Karl Gutzkow: "Wally, die Zweiflerin"



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KARL GUTZKOW: WALLY, DIE ZWEIFLERIN
Des Friedens Wund' ist Sicherheit,

Des Friedens Wund' ist Sicherheit,

Sorglose Sicherheit; doch weiser Zweifel

Wird Leuchte der Vernunft, des Arztes Sonde,

Der Wunde Grund zu prüfen.

Shakespeare


  1. Karl Gutzkow - seine Zeit, sein Leben

  2. Der historisch-gesellschaftliche Kontext um Wally

Karl Ferdinand Gutzkow, Schriftsteller, Journalist und Literaturkritiker, wurde am 17. März 1811 in Berlin geboren. Der gesellschaftliche Kontext, in welchem er lebte und arbeitete, ist demnach die Reaktionsepoche zwischen Wiener Kongreß und 48er Revolution. Kurz: eine Zeit der Gegensätze, des Umbruchs und der Veränderung.1

Rainer Funke hat den historischen Erfahrungshorizont Gutzkows und seiner Zeitgenossen treffend zusammengefaßt: „Die politische und sozio-kulturelle Gesamtsituation war zwar einerseits gekennzeichnet von jenem unerträglichen Maß an politischer Stagnation, Restitution des fürstlichen Partikularismus und bürokratisch - obrigkeitsstaatlichen Restriktionen ... doch zugleich war sie auch geprägt von tiefgreifender sozialer Dynamik, verstärktem Nationalbewußtsein, von technischem Fortschritt, liberalem Konstitutionalismus, von gesellschaftlichem Aufstieg und von Proletarisierung gleichermaßen“.

Um 1830 fand die literarische Jugend Deutschlands, die Dichtung müsse in lebendige Verbindung mit der politischen, weltanschaulichen und sozialen Gegenwart gebracht werden. Tonangabend in dieser Zeit wurde die kleine Gruppe Juges Deuschland, zu der auch Karl Gutzkow gehörte. Dieser prägte für seine Kampfgenossen das Wort: „Der Zweck unserer Zeit ist der Bürger, nicht mehr der Mensch“.2 Oder „Die Moderne Geschichte baut nicht mehr aus den Massen auf, sondern aus Individualitäten“.3
Karl Gutzkow hat sienen controversen Roman Wally, die Zweiflerin inerhalb von wenigen wochen geschrieben, beginnend im Juni 1835. Am 23. in einem Brief an Georg Büchner äußerte sich Gutzkow über seinen Roman wie folgt: "Zuletzt hab` ich in der Hast von 3 Wochen (schnelle Arbeiten sind die besten) einen Roman geschrieben: Wally, die Zweiflerin". Hier wird deutlich, dass Gutzkow bestrebt sein musste, schnell und viel zu schreiben, wenn er durch Literatur seinen Lebensunterhalt sichern wollte. Dabei trat die Tatsache erschwerend hinzu, dass Gutzkow noch relativ unbekannt war und seine ersten Erfolge bestätigen musste, um für den Literaturbetrieb interessant zu bleiben.4
Das ist eigentlich wiftig zu erwähnen, der er musste auch mit dem Gedanken im Hinterkopf schreiben, dass wenn ihn keiner liest, er nichts zum Essen hat.
Als der Roman Wally, die Zweiflerin im Sommer 1835 herauskomt, wird er praktisch zum Bestseller, natürlich in den Massstäben der damaligen Zeit. Jedoch der Versuch, Literatur als ein Werkzeug zu gebrauchen zu Verenderung der eingewurzelten Vorurteile und etablierung neuer sozialen und politischen Verhältnisse wurde zum einem abrupten Ende gebracht durch den Beschluß des Bundestags vom 10. Dezember 1835. Hier wurden zum ersten Mal in der deutschen Geschichte sämtliche Arbeiten einer genau eingegrenzten Gruppe von Schriftstellern verboten.
Es wurde beschloßen, „gegen die Verfasser, Verleger, Drucker und Verbreiter der Schriften aus der unter der Bezeichnung ,das junge Deutschland´ oder ,die junge Literatur´ bekannten literarischen Schule, zu welcher namentlich Heinrich Heine, Karl Gutzkow, Heinrich Laube, Ludolf Wienbarg und Theodor Mundt gehören“ vorzugehen.5
In der Eile hat man Ludwig Börne vergessen zu erwähnen, wie später Theodor Mundt bemärkte.

