibliothek zusammenzustellen suchte: es gibt ausgezeichnete Bereiche, wo die aktuellen und breiten Wissensbestände kaum etwas zu wünschen übrig lassen. Ich denke hier vor allem an die Diskussionen der Anhänger und Gegner von Descartes. Diese Behauptung kann noch dadurch unterstützt werden, dass auch in der Abschreibung eine blockartige Aufteilung nachvollziehbar ist: die chinesischen Reisebeschreibungen bilden eine Gruppe (Nr° 47-52.), wie auch die Werke der nieder-ländischen Philosophen (Nr° 140-151.), die wissenschaftlichen Zeitschriften (Nr° 199-201.) oder die Musaeum-Exemplare (Nr° 204-205.). Der Besitzer schien also die thematische Gruppierung der Werke zu bevorzugen. D.h. die Büchersammlung widerspiegelt eine bewusste Erwebungspolitik und das Bild eines lebendigen Bestandes, denn die Verteilung des Werke aus den 60er, 70er und 80er Jahre scheint sehr gleichmäßig zu sein.

Nun, der Frage lässt sich kaum entgehen: wer war der Besitzer, oder wer waren die Besitzer der Bibliothek? Müssten wir ihn oder sie aufgrund der Bücher charakterisieren, dann könnten wir folgendes feststellen: Reisen in Westeuropa, Universitätsstudium in den Niederlanden auf medizinischen und humanistischen Fakultäten, alchemistische Praxis, breite Ausbildung, Sprachkenntnisse, geistige Frische, und auch nach der Rückkehr in die Heimat Beziehung zu den ausländischen intellektuellen Zentren. Um die Identität des Besitzers feststellen zu können, müssen wir auf den Fakt beharren, dass das Verzeichnis aus dem Nachlass von Bisterfeld in Hermannstadt [Nagyszeben] stammt. Die Mehrzahl dieser Manuskripten stammt von Bisterfeld selber, aber es kommen auch andere, nicht von ihm stammende oder sich auf andere Personen beziehende Seiten vor: so findet man z.B. einen Brief vom Neffen Peter Wiederstein, der 1652 über einen Ankauf in Klausenburg [Kolozsvár] berichtet. Da auch das Testament gerade ihn als den Erben der Bibliothek und anderer Mobilien hervorhebt, so lässt sich die folgende Annahme formulieren: das Verzeichnis beschreibt einen Teil der Bücher von Peter Wiederstein, der auf die Grundlagen der aus der Bibliothek Bisterfelds ausgewähl­ten Bücher baute. Es war Bisterfeld, der für seinen Neffen die Möglichkeit zum Studium sicherte, und der den talentierten Jungen wahrscheinlich in Privatstunden unterrichtete, bzw. der ihn für die Rezeption der vielfältigen Geistesrichtungen offen und empfindlich machte. Es ist überraschend, aber keineswegs unerwartet, dass dieser vielseitig gebildete Junge nach Siebenbürgen zurückkehrte (auch der Sohn von Alsted und Piscator taten dasselbe). Herepei János liefert dazu eine interessante Angabe aus dem Gesetzesprotokoll der Stadt Klausenburg [Kolozsvár]: „Am 1. April 1666 Super negotio Petri Bisterfeldi [sic!] et Johannis Kadar”. D.h. im Jahre 1666 lebte noch Wiederstein, der von allen als Peter Bisterfeld gekannt war. Mit welchen Aufgaben wurde er wohl beauftragt? Im wessen Dienste stand er? Wie wurden seine Sprachkenntnisse und Erfahrungen nützlich gemacht? Wem konnte er wohl seine Bücher ausleihen, mit wem war er in Verbindung, hatte er wohl intellektuelle Partner in Sieben­bürgen? Dies alle sind leider solche Fragen, auf die die sehr spärlichen Daten des Verzeichnisses kaum Antwort geben können.

In den oberen Auslegungen wurden mehrere bibliotheksgeschichtliche Probleme behandelt: ich versuchte zu skizzieren, was mit Bisterfelds und Alsteds Bibliotheken geschah. Bisterfeld vererbte einen Teil seiner Bücher an Peter Wiederstein. Weitere Bibliotheksteile kamen ins Kollegium von Karlsburg [Gyulafehérvár], dann zu seinem Rechtsnachfolger, dem Kollegium in Enyed, bzw. gewisse Exemplare und Manuskripte gelangten zu Michael Halicius. Aber es bleibt weiterhin unklar, was mit Alsteds ausgezeichneter Bibliothek wohl geschah, obwohl ich ihr Schicksal aufgrund der sehr bedeutenden Zahl der Alsted-Item mit dem von Halicius verknüpfen könnte. In einem eigenen Kapitel wurden die Bucherwerbungen Bisterfelds, und seine Lektüreempfehlungen für Herzog Zsigmond vorgestellt. Im zweiten Teil der vorliegenden Studie wurde der Katalog analysiert. Dies ergab, dass die aufgezählten Bücher nicht oder nicht nur Bisterfeld gehörten, sondern einer ihm nahestehenden Person, und ich nehme an, es kann wohl der Neffe Wiederstein oder seine Nachfolger gewesen sein. Im Vergleich mit den zeitgenössischen Buchkatalogen im Karpatenbecken ist die Bibliothek alleinstehend in Hinsicht auf ihre philosophische und wissenschaftliche Sammlung.

Letztlich soll das Verzeichnis selber angegeben werden, wo die Item nach Möglichkeit folgenderweise identifiziert wurden:

Die Kopfleiste,

Der Name des Autors, Geburts- und Todesdaten,



Werktitel,

Erscheinungsjahr, Druckort, der Drucker oder Verleger und das Buchformat.
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