Masarykova univerzita filozofická fakulta ústav germanistiky, nordistiky a nederlandistiky



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Motiviertheit von Siedlungsnamen


Ein weiteres linguistisches Phänomen, das im gegebenen Zusammenhang Erwähnung verdient, ist die semantische Motiviertheit der Siedlungsnamen. Diese Motiviertheit, Motivation oder Durchsichtigkeit könnte man als eine Eigenschaft von Wörtern und Wortteilen verstehen, ihre Bedeutung durch ihre graphische oder phonetische Form zu zeigen. Ein Wort kann dann entweder völlig oder teilweise motiviert, oder sogar ganz nicht mehr durchsichtig, unmotiviert sein.

Während die meisten Wortarten ihre Bedeutung oft auf den ersten Blick erschließen lassen, ist die Motiviertheit bei den Eigennamen und damit auch den Siedlungsnamen häufig teilweise oder nicht mehr etymologisch durchsichtig. Bei manchen Siedlungsnamen wird ihre Bedeutung im Laufe der Zeit verdunkelt, weil diese nur an ein einzelnes, dauerhaftes Objekt gebunden sind und dadurch in ihrem Gebrauch im gewissen Sinne isoliert werden. Im Fall einer wortgetreuen Übernahme des Siedlungsnamens in eine andere Sprache, was eine ziemlich übliche Erscheinung ist, geht die ursprüngliche Bedeutung fast immer verloren. Das Wort unterliegt also der sog. Lexikalisierung, während deren man die Prinzipien seiner Wortbildung vergisst und die Gesamtbedeutung wird deshalb schrittweise teilweise oder ganz verdunkelt.

Deswegen unterliegt die Gestalt von Siedlungsnamen auch nicht selten einer schriftlichen und lautlichen Veränderung. Eine solche Veränderung entsteht z. B. durch Auslassung von Anfangsbuchstaben oder von ganzen Worteinheiten (bei Mehrwortsiedlungsnamen), durch eine Silbenschichtung (Haplologie, Reduzierung zweier Silben, die gleich oder ähnlich sind), (Příbraz aus dem Personennamen Příběrad, Bez. Neuhaus) oder durch einen Silbenersatz.19

Bei der Übernahme von deutschen Siedlungsnamen werden (i.d.R. dialektbedingt) manche Lauteinheiten ziemlich regelmäßig ersetzt. Betonte „g“ und „b“ werden zu unbetonten „k“ und „p“, standarddeutscher Laut „s“ wird zum tschechischen „ž“. (In Südböhmen: Pranšláky, heute Mýtinky, aus dem deutschen Siedlungsnamen Braunschlag, Peršlák, heute Nový Vojířov, aus dem deutschen Bernschlag, oder Žišpachy, heute Blato aus dem deutschen Sichelbach, alle Bez. Neuhaus).20

Die Siedlungsnamen kann man also nach ihrer Motiviertheit z. B. wie folgt klassifizieren:21


  1. Siedlungsnamen heimischen Ursprungs; darunter die Namengrundlagen Appellative, die:

  1. noch verständlich, völlig durchsichtig sind (Stadt, Město, Dorf, Ves, …)

  2. nicht mehr verständlich sind (Hamburg, germanisch „ham-“, „Winkel des Flusses, Bucht“). Oft wurden die Siedlungsnamen nach einem geographischen Objekt benannt.



  1. Siedlungsnamen heimischen Ursprungs, abgeleitet von Eigennamen, am häufigsten Personennamen (Karlsruhe, Jindřichův Hradec). Diese sind auch nicht in allen Fällen durchsichtig, da öfters nicht mehr zu erschließen ist, dass es um einen Personennamen geht (České Budějovice, Böhmisch Budweis, aus dem Personennamen Buděj, Ratiboř, Rothwurst aus dem alttschechischen Personennamen Ratibor).



  1. Siedlungsnamen, die aus einer Fremdsprache übernommen wurden. Diese sind fast immer unmotiviert (Kunžak, Südböhmen, vom deutschen Königseck, Zwettl, Niederösterreich, aus dem tschechischen Světlá).


Weitere lautliche Veränderungen


Auch den Wandel von „g“ zu „h“ kann man bei den ursprünglich deutschen Namen betrachten. Dieser Prozess gehört jedoch zu einem allgemeinen Wandel „g“ zu „h“ in der tschechischen Sprache dieser Zeit (bereits um 1200 überall in Böhmen und zum Teil in Mähren). Er betrifft deshalb nicht nur die deutschen Namen, sondern auch und vor Allem die tschechischen (RiegerschlagLodhéřov, aus dem Personennamen Lodgéř, deutsch Rüediger, PilgramsPelhřimov, nach dem Begründer der Stadt Bischof Peregrinus). „Diese Orte mit „g“ liegen dort, wo eine frühe deutsche Besiedlung nachgewiesen werden kann.“ (um 1200)22

In manchen Gebieten, die von den deutschen Kolonisatoren (im Süden bairischen Mundartsprechern) besiedelt wurden, tritt der Wandel „f“, „v“ zu „b“ auf (NeubistritzNová Bystřice, Fistrize 1188, Visticz 1232, 1543 na Bystrziczy). *vgl. tschechische Lehnwörter wie „bažant“ (aus dem mhd. „vasant“, heute „Fasant“), „břitov“ (heute „hřbitov“, aus dem „vrithof“, heute „Friedhof“), Personennamen wie Bedřih (heute Bedřich, aus mhd. Vridrich, heute Fridrich).23

Bei den ins Deutsche übernommenen Siedlungsnamen mit „st-“ („zt-“) im Anlaut konnte dieses s- (z-) verschwinden (TremlesStrmilov, TieberschlagStyborschlag, heute Lomy, Bez. Neuhaus, DriesendorfStřízov, Bez. Budweis), „st“ zu „d“ (DrösowitzStřížovice) oder „s“ zu „ž“ bei den Entlehnungen sowohl aus dem Deutschen als auch aus dem Tschechischen wandeln (Blasenlag, heute BlauenschlagBlažejov, aus dem Personennamen Blažej, SichelbachŽišpachy, dazu noch „b“ zu „p“, SichsŽič, alle Bez. Neuhaus).24

Im Fall des tschechische „ř“ wird dieser Buchstabe ins Deutsche begreiflich mit „r“, „rs“, oder „rz“ ersetzt (WidernVydří, NeubistritzNová Bystřice, Bez. Neuhaus, TrebitschTřebíč, PrödingPředín, Bez. Trebitsch).25




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