Die spätere Literaturgeschichtsschreibung betrachtete aber diese sechs Autoren zum Kern der jungdeutschen Bewegung.“6



Die im Bundestag erhobenen Vorwürfe gegen die Jungdeutschen, dass ihre „Bemühungen unverholen dahin gehen, in belletristischen, für alle Klassen von Lesern zugänglichen Schriften die christliche Religion auf die frechste Weise azugreifen, die bestehenden sozialen Verhältnisse herabzuwürdigen und alle Zucht und Sittlichkeit zu zerstörren“, bezogen sich vor allem auf Laubes Die Poeten, Mundts Madonna. Unterhaltungen mit einer Heiligen und nicht zuletzt Gutzkows Wally, Die Zweiflerin.7

Das ging zack-zack.....August........September.........10.Dezember.....Januar.........nur zu veranschaulichung

Als der Roman im August 1835 erschien, verursachte er einen hanfesten Skandal. Man warf ihm Unsittlichkeit und Gotteslästerung vor aufgrund seiner freimütigen erotischen Darstellung bzw. seines freisinnigen Umgangs mit Fragen der Religion. Das Werk, dass heute als einer der ersten modernernen Frauenromane angesehen wird, wurde schon kurze Zeit nach seiner Veröfentlichung verboten. 1835 wurden Gutzkows bisherige Publikationen verboten, in Prußen sogar auch die künftigen, und erst 1842 wieder zugelassen - ein bis dahin noch nicht da gewesener Akt staatlicher Gewalt gegen freie Schriftsteller.8 Auch eine zehnwöchige Gefängnisstrafe in Mannheim und das Verbot seiner Publikationen waren die Folge für Gutzkow und er wurde Anfang 1836 wegen „Verächtlichmachung der Religion“ zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Dieses Verbot löste die Aktion gegen die Autoren des Jungen Deutschland aus, wobei besonders Wolfgang Menzels - Gutzkows ehemaligen Freundes - Eintreten gegen die „Unmoral“ des Buches, die Kampagne anheizte. Der Literaturkritiker Menzel hatte das Buch einer vernichtenden Kritik unterzogen; ausgedehnte persönliche, polemische Schimpfattacken verbanden sich hier mit moralischer, religiöser und politisch-nationaler Argumentation. So schrieb Menzel, z.B. das: ...Sein Roman ist voll kränklicher, raffinirter, ausgedüftelter Wollust. Der Verfasser glaubt nicht pikant genug seyn zu können und entblößt seine Geliebte gleichsam auf offner Straße, um sich bemerklich zu machen. Die gute Person muß sich schämen, sich geschämt zu haben, und das ist die witzige Pointe.9

Es war Ironie, dass was für eine Interesse dieses Werk auch in seinem Kern wecken konnte, wurde dieses noch angeschürt von Menzel´s Kritik und dem Handeln des deutschen Bundestags. Also gerade dank Menzels Kritik wurde die Aufmerksamkeit auf den Roman gelenkt.

In der Folge der Menzelschen Kritik fand das Buch eine beachtliche öffentliche Resonanz. Es wurde die „folgenreichste jungdeutsche Veröffentlichung“.

Also war war das spektakuläre, das gefährliche an dem Roman und seinem Autor ? Warum mußte der Deutsche Bund besorgt sein, daß „die Grundpfeiler aller gesetzlichen Ordnung“ durch Gutzkow und Co., bzw. durch ihre Schriften, gefährdet würden?

