Kunst im Konflikt Strategien zeitgenössischer Kunst Dietrich Heißenbüttel


  Kunst im Konflikt: Strategien zeitgenössischer Kunst



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Kunst im Konflikt: Strategien zeitgenössischer Kunst 
auch  Fälle,  die  vielleicht  eher  am  Rande  der  The-
menstellung  liegen,  mit  einzubeziehen,  um  eine 
möglichst  breite  Ausgangsbasis  für  weitere  Überle-
gungen zu erhalten. 
 


 
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Kunst im Konflikt: Strategien zeitgenössischer Kunst 
2.
 
Fallbeispiele: Künstlerische Arbeiten, Initiativen, 
Projekte 
 
Eine  Auflistung  künstlerischer  Projekte  und  Strate-
gien,  die  prinzipiell  den  ganzen  Globus  umfasst, 
kann  niemals  einen  wie  auch  immer  gearteten  An-
spruch  auf  Vollständigkeit  oder  Repräsentativität 
erheben. Sie kann mit anderen Worten nur exempla-
risch  vorgehen.  Im  Begriff  des  Beispiels  steckt  aber 
von vornherein eine Mehrdeutigkeit. Die hier aufge-
führten  Beispiele  sind  einerseits  –  anders  ist  dies 
nicht möglich – insofern willkürlich ausgewählt, als 
sie demjenigen, der schreibt, durch eine Reihe nicht 
planbarer  Kontingenzen  mehr  oder  minder  zufällig 
bekannt geworden sind, während es sicherlich viele 
weitere  gibt,  die  seiner  Aufmerksamkeit  entgangen 
sind. Daher ist es schlichtweg unmöglich, nur solche 
Arbeiten,  Vorhaben  oder  Initiativen  auszuwählen, 
gleich  aus  welcher  Perspektive,  die  in  besonderem 
Maße  beispielhaft  im  Sinne  von  vorbildlich  sind  – 
was  natürlich  umgekehrt  erstrebenswert  wäre.  In 
einem  dritten  Sinne  sollen  sie  jedoch  durchaus  als 
beispielhaft  gelten,  nämlich  jeweils  für  eine  be-
stimmte Situation und die Art und Weise, mit dieser 
umzugehen. 
Der  Begriff  der  Situation  bezeichnet  einen  Ort,  eine 
Lage. Er kann sich hier im wörtlichen Sinne auf eine 
konkrete,  geografisch  bestimmte  Topografie  bezie-
hen  oder  aber  auf  eine  bestimmte  Ausgangslage: 
wiederkehrende 
Topoi, 
verallge- 
meinerbare Begriffe, Diskussionen und Streitpunkte. 
Die  Art  und  Weise  des  Umgangs  mit  dem  Konflikt 
ist  das  Thema,  um  das  es  hier  geht:  Wie  versuchen 
Künstler/-innen weltweit mit dem Problem des Kon-
flikts umzugehen? Es ist die Frage nach den künstle-
rischen  Mitteln,  das  heißt  einerseits  den  Medien, 
darüber hinaus aber auch allgemeiner den künstleri-
schen  Strategien  und  Verfahren;  und  es  schließt 
auch  die  Frage  nach  den  unterschiedlichen  künstle-
rischen  Disziplinen  mit  ein,  die  eben  aus  verschie-
denen  Gründen  sehr  unterschiedliche  Handlungs-
spielräume eröffnen. 
Für  die  Anordnung  der  Beispiele  eröffnen  sich  da-
mit zwei Möglichkeiten: entweder topografisch nach 
Orten,  Ländern,  Konfliktregionen  und  Kontinenten; 
oder  aber  nach  künstlerischen  Disziplinen,  Verfah-
ren, 
Medien 
und 
Vorgehens- 
weisen.  Beide  Ansätze  haben  ihre  Berechtigung, 
aber auch ihre Grenzen. Die Frage nach den Verfah-
ren  stellt  prinzipiell  eine  Vergleichbarkeit  zwischen 
Initiativen  an  verschiedenen  Orten  her.  Aber  rigide 
gehandhabt  würde sie die spezifisch lokalen Bedin-
gungen,  auf  die  es  in  Konfliktregionen  oft  noch 
mehr  als  anderswo  ankommt,  außer  Acht  lassen. 
Zudem  lässt  sich  in  der  Gegenwartskunst  zwischen 
verschiedenen  Verfahren  wie  Performance,  Kon-
zeptkunst,  Video  oder  Multimediainstallation  nicht 
immer trennen, weil viele Künstler/-innen in mehre-
ren  Medien  arbeiten.  Umgekehrt  stößt  auch  eine 
topografische  Anordnung  spätestens  da  an  ihre 
Grenzen,  wo  Künstler/-innen  aus  verschiedenen 
Ländern  in  einer  Konfliktregion  zusammenarbeiten 
oder in verschiedenen Ländern arbeiten. Wie bereits 
angedeutet sind an den wenigsten Konflikten heute 
nur  lokale  Akteure  beteiligt,  vielmehr  handelt  es 
sich zumeist um ein komplexes Geflecht von lokalen 
und  globalen  Akteuren,  Interessen  und  Abhän- 
gigkeiten. 
Im  Folgenden  soll  daher  beiden  Ansätzen  nachge-
gangen  werden:  dem  topografischen  und  dem  me-
thodischen.  Zunächst  sollen  wiederum  exempla-
risch,  das  heißt  ohne  Anspruch  auf  Vollständigkeit, 
einzelne  groß-  und  kleinräumige  Konfliktregionen 
herausgegriffen und  auf ihre spezifischen Konditio-
nen  untersucht  werden.  Danach  wird  der  umge-
kehrte  Ansatz  erprobt,  bestimmte  Strategien,  Ver-
fahren oder Medien unter die Lupe zu nehmen und 
einzelne künstlerische Disziplinen wie etwa Theater 
oder Musik auf konfliktbearbeitende Wirkungen hin 
zu  untersuchen.  Unter  den  Konfliktregionen  der 
Welt lässt sich keine bestimmte logische Reihenfolge 
angeben.  Da  aber  die  militärischen  Konflikte  der 
Welt in aller Regel nicht in den reichen Ländern des 
Nordens ausgefochten werden, scheint es auch nicht 
sinnvoll, wie zumeist üblich, mit Europa und Ame-


 
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Kunst im Konflikt: Strategien zeitgenössischer Kunst 
rika  zu  beginnen.  Daher  stellt  die  vorliegende  Un-
tersuchung  die  gewohnte  Perspektive  auf  den  Kopf 
und beginnt mit Südafrika, das sich zudem in man-
cher Hinsicht als historischer Präzedenzfall anbietet. 
Die Beispiele in diesem Teil beschränken sich auf die 
sogenannte  zeitgenössische  Kunst,  also  bildende 
Kunst  oder  „Visual  Art‚,  während  im  zweiten  Teil 
andere Disziplinen zur Sprache kommen. 
 
 




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