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Seite 1 Jänner 2006 

http://www.jp.philo.at/texte/AngererM1.pdf 

e-Journal  

Philosophie der  

AFFEKT UND BEGEHREN ODER: WAS  

MACHT DEN AFFEKT SO BEGEHRENSWERT?

1

 

Psychologie 

von Marie-Luise Angerer (Köln) 

 

"Es ist nicht bequem, Gefühle wissenschaftlich zu bearbeiten." (Freud 1930) 



 

Dass Affekt und Emotion Aufmerksamkeit auf sich ziehen, ist inzwischen auch für jene evident 

geworden, die sich damit nicht wissenschaftlich beschäftigen. 

Eine Publikation um die andere versucht, auf den Zug dieses so attraktiv gewordenen Themas 

aufzuspringen. "Mediale Emotionen" (2005), "Kinogefühle" (2005), "Aufruhr der Gefühle. 

Leidenschaften in der zeitgenössischen Fotografie und Videokunst" (2004) "The cultural politics of 

emotion" (2004), "The Power of feelings" (1999), "Mixed Feelings" (1992), "The Felt Meanings of 

the World" (1986), "Emotionstheorien: Begriffliche Arbeit am Gefühl" (2004), "Emotionen: Eine 

Philosophie der Gefühle" (1991, dt. 2001), "Atlas of Emotions, Journeys into Art, Architecture and 

Film" (2002). So präsentiert sich ein Potpourri von Titel im Feld der Gefühle und Emotionen, 

welches nicht nur neue Forschungs-Gelder, sondern insgesamt einen Aufschwung in Theorie und 

Forschung einzuleiten verspricht.  

Doch die Frage zu beantworten, was dieses neue Erkenntnisinteresse antreibt, gestaltet sich 

schwierig und vielschichtig, will man nicht idealistisch-naiv an pure Neugierde denken oder 

materialistisch nur das Geld anführen. 

Dass Emotionen und Affekte in den Medien, im Film und in der Kunst immer eine Rolle gespielt 

haben, muss nicht besonders betont werden, doch heute weist die Diskussion durchaus eine neue 

Gangart auf.  

 

Es fällt auf, dass die Wendung hin zur Emotion einhergeht mit einer Krise gesellschafts- und 



kommunikationstheoretischer Modelle, die in erster Linie auf die Verständigungsleistungen eines 

vernunftgeleiteten Diskurses anstellen. 

2

 

 



Offenbar haben Sprache und Kommunikation als die das 20. Jahrhundert beherrschenden Topoi 

tatsächlich mit Ende des Jahrhunderts ihre Vormachtsstellung eingebüßt.  

Eine Schwäche, die John Searle, der Mitbegründer der Sprechakttheorie, bereits vor Jahren 

verkündet hat, indem er das 20. Jahrhundert als dasjenige des Unbewussten und der Sprache und 

als das Psychoanalyse bezeichnete. Heute sei jedoch die Zeit des Bewusstseins angebrochen und 

damit diejenige der Neurologie, der Biologie sowie der digitalen Netz- und Feedbackregulationen. 

Seine Vorausahnungen scheinen sich immer mehr durchzusetzen. Das Gehirn als Sitz des 

Bewusstseins ist heute jener Ort im Menschen, der mittels kognitionspsychologischer und 

neurophysiologischer Methoden und insbesondere neuer technischer Aufzeichnungs- und 

Visualisierungsverfahren in Angriff genommen wird, um herauszufinden, wie und wo die Gefühle 

und Affekte des Menschen zustande kommen bzw. ihre Wirkung ausüben. Kognition wird 

                                               

1

 Dieser Text ist eine leicht überarbeitete Fassung meines Vortrags im Psychoanalytischen Salon Berlin 



(25.11.2005), auf Einladung von Dr. Mai Wegener. Mein Buch, "Das Begehren nach dem Affekt", erscheint 

2006 bei diaphanes. 