Karl Gutzkows berüchtigter Roman Wally, die Zweiflerin (1835) erzählt die Lebensgeschichte einer emanzipierten, jedoch innerlich zerrissenen jungen Frau der gehobenen Gesellschaft. Die Protagonistin, verstört von religiösen Zweifeln, steht zwischen einem ungeliebten Ehemann und ihrem Geliebten, von dem sie schließlich verlassen wird.

Wally, eine verwöhnte, und in der Zeit auch eine kokette junge Frau geht auf Wunsch des Vaters eine Ehe ein und willigt ein einen sardinischen Gesandten zu heiraten, denn sie aber nicht liebt. Schon vorher ist sie nämlich eine emotionälle Ehe mit Cäsar eingegangen, einen zynischen Man von Welt, der ihren unbestimmten, wagen und irationällen Glauben untergräbt. Sie vermählt sich „geistig“ mit Cäsar, indem sie sich ihm nackt zeigt.

Der Eheman von Wally, angebtrieben von finanziellen Gründen, unterstützt die Leidenschaft, die sein Bruder Jeronimo für Wally empfindet. Diese Episode endet aber tragisch mit dem Selbstmord von Jeronimo. Er schiesst sich mit einem Revolver in den Kopf, was Wally mit ansehen muss.

Dieses Geschäniss war letzt endlich das, was Wally dazu brachte den entscheidenden Schritt zu machen und sie verlässt ihren ungeliebten Eheman um mit Cäsar zu fliehen. Dieser wendet sich aber einer anderen zu, er verlässt Wally wegen der reichen Judin Adolfine, die er auch später heiraten wird, trotz des Fakts, oder vieleicht gerade des wegen, dass er Christ ist und sie Judin und sie so nicht eine kirchliche Hochzeit haben können. „...Cäsar entdeckt, glaub' ich, in der Liebe zu Jüdinnen noch einen andern Reiz. Er hat eine ganz heillose Ansicht von der Ehe und will die letztere durchaus nicht als ein Institut der Kirche gelten lassen. Das Sakrament der Ehe ist nach seiner Theorie die Liebe, nicht des Priesters Segen. Wie glücklich würde Cäsar sein, wenn er je heiratete, es ohne kirchliche Zeremonie tun zu dürfen!“

Wally, nun ganz alleine gelassen ohne ihre Liebe und ihren Glauben erdolcht sich, sie sticht sich selbst ein Messer in das Herz.

Wally ist eine junge Adlige die ein unbeschwertes, aber fades Leben zwischen geselligem Geplauder, gesellschaftlichen Verpflichtungen und Kuraufenthalten führt. Die Begegnung mit dem Skeptiker Cäsar und die eingehende Beschäftigung mit seinen unorthodoxen, oft provokanten Thesen zu Religions- und Glaubensfragen erschüttern die an einem religiösen Tick leidende Wally und münden in ihren Selbstmord. Der Skeptiker Cäsar, ein brilianter und kalter Zyniker umwerbt und zugleich emanzipiert Wally, lässt sie an dem Christentum zweifeln, und letzt englich bringt er sie zu Verzweiflung.

Cäsar ist eine in Charakter und Überzeugungen komplementäre Figur zur Wally. Also er ergänzt sie.

Die junge Wally und ihr Freund Cäsar ringen in dem Roman um sexuelle Freiheit, zweifeln am Christentum und wollen alle Konventionen über Bord werfen. In diesen Roman verbindet Gutzkow die Kritik an der herschenden religiösen Orhodoxie provokativ mit der Forderung nach freier Liebe.

Gutzkows innovativer Roman griff beides an, wie die christliche Sichtweise der Ehe an sich so auch die Orthodoxie in der Religion und sorgte damit im Jahr 1835 für einen handfesten Skandal. Auch iste er gegen den Glauben an die Offenbarung und die Religiösität an sich gerichtet. „...Dem Begriffe Offenbarung läßt sich vielleicht eine philosophische Unterlage geben, pantheistischer Art; aber im herkömmlichen theologischen Sinne ist die Offenbarung eine Verfälschung der Natur und der Geschichte...“10

Der Roman wurde später bearbeitet und 1852 neu herausgegeben under dem Titel Vergangene Tage. Gutzkow schrieb in dem Vorwort zu deiser Edition, das er mit der Beschreibung von Wally´s Schicksal eine wahre begebeiheit bearbeiten wolle, und zwar den Selbstmord von Charlotte Stieglitz in 1834.11 Charlotte Willhöft heiratete 1828 Heinrich Stieglitz. Ihr Selbstmord verurschachte eine öffentliche Erregung, denn sie hatt deklariert, dass der Grund dafür sei es, ihren Man ein tragisches Erlebniss zu verschaffen, welches seinen Geist anregen solle und so seine kreativen Kräfte frei lassen würde.12

Also jetzt etwas zu der Gliederung des Romans:


Der Roman Wally, die Zweiflerin beginnt mit einem Motto, einem Zitat von Shakspeare. Danach unterteilt es sich in 3 Bücher. Das Erste Buch umfasst 12 Kapitel, das Zweite Buch 10 Kapitel. Das Dritte Buch besteht aus 2 Teilen, Wallys Tagebuch und Cäsars Geständnisse über Religion und Christentum. Während in großen Teilen der Bücher Einz und Zwei ein auktorialer Erzähler vorherrscht, also ein allwissender Erzähler mit unbegrenzten Zugang zu allen Informationen der erzählten Welt, der durch Reflexionen, Kommentare und direkte Ansprache des Lesers in Erscheinung tritt, besteht das Dritte Buch fast ausschließlich aus Tagebucheinträgen von Wally.13 Das manchal auch ierte Buch bildet Gutzkows Anhang Wahrheit und Wirklichkeit. Zu manchen Ausgaben wird am Ende auch die mehrseitige Kritik von Menzel beigelegt, die im von ihm redigiertem Literatur-Blatt Nr. 93 und Nr. 94 vom 11. September und 14. September 1835 erschienen ist. Der Auslöser der „Denunziation“, der polemische Rezension W. Menzels, war vor allem Gutzkow´s Anhang, Geständnisse über Religion und Christetum, die Entmythologisierung des Christetums propagiert hatte und zugleich, durch eine eher pubertäre erotische Szene des Romans, die „Emanzipation des Fleisches“.14
Der Roman der Jungdeutschen konzentriert sich auf Zeit- und Gesellschaftskritik, so auch Wally, die Zweiflerin, den man als ersten moderenen deutschen Frauenroman ansehen kann. Er die politischen, sozialen und philosophischen Strömungen seiner Zeit - des Vormärz - wieder; zum Zeitpunkt seines Erscheinens spielt er in der Gegenwart und kann somit als Zeitroman typisiert werden. Den Jungdeutschen wird der Zeitroman zu einer der wichtigsten literarischen Formen. Der Zeitroman entstand im 19. Jahrhundert in Deutschland als eine realistische Gattung. Er ist mit dem Gesellschaftsroman verwandt, beansrpucht aber, über das Gesellschaftsleben hinaus die wichtigsten Strömungen und Tendenzen der Gegenwart des Autros zu erfassen.15 Verbindend für diese Zeit waren die Ablehnung des sich absolut setzenden Staates und religiöser, moralischer und sozialer Konventionen und Dogmen, das Eintreten für individualismus, Gedanken- und Meinungsfreiheit. Die Philosphie der Junghegelianer förderte die religöse Distanz und den Diesseitzglauen. Im Postulat der Frauenemanzipation und der Freiheit in den Geschlechterbeziehungen war man sich vielfach mit Gedanken der Frühromnatik einig.16
Die öffentliche Aufregung um Gutzkows Wally war zwar zu einem nicht unbeträchtlichen Teil den harschen und ausfallenden Kritiken Wolfgang Menzels geschuldet, dennoch berührte der Roman gesellschaftliche Tabus: Religionskritische Fragestellungen und Reflexionen - über den Wert der Ehe, die Möglichkeit der Selbsttötung etc. - ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch, kulminieren jedoch in den Geständnissen Cäsars, die sich kritisch mit drei Epochen der Religionsgeschichte auseinandersetzen: Antike (Entstehung des Christentums), Mittelalter (Reformation) und Neuzeit (Aufklärung).“17
Mögliche Motive des Autors