2

 Margit Tröhler und Vinzenz Hediger: Ohne Gefühl ist das Auge blind, in M. Brütsch, V. Hediger, U.v. Keitz, A. 



Schneider, M. Tröhler (Hg.): Kinogefühle. Emotionalität und Gefühl, Marburg 2005, S. 17 


Affekt und Begehren 

Marie-Luise Angerer (Köln)

 

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inzwischen generell nur mehr im Verbund mit Emotion vorgestellt

3

 und übereinstimmend wird – im 



Gefolge des US-amerikanischen Neurologen, Antonio Damasio, – bestätigt, dass wir sind, weil wir 

fühlen: "Ich fühle, also bin ich"

4

.  


Dieser Umschwung kommt nun nicht etwa plötzlich, sondern die Anzeichen sind seit längerem 

auszumachen. Ich maße mir allerdings nicht an, bis ins 19. und gar 18. Jahrhundert 

zurückzugehen, wo Gefühl und Sinnesempfindungen zu besonders heiß umkämpften Themen 

geworden waren. Stattdessen werde ich mich auf einen kleinen Ausschnitt konzentrieren, innerhalb 

dessen erste Verschiebungen in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts sich deutlich zeigen, die heute 

eruptiv auszubrechen scheinen. 

2004 erschien ein Büchlein von Hans Ulrich Gumbrecht mit dem viel sagenden Titel: "Diesseits der 

Hermeneutik". Damit setzte sich der Autor betont von all jenen Titel ab, die ein "After Theory"

5

 

oder "Beyond" (Gender



6

 z.B.) ausrufen. Mit dem "Diesseits" wollte er uns auf eine Materialität, eine 

Physikalität, eine Sinnlichkeit aufmerksam machen, die wir derart radikal verloren hätten, sodass 

wir von ihr gar nichts mehr wissen könnten: 

 

(M)üßten wir nicht (...) sagen – oder zugeben? -, daß wir heute ein Stadium erleben, das 



jenseits dieses Punkts des – scheinbar – absoluten Verlusts liegt, und zwar ein Stadium, in dem 

der Wunsch nach dem absolut Verlorenen paradoxerweise zurückkehrt? Ein Stadium, in dem 

uns dieser verloren gegangene Wunsch sonderbarerweise "wieder" aufgezwungen wird? Denn 

die heutige Kommunikationstechnik ist zweifellos fast dazu imstande, den Traum der 

Allgegenwart zu erfüllen, also den Traum von der Unabhängigkeit des Erlebens von dem 

jeweiligen Ort, den der eigene Körper im Raum einnimmt (und insofern ist dies ein 

"cartesianischer" Traum).

7

 



 

Ob es tatsächlich richtig ist, von einem cartesianischen Traum zu sprechen, sei hier mal 

dahingestellt, doch die Benennung der Neuen Medien als erste Irritationsinstanz in Sachen 

Sinnlichkeit hat sicherlich seine Berechtigung. Denn in der Tat war es die "digitale Revolution", die 

den Umschwung von der Sprache hin zum Affekt und Gefühl eingeläutet hat. Von Taktilität war von 

Anfang an die Rede, von Augenblicklichkeit, Unmittelbarkeit, von der Auflösung von Zeit und 

Raum, – ein neues Paradies schien sich anzubahnen, wie man beispielsweise Sherry Turkle´s Buch 

"Leben im Netz"

8

 entnehmen konnte. Herrliche Zeiten stünden bevor, weil wir uns endlich von all 



diesen poststrukturalistischen Denker verabschieden könnten: Ihre Theorien würden uns nämlich 

im Netz leibhaftig begegnen: 

 

So begegne ich den Ideen von Lacan, Foucault, Deleuze und Guattari, zwanzig Jahre nachdem 



ich erstmals mit ihnen Bekanntschaft gemacht habe, erneut in meinem neuen Leben am 

Bildschirm. Doch diesmal sind die gallischen Abstraktionen viel konkreter. In meinen 

rechnervermittelten Welten ist das Selbst, das durch die netzvermittelten Interaktionen 

konstituiert wird, multipel und in ständigem Wandel begriffen; es wird von der Sprache erzeugt 

                                               

3

 Kognition, so Gerhard Roth, ist ohne Emotion nicht möglich! Vgl. Sigrid Weigel: Phantombilder. Gesicht, 



Gefühl, Gehirn zwischen messen und deuten, in: Oliver Grau/Andreas Keil (Hg.): Mediale Emotionen. Zur 

Lenkung von Gefühlen durch Bild und Sound, Frankfurt 2005, S. 243 

4

 Antonio R. Damasio: Ich fühle, also bin ich. Die Entschlüsselung des Bewusstseins. 



5

 Terry Eagleton: After Theory, New York 2003 

6

 Paul Verhaege: Beyond Gender. From Subject to drive, New York 2001 



7

 Hans Ulrich Gumbrecht: Diesseits der Hermeneutik, Frankfurt/M 2004, S. 161 

8

 Turkle, Sherry: Leben im Netz. Identität in Zeiten des Internet, Reinbek 1999 (amerik. Orig. 1995) 




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Marie-Luise Angerer (Köln)

 

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und transformiert; der Geschlechtsverkehr ist ein Austausch von Signifikanten und Bedeutung 

eher ein Produkt von Navigieren und Improvisieren als von rationaler Analyse. In der 

maschinengenerierten Welt der MUDs begegne ich Figuren, die mir eine neue Beziehung zu 

meiner eigenen Identität eröffnen."

9

  



 

Derrick de Kerckhove, Leiter des McLuhan Instituts in Toronto, ist gleich noch ein paar Schritte in 

seiner Definition der Neuen Medien weitergegangen und schiebt ihnen die Aufgabe zu, die durch 

das Alphabet hervorgerufenen Kollateralschäden auszugleichen. Der Computer und das Gehirn 

werden als parallele Einrichtungen definiert, die in unserer Zeit eine nicht mehr hintergehbare 

Synthese eingehen werden – mit folgenreichen Konsequenzen: Die Reintegration des Körpers und 

des Multisensuellen, der Wandel vom Informations- zum Kommunikationszeitalter, die 

Relativierung der (Wort-)Sprache zugunsten anderer Kommunikationsformen, Manipulation des 

Verhältnisses von Raum und Zeit, hieraus resultierende doppelte erkenntnistheoretische 

Umkehrung: von der Frontalposition des 'Gegenüber' (Buch, Theater) zum 'Eintauchen' einerseits 

(...), andererseits der von Kerckhove immer wieder statuierte "Auszug des Denkens aus dem Kopf 

auf den Bildschirm", wodurch das "globale Bewusstsein" entsteht. Die neuen Medienmaschinen sind 

im Innern unseres Körpers. Das Eintauchen und Hineingezogenwerden gehört zu den 

interessantesten Neuerscheinungen: Es führt zu einem "Ende der Theorie" und der sie begleitenden 

Distanz sowie einem Ende der Dominanz des Visuellen. Stattdessen werden Riechen, Tasten, Hören 

cyberkulturell integriert. Die sinnlichen und prä-bewussten, prä-sprachlichen kognitiven Reaktionen 

spielen eine zunehmend größere Rolle in der Kommunikation; viele Formen der Neuen Medien 

lassen das Stadium der Wort-Werdung einfach aus, wodurch der Computer eine allmähliche 

Symbiose mit dem physischen menschlichen Körper eingehe – was sich unter anderem in der 

Konjunktur der Computerspiele manifestiere.