Wally, die Zweiflerin ist ein literaturgeschichtlich sehr umstrittener Roman. So wird er vom Kritiker Fester als "folgenschwere Jugendsünde eines bedeutenden Mannes" eingeschätzt und Sengle sieht in ihm die Arbeit des "halben Talente(s)" Gutzkows, von dem "sich die Literaturgeschichte noch immer (...) blenden lasse". Letztendlich ist der Roman wohl auch vor allem deshalb schwierig zu beurteilen, weil die Motive, aus denen heraus Gutzkow ihn schrieb, miteinander schwer zu vereinbaren waren. Die Fragen, die Gutzkow in seinem Roman aufwirft und behandelt, entsprachen der zeitgenössischen Diskussion und hatten für Gutzkow zudem auch persönliche Bedeutung.
Über die intendierte Aussage seines Romans äußerte er sich einmal so "wenn er (der Roman) eine Tendenz hatte, war es diese, in einer Kirche, wo ich meine heuchlerischen Freunde beten sah, eine Rakete aufsteigen zu lassen". Wie im Roman deutlich wird, richtet sich Gutzkow tatsächlich gegen die Verlogenheit der bürgerlichen Gesellschaft und die Doppelmoral, die Christentum und Lebensstil in ein starkes Spannungsverhältnis setzt. Allerdings ging es ihm keinesfalls darum, dieses Spannungsverhältnis aufzulösen und das Christentum mit der modernen Zeit in Einklang zu bringen; eher beabsichtigte er, das Christentum als generell weltfremd darzustellen.
In Wally beschreibt er das Unmögliche: Verhältnisse, in denen die Institutionen in Sitte, Meinung und politischer Einrichtung suspendiert sind, denn an sie Glauben wir (nach Gutzkows Meinung) zu Unrecht. Der Roman geht der Frage nach, was passiert, wenn wir all das über Bord werfen und er zeigt ein glückliches (Cäsar) und ein unglückliches (Wally) Ende.18
Das diese drei Motive nur sehr begrenzt vereinbar waren, dürfte einleuchten Wenn man sich noch einmal vor Augen führt, was Gutzkow wollte, dann kommt man zu folgender Aussage: Innerhalb der drei Wochen, die er am Werk arbeitete, wollte er ein künstlerisch wertvolles Produkt abliefern, dass am Puls der Zeit sein sollte. Es sollte profitabel sein und Zustände der Zeit derart scharf kritisieren, dass seine heuchlerischen Freunde dadurch entlarvt werden.

Karl Gutzkow: "Wally, die Zweiflerin"

Literaturgeschichtliche Einordnung
Der Text ist der Epoche "Junges Deutschland" zuzuordnen.

Einige Stichworte, die die Zeit des Jungen Deutschland (1830-1848) kennzeichnen:


  • freie Liebe

  • Frauenemanzipation

  • Kirchenkritik

  • Meinungsfreiheit

  • Individualismus

  • Freiheitsstreben

  • Patriotisch

  • Liberaler und nationaler Gedanke

  • Demokratische Staatsformen

  • Kunst dient der moralischen, politischen und sozialen Erneuerung


Weshalb ordnen wir "Wally, die Zweiflerin" dem 'Jungen Deutschland' zu?


  • Das Buch wurde 1935 veröffentlicht

  • Es ist sehr religionskritisch (z.B. Cäsars Stellungnahme im 3. Buch)