10

 

Auch die gegenwärtige Attraktivität der Gehirnforschung ist auf das Engste mit den digitalen 



Rechnungs- und Aufzeichnungsverfahren verbunden. Insbesondere in Hinblick auf die 

Affektforschung hat die Neurologie neue Erkenntnisse versprochen. Sigrid Weigl ist in dem Band 

"Mediale Emotionen" jedoch dem Gefühlsbegriff nachgegangen, der dort in aller Munde ist. Nicht 

nur, dass bei den neuen Verfahren natürlich keine Gefühle aufgezeichnet, sondern Hirnaktivitäten 

gemessen werden, auch "der gegenwärtige Begriff der Gefühle (resp. Emotionen) (...) (stelle) die 

Wiederkehr einer Pathosformel aus dem Zeitalter der Sensibilité bzw. Empfindsamkeit dar".

11

 

Bereits im 18. Jahrhundert sei das Gefühl als Medium konzipiert worden, das zwischen einer 



"Sensibilité morale" und "Sensibilité physique" vermitteln hätte müssen, um den Graben zwischen 

Geist und Körper zu überbrücken.

12

  

Im selben Band fassen Andreas Keil und Jens Eder das Verhältnis von audiovisuellen Medien und 



emotionalen Netzwerken zusammen und machen klar, dass heute unter affektiven Phänomenen 

ziemlich viel verstanden wird. Das reicht von intensiven, kurzfristigen Emotionen wie bei einem 

romantischen Happy End, über diffuse, unterschwellige Stimmungen wie am Anfang eines 

Horrorfilms, reflexhafte Affektreaktionen wie bei den Explosionen eines Actionspektakels bis zu 

                                               

9

 Turkle ebda, S. 19f. 



10

Vgl. Simone Mahrholz: Derrick de Kerckhove – Medien als Psychotechnologien, in: Alice Lagaay, David Lauer 

(Hg.): Medien-Theorien. Eine philosophische Einführung, Frankfurt/New York, 2004, S.69-95, bes. S. 86/87 

11

 Weigl, Phantombilder, S. 244 



12

 Vgl. ebda  




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Empathie, Sympathie und Begehren, ästhetischer Genuss sowie politisch-ideologisches 

Betroffensein.

13

 



Gleich zu Beginn führen die Autoren in einer Fußnote aus, dass mit Beginn der 90er Jahre eine 

Verschiebung in der Filmtheorie festzustellen gewesen sei, wodurch "psychoanalytische 

Affektlehren" (!) wie jene von Laura Mulvey und Louis Baudry verdrängt worden seien. Von den 

kognitiven Emotionstheorien wurde ihnen vorgeworfen, undifferenziert und empiriefern zu sein. 

Hier muss allerdings betont werden, dass in den 70er Jahren innerhalb der strukturalen Filmtheorie 

wie der hier angegriffenen Apparathustheorie Affekt kein explizites Thema war, sondern die 

unbewusste Identifikation und die ideologische Produktion des Subjekts im Vordergrund standen. 

Dies wird nun jedoch – im Zuge einer allgemeinen Emotionalisierung von Medientheorie – der 

Psychoanalyse als grobe Vernachlässigung vorgeworfen. So zeichnet Lisa Cartwright in ihrem Buch 

"Moral Spectatorship"

14

 den Konflikt Sprache versus Affekt, wie er die 70er Jahre des vorigen 



Jahrhunderts kennzeichnen würde, nach und formuliert als Vorwurf gegen die Psychoanalyse und 

insbesondere gegen die feministische Filmtheorie dieser Zeit, dass die Ignoranz dem Affekt 

gegenüber auf politischen Prämissen beruht hätte.  

Daher sei heute eine affektive Umorientierung an der Zeit, eine Neuorientierung an alten 

theoretischern Prämissen, wie etwa an der Objektbeziehungstheorie à la Winnicott und Melanie 

Klein (ebenfalls mit im Bund André Green und seine psychoanalytische Affekttheorie) sowie an der 

Affekt-Psychologie Silvan Tomkins.  

Silvan Tomkins hat seine Arbeit in den 50er und 60er Jahren in Yale und später in Princeton 

entwickelt

15

, er hat eine psychoanalytische Behandlung abgebrochen und war mit den Ideen 



Jacques Lacans bekannt, wie gut und intensiv, entzieht sich meiner Kenntnis. Laut Irving 

Alexander, einem Kollegen und Freund, ist eine seiner ersten Arbeiten über Affekt in französisch in 

einem von Lacan herausgegebenen Band erschienen. Seine Affektlehre entwickelt er in expliziter 

Abgrenzung zur Psychoanalyse, weil diese a) mit dem System der Triebe ein zu kleines System als 

allumfassendes gesetzt und b) die Scham als Primär-Affekt ignoriert hätte. Tomkins bindet seine 

Affekte an die zu dieser Zeit immer faszinierender werdende Systemtheorie an. Affekte bilden in 

seinem System das primäre Motivationssystem des menschlichen Wesens. Das Triebsystem – im 

Freudschen Sinne – bildet dabei ein Untersystem. Der zentrale Affekt unter den insgesamt neun 

Basalaffekten ist die Scham, die den gesamten psycho-physischen Organismus strukturiert. Sie 

entwickelt sich als Grundkomponente durch Unterdrückung von Interesse und Neugier. Alle Affekte 

stehen in dichotomer Relation zueinander, d.h. je nachdem, ob die Intensität neuraler Stimulation 

zu oder abnimmt, pendelt die affektive Lage in Plus oder Minus. Die Scham ist sehr stark an die 

Sichtbarkeit und hierbei besonders an das Gesicht (und dessen Ausdrucksfähigkeit) geknüpft. Wie 

Tomkins hierzu schreibt: "Man is, of all animals, the most voyeuristic. He is more dependent on his 

visual sense than most animals, and his visual sense contributes more information than any of his 

senses".


16

 Gleichzeitig ließe sich jedoch ein gesamtgesellschaftliches Tabu des Sich-gegenseitig-in-

                                               

13

 Vgl. Andreas Keil/Jens Eder: Audiovisuelle Medien und neuronale Netzwerke, in: Grau/Keil (Hg.): Mediale 



Emotionen, S. 224 

14

 Erscheint 2006 bei Duke University Press 



15

 2 Bände: Affect, Imagery, Consciousness, New York 1962, 1963 

 

16

 Tomkins zit. nach Eve Kosofsky Sedgwick and Adam Frank (eds): Shame and its Sisters. A Silvan Tomkins 



Reader, Durham und London 1995, S. 144 


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die-Augen-Schauens feststellen: "The universal taboo on mutual looking is based not only on 

shame but on the entire spectrum of affects".

17

 Wenn wir hier nun kurz bei Sigmund Freud über 



die Schaulust und die Exhibition nachlesen, dann klingt dies zwar etwas anders, doch ist auch für 

Freud die kulturelle Tiefendimension dieser Triebregung selbstverständlich. Die kindliche Schau- 

und Zeigelust verändert sich in der Freudschen Theorie im Verlauf der Entwicklung mehr und mehr 

durch das Hindernis des Schamgefühls.

18

 Weshalb die Scham für Tomkins allerdings so zentral ist, 



vermag dieser nicht wirklich schlüssig zu belegen:  

 

Insofar as any human being is excited by or enjoys his work, other human beings, his body, his 



self, and the intimate world around him, he is vulnerable to the variety of vicissitudes in the 

form of barriers, lacks, losses, and accidents, which will impoverish, attenuate, impair, or 

otherwise prevent total pursuit and enjoyment....