Religion ist Verzweiflung am Weltzweck. Wüßte die Menschheit, wohin ihre Leiden und Freuden tendieren, wüßte sie ein sichtbares Ziel ihrer Anstrengungen, einen Erklärungsgrund für dies wirre Durcheinander der Interessen, für die Tapezierung des Firmaments, für die wechselnde Natur, für Frost, Hitze, Regen, Hagel, Blitz und Donner, sie würde an keinen Gott glauben. (S.107)
Törichter Glaube, das Neue Testament für die Grundlage einer Religion anzusehen, für ein Buch, das geschrieben worden wäre, um symbolischen Wert zu haben! Der Kanon ist nichts als die erste Erscheinung des Christentums. Das Christentum selbst liegt darüber hinaus: das heißt, vage Begriffe über ein gescheitertes historisches Ereignis wurden von Männern herumgetragen, die dabei beteiligt gewesen waren. (S.112)
Wally wirbelte sich in einer Lust, die sie so zauberhaft zu regeln verstand. Was Religion! Was Weltschöpfung! Was Unsterblichkeit! Rot oder blau zum Kleide, das ist die Frage. Ob’s besser ist, die Haare zu tragen à la Madeleine oder sie zusammenzukämmen zu chinesischem Schopfe? Tanzen – vielleicht auch Sprüchwörter aufführen – oh, nur gering ist die Zahl der Vergnügungen, welche im Verhältnis zur zunehmenden Civilisation nicht mehr lächerlich sind: so sehr gering! (S.7)


  • Wally steht (zu Beginn) über den Männern [Frauenemanzipation]

  • Wally ist selbstständig. Sie reist ab, sobald es ihr nicht mehr gefällt [Individualismus]

Am folgenden Morgen betrieb sie die Abreise. Die Tante zögerte. »Unter keiner Bedingung!« rief Wally; »ich bin eines Ortes müde, der mich umbringen muß.« (S.46)


  • Cäsar heiratet eine Jüdin, obwohl es verboten ist [freie Liebe]

Cäsar entdeckt, glaub' ich, in der Liebe zu Jüdinnen noch einen andern Reiz. Er hat eine ganz heillose Ansicht von der Ehe und will die letztere durchaus nicht als ein Institut der Kirche gelten lassen. Das Sakrament der Ehe ist nach seiner Theorie die Liebe, nicht des Priesters Segen. Wie glücklich würde Cäsar sein, wenn er je heiratete, es ohne kirchliche Zeremonie tun zu dürfen!.... Eine Ehe zwischen einer Jüdin und einem Christen kann zwar nicht bei uns, aber in andern Ländern geschlossen werden; natürlich ist dies eine Ehe ohne den christlichen oder jüdischen Priester; es ist eine rein zivile Ehe vor den Gerichten, ein Akt der geselligen Übereinkunft. (S.91, 92)




  • Wally hat klare Abmachungen mit ihrem Mann, quasi einen Vertrag [Emanzipation]

Es klopfte. Der sardinische Gesandte trat mit einem Armleuchter in ihr Schlafkabinett. Sie erstaunte; denn solche Besuche waren ganz gegen die Verabredung. (S.63)





  • "Cäsar geht dorthin, wo französisches Recht gilt" [liberale Staatsformen]

Cäsar wird in Ländern wohnen, wo das französische Recht herrscht. Er ist glücklich, sich ohne die Kirche verheiraten zu dürfen. Eine bürgerliche Verbindung wird zwischen ihm und Delphinen stattfinden. (S.93)




  • Der Schreibstil im dritten und vierten Buch ist journalistisch



Jedoch muss man auch folgendes festhalten:


  • Im ganzen Text geht es nicht um Politik, es erfolgt kein Aufruf zu politischer Aktion




  • Die Handlung selbst hat nicht viel mit dem 'Jungen Deutschland' zu tun (politisch, sozial, etc.). Viel mehr übernehmen diese Funktion die Geschichten und Bücher aus denen Wally und Caesar zitieren und vorlesen