19

  



 

Tomkins wirft Freud vor, die Selbsterhaltungstriebe (Nahrungsaufnahme) ausschließlich biologisch 

gefasst zu haben. Er hingegen würde hier bereits die Affekte "Joy – Excitement" etc. am Werke 

sehen. Ich denke, es ist nicht notwendig, darauf zu verweisen, dass Freud und insbesondere Lacan 

klar gemacht haben, dass der Oraltrieb (und nicht nur dieser) nur teilweise als biologisches 

Bedürfnis (need) begriffen werden kann, denn Anspruch und Begehren sind beim Infans von 

Beginn an im Spiel.  

Freud hat seinen Begriff der Libidio von anderen psychischen Energien unterschieden, um zu 

verdeutlichen, dass Sexualtrieb und Hunger nicht auf demselben Level operieren

20

. Auch Tomkins 



und seine Anhänger sehen sich gezwungen, eine eigene Sexualitätstheorie aufzustellen. Denn wie 

Donald Nathanson, Gründungsdirektor des Tomkins-Institute, hierzu betont, würden sich, wie bei 

jedem psychobiologischen System, Affekt und Trieb gegenseitig beeinflussen (in a recursive 

fashion). Nach Tomkins operiere der Affekt als Verstärker: gute Stimmungen werden besser und 

negative schlechter. Dies lasse sich an der Steigerung einer sexuellen Erregung bis zum Orgasmus 

deutlich ablesen

21

:  


 

The more we are excited by this arousal, the more we become aroused. The addition of positive 

affect makes the thrilling annoyance of arousal into something even more pleasant; the increase 

in arousal produced by further stimulation of the affected areas triggers even more excitement, 

leading to even more arousal until the arousal is terminated by orgasm, its genetically 

programmed terminal analogic amplification. Orgasm is cherished all the more because it 

                                               

17

 ebda S. 148 



18

 Vgl. Sigmund Freud: Das Unbehagen in der Kultur, Frankfurt/M 1972, S. 63-130 

19

 Tomkins, a.a.O., S. 150 



20

 Freud schreibt dazu in den "Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie: "In der Sonderung von libidinöser und 

anderer psychischer Energie drücken wir die Voraussetzung aus, daß sich die Sexualvorgänge des 

Organismus durch einen besonderen Chemismus von den Ernährungsvorgängen unterscheiden. Die Analyse 

der Perversionen und Psychoneurosen hat uns zur Einsicht gebracht, dass diese Sexualerregungen nicht von 

den sogenannten Geschlechtsteilen allein, sondern von allen Körperorganen geliefert wird. Wir bilden uns also 

die Vorstellung eines Libidoquantums, dessen psychische Vertretung wir die Ichlibido heißen, dessen 

Produktion, Vergrößerung oder Verminderung, Verteilung und Verschiebung uns die Erklärungsmöglichkeiten 

für die beobachteten psychosexuellen Phänomene bieten soll." (Sigmund Freud: Drei Abhandlungen zur 

Sexualtheorie (1904-05), Frankfurt/M 1971, S. 86/87) 

21

 Siehe Freuds Konzeption der beiden Grundtriebe: Lebens- und Todestrieb. Anziehung und Abstoßung, 



Mischverhältnisse, Zusatz zur sexuellen Aggression macht aus dem Liebhaber Lustmörder. (Sigmund Freud: 

Abriss der Psychoanalyse (1938), Frankfurt/M 1972, S. 12) 




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triggers the affect enjoyment – joy, which is pleasant in direct proportion to the amount of 

stimulus it reduces and the rapidity with which that stimulus is decreased. 'Good sex' is a 

paradigm of efficacy experienced in the context of positive affect; a good sexual experience 

brings pride and a host of thoughts about our best possible self.

22

 



 

Leider muss Nathanson einräumen, dass die Dinge mit den Menschen etwas komplizierter als mit 

den Tieren sind. Denn die fortschreitende Evolution des Menschen, die Entwicklung eines 

Gedächtnisses, wodurch Affekte sich zu komplexen "ideoaffectiven linkages" formen, führt dazu, 

dass "the nature of sexual emotionality" unsere Spezie in Sachen "generative play" 

schüchtern/scheu werden hat lassen.

23

 Nachzuvollziehen sei dies an der Tatsache, dass Menschen 



Sex normalerweise im Dunkel der Nacht und Tiere meist tagsüber haben.

24

 Denken Sie an die 



natürliche Scham des Menschen, sich gegenseitig anzuschauen! 

Maßgeblich an der Inthronisierung Tomkins´ beteiligt waren Eve Sedgwick und Adam Frank, die 

den bis dahin unbekannten Psychologen allen auf eine Theorie des Affekts wartenden 

angloamerikanischen KulturwissenschafterInnen nahebrachten.

25

  

Sedgwick und Frank haben in ihrer Einführung in das Werk Tomkins´ betont, dass für sie bei der 



Lektüre Tomkins´ schnell klar geworden sei, wie eng der Freudsche Triebbegriff sei und welche 

Vorteile das Affektsystem für die Geistes- und Kulturwissenschaften mit sich brächte. Die Affekte 

werden nämlich unter dem Aspekt der Freiheit betrachtet, und Tomkins benutze die kybernetische 

Metapher eines komplexen Systems, um die unterschiedlichen Levels mit jeweils unterschiedlichen 

Freiheitsgrade aufzuzeigen: Demnach ist der Computer freier als die Rechenmaschine. 

 

Affect, unlike the drives, has a degree of competency and complexity that affords it the relative 



ability to motivate the human to greater degrees of freedom. For freedom is measured 

quantitatively, in degrees of cognitive competency and complexity. Tomkins even proposes a 

principle for freedom, suggesting Freud’s pleasure principle as the model. He calls it the 

information, complexity, or "degrees-of-freedom principle”.

26

  

 



Während Tomkins von einem system-psychologischen Standort die Psychoanalyse wegen ihrer 

"Triebhaftigkeit" kritisierte, attackierte André Green in den 70er Jahren Lacan, dass dieser den 

Affekt zugunsten der "Repräsentation" außen vor gelassen hätte.  

Er selbst hat seine klinische Arbeit vor allem auf narzisstisch-affektiven Störungen aufgebaut: 

"Durch den Affekt macht sich das Ich eine nicht repräsentierbare Vorstellung von sich selbst".

27

  



Hinter den scharfen Attacken Greens gegen Jacques Lacan steht der große Streit unterschiedlicher 

psychoanalytischer Lehrmeinungen und Schulen, der sich immer wieder bei der Frage nach der 

Behandlung psychotischer Patienten (Schizophrenie) entzündet. Freud und auch Lacan waren in 

dieser Frage sehr zurückhaltend und wollten die Psychoanalyse primär der neurotischen Kur 

zukommen lassen, während die Schizophrenie-Forschung vor allem in England um Ronald Laing 

und um die Objektbeziehungstheorie von D. W. Winnicott und Melanie Klein andere 

                                               

22

 Donald L. Nathanson: Shame and Pride, New York and London 1992, S. 290/291 



23

 Vgl. ebda, S. 291/292 

24

 Vgl. ebda, S. 292 



25

 Eve Kosofsky Sedgwick and Adam Frank, a.a.O. 

26

 ebda, S. 35.  



27

 André Green: Die Tote Mutter. Psychoanalytische Studien zu Lebensnarzissmus und Todesnarzissmus, Gießen 

2004, S. 147 



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Patientengruppen auch mit in Betracht zogen (Kinder, Psychotiker). Green geht in seinen 

Vorwürfen auch auf den Stand der Analytiker ein und meint, diese hätten ihre Vormachtsstellung 

auch über die Sprache und das Schweigen des Analytikers zugesprochen. Auch in der Frage der 

gegenseitigen Übertragung wäre das Affektive als zu bedrohlich ausgeklammert – und wieder in die 

Sprache allein rückgeholt worden.  