Sie blätterte in dem jüngsten Musenalmanach von Schwab und Chamisso. »Diese guten Waldsänger«, sprach sie vor sich hin, »nehmen sich die Freiheit, sehr ennuyant zu sein. Wenn uns die Reime nicht in einer Art von melodischer Spannung hielten, die Monotonie der Gefühle und Anschauungen wäre tödlich. Ich ziehe Prosa vor. Heines Prosa ist mir lieber als Uhland und sein ganzer Bardenhain.« Sie griff nach Heines ›Salon‹, zweiter Band. »Willst du Philosophie studieren, Aurora?« fragte sie ihr Kammermädchen: »Hier sind all die gelehrten, bemoosten Karpfen der deutschen Philosophie mit Frühlingspetersilie und Vanille zubereitet. Man sollte die Bonbons in Aphorismen aus Heines ›Salon‹ einschlagen.Welch gesunkenes Volk müssen die Franzosen sein, daß sie gerad auf der Stufe in den Wissenschaften stehen, wo in Deutschland die Mädchen.« Einige Schriften vom jungen Deutschland lagen zur Hand, von Wienbarg, Laube, Mundt. »Wienbarg ist zu demokratisch: ich habe nie gewußt, daß ich vom Adel bin«, sagte sie; »aber mit Schrecken denk’ ich daran, seit ich diesen Autor lese. Laube scheint den Adel nicht abschaffen, sondern überflügeln zu wollen. Doch bleibt es arg: er ist zudringlich. Er gibt sich in seinen Schriften das Ansehen, als kenne er jede seiner Leserinnen und verlange von ihr eine Hingebung, um die er nicht einmal bittet. Mundt goutier’ ich nur halb: denn er wird, je mehr er sich selbst klarzuwerden scheint, für andere immer unverständlicher. (S.9, 10)



Andere Einflüsse - "Wally" ist nicht eindeutig ins 'Junge Deutschland' einzuordnen, sondern weist auch Strömungen einer vorherigen sowie Vorwegnahmen einer folgenden Epoche auf:


  • Gutzkow beschreibt Elendsschicksale mit Todesfolge wahrheitsgetreu [Naturalismus]

Sie eilt hinzu, wischt so viel von dem Tau des Fensters ab, um ein gräßlich verzerrtes Antlitz wahrzunehmen, das im Nu beim Knall eines Pistols zerschmettert ist. Sie stößt einen entsetzlichen Schrei aus: der Schuß machte das Haus lebendig. Man eilt von allen Seiten herbei, dringt in Wallys Zimmer; denn hier hatte man den Schuß gehört. Man tritt in das Kabinett und findet Wally bewußtlos am Boden liegen. Die Scheiben sind zerschmettert, und blutige Teile eines zersprungenen Schädels liegen auf dem Fußboden. (S.85)




  • Es gibt in dem Buch keinen Helden [Naturalismus]




  • Naturbeschreibung [Romantik]

Rings, wie Rahmen und noch hineinrankend in die Szene, Epheu und Weinlaub. Auf den Ästen sitzen Paradiesvögel in wunderbarem Farbenspiel, auf den breiten Blättern der Arabesken schlummern Schmetterlinge, in den Kelchen der Blumen saugen Bienen. Oben schwebt der Vogel Phönix, der fußlose Erzeuger seiner selbst; unten blicken die spitzschnäbligen Greifen und hüten das Gold der Fabel. Bezaubernd und märchenhaft ist die Verschlingung aller dieser Figuren. Es ist wie ein Traum in den tausend Nächten und der einen. Zur Rechten des Bilds aber im Schatten steht Tschionatulander im goldenen, an der Sonne funkelnden Harnisch, Helm, Schild und Bogen ruhen auf der Erde. Der Mantel gleitet von des jungen Helden Schulter, seine Locken wallen üppig, wie von einem Westhauche gehoben. Das Auge staunt; ein Entzücken lähmt die Zunge. Zur Linken aber schwillt aus den Sonnennebeln heraus ein Bild von bezaubernder Schönheit: Sigune, die schamhafter ihren nackten Leib enthüllt, als ihn die Venus der Medicis zu bedecken sucht. Sie steht da, hülflos, geblendet von der Torheit der Liebe, die sie um dies Geschenk bat, nicht mehr Willen, sondern zerflossen in Scham, Unschuld und Hingebung. Sie steht ganz nackt, die hehre Gestalt mit jungfräulich schwellenden Hüften, mit allen zarten Beugungen und Linien, welche von der Brust bis zur Zehe hinuntergleiten. Und zum Zeichen, daß eine fromme Weihe die ganze Üppigkeit dieser Situation heilige, blühen nirgends Rosen, sondern eine hohe Lilie sproßt dicht an dem Leibe Sigunens hervor und deckt symbolisch, als Blume der Keuschheit, an ihr die noch verschlossene Knospe ihrer Weiblichkeit. Alles ist ein Hauch an dem Auge, ein stummer Moment, selbst in dem klugen Auge des Hundes, der die Bewegungen verfolgt, welche der Blick seines Herrn macht. Das Ganze ist ein Frevel; aber ein Frevel der Unschuld. (S.56, 57)