Es ist durchaus interessant, aus heutiger Sicht die Kontroverse Strukturalismus versus 

Phänomenologie u.a. nochmals Revue passieren zu lassen und aus der Distanz klarer die 

Machtfelder wahrzunehmen. Doch ist der Vorwurf, die Sprache hätte über andere Systeme und 

Methoden aus wissenspolitischen Gründen gewonnen, zu kurz gegriffen. Vielmehr muss der 

"Siegeszug" der Signifikantenkette quer Beet durch die Jahrzehnte hinweg verfolgt werden und 

hierbei wird eher ein Ringen um das Sagbare gegen das Sichtbare (Foucault) auffällig. Ein 

Sichtbares, das heute möglicherweise fälschlich mit sichtbaren Körperreaktionen (Affekten und 

Gefühlen) gleichgesetzt wird.

28

  

Mai Wegener hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass Lacan den Vorwurf, den Affekt zu 



ignorieren, mit folgendem Statement gekontert hat:  

 

Die Angst ist ein Affekt. Es ist absurd zu sagen, ich interessiere mich nicht für Affekte. Ich sage 



nur, dass Affekte nicht das in seiner Unmittelbarkeit/Unvermitteltheit gegebene Sein sind, noch 

das Subjekt in seiner rohen Form. Er ist keinesfalls protopathique. Der Affekt ist nicht verdrängt 

– er ist verrutscht (wie eine Schiffsladung), er driftet, er ist verschoben, verrückt, verkehrt .... 

aber nicht verdrängt.

29

  

 



Lacan folgt hier klar Freuds Bestimmung, die dieser in "Hemmung, Symptom und Angst" 

ausgeführt hat. Dort heißt es: "Die Angst ist also in erster Linie etwas Empfundenes. Wir heißen sie 

einen Affektzustand, obwohl wir auch nicht wissen, was ein Affekt ist."

30

 Greens Vorwurf an Freud, 



dass dieser nicht mal im Zusammenhang mit der Angst vom Affekt spräche, ist also falsch

31



wenngleich Freud sehr bescheiden ist und betont, über den Affekt nichts sagen zu können.  

Genau hier platziert sich nun die Gehirnforschung, um sich als wahre Fortsetzerin des Freudschen 

Werks in Szene zu setzen: Heute könne man nämlich sichtbar beweisen, dass Freud Recht gehabt 

hätte, man könne an neuronalen Vorgängen ablesen, wie das Unbewusste und seine 

unterschiedlichen Mechanismen wie Verdrängung, Vergessen etc. arbeiten. Es ist, denke ich, 

ausreichend darauf hinzuweisen, dass die Gehirnforschung ähnlich wie bei den Gefühlen auch nicht 

das Unbewusste aufzeichnet, sondern Hirnaktivitäten misst, die dann als jene des Unbewussten 

gedeutet werden. 

                                               

28

 Vgl. zur Kontroverse Green -Lacan, "Against Lacanism A conversation of André Green with Sergio 



Benvenuto", JEP, Number 2, Fall 1995-Winter 1996 

29

Jacques Lacan: L'Angoisse, Séminare, livre X, Paris 2004, S. 23 



30

 Sigmund Freud: Hemmung, Symptom und Angst (1925), in: Studienausgabe VI, Frankfurt/M 1971, S. 273,  

31

 André Green: "Auffällig ist, dass Freud an keiner Stelle von Vorstellungen oder vom Affekt spricht." (Die tote 



Mutter, S. 145) 

 



Affekt und Begehren 

Marie-Luise Angerer (Köln)

 

Seite 8  

 

e-Journal Philosophie der Psychologie 

Affektive Medienwelten 

Ich habe anfangs erwähnt, dass in der Kunst und im Film bereits wieder von neuen turns die Rede 

ist: von einem "somatic" und "emotional turn" kann man lesen, die den "pictorial turn" schon 

wieder hinter sich ließen. Das Kino