  • Düstere Stimmung (Leben/Tod) im dritten Buch [Romantik]

Muß ich sterben, was verbrach ich, daß mir Raben erscheinen müssen? Ich sehe eine schwarze Halle und einen weiten Sarg. Ein Rumpf fällt von der Decke, wo eine Öffnung, hinunter in den Sarg, und den nachstürzenden Kopf greift unser Arzt auf. Oben muß das Schafott sein. Der Mann drückt das blutige Haupt stürmisch auf den rauchenden Körper, paßt Fuge auf Fuge, Ader auf Ader und legt einen Silberreifen um die gierig zusammenklaffenden Fleischränder beider Teile. Er dreht sich um, und Leben, galvanisches Leben regt sich in dem Körper, und der Leichnam erhebt sich, ein blasser, schöner Jüngling, und schleicht zur Pforte hinaus. (S.106)




  • Caesar ist ein Romantiker, schafft sich seine eigene Welt [Romantik]




  • Der religiöse Aspekt des Buches weist auf "Reste" der Spätromantik hin




  • Der Schreibstil des ersten und zweiten Buches ist eher poetisch [Romantik]




  • Wallys Tagebuch: Ich-bezogenes Element [Romantik]

Die Einsamkeit meiner jetzigen Lebensweise zwingt mich, den Kreis, in welchem ich mich bewege, nun doch auch in allen seinen Teilen auszufüllen. (S.87)

Quellen:

Gutzkow, Karl: Wally, die Zweiflerin. Stuttgart: Reclam Verlag, 1979.

http://koconline.koc.ch/koco/download/pdf/d/wally.pdf



Karl Gutzkow
Bibliothek des allgemeinen und praktischen Wissens. Bd. 5 (1905)

Deutsche Literaturgeschichte, S.120





1 Jan Jansen: Karl Gutzkows Biographie und "Wally, die Zweiflerin": Eine Annäherung an das "Junge Deutschland"


2 Geschichte der deutschen Literatur. S.200


3 Deutsche Literatur in Schlaglichtern. S.289, 290.

4 Das Haus Düsterweg and Wally, die Zweiflerin: A note on the Alexis-Gutzkow connection.


5 Deutsche Literatur in Schlaglichtern. S.289

6 Wikipedia: Junges Deutschland (Literatur)

7 Deutsche Literaturgeschiche: von den Anfängen bis zur Gegenwart. S.220

8 Metzler Autoren Lexikon. Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart. S.231

9 Literaturkritik. Geschichte-Theorie-Praxis: W. Menzel: K. Gutzkow, Wally, die Zweiflerin

10 Wally, die Zweiflerin. S.107

11 German Literature Companion: Wally die Zweiflerin

12 German Literature Companion: Charlotte Stieglitz


13 Inga Bones: Religionskritik in Karl Gutzkows "Wally, die Zweiflerin" - eine Analyse


14 Deutsche Literatur in Schlaglichtern. S.289, 290.


15 Jugendlexikon Literatur. Epochen, Gattungen, Grundbegriffe. S. 188, 189, S. 404.


16 Atlas der deutschen Literatur. Tafeln und Texte. S.201


17 Inga Bones: Religionskritik in Karl Gutzkows "Wally, die Zweiflerin" - eine Analyse


18 Hanno Frey: Kurzvortrag zu Gutzkows Wally, "Die Zweiflerin"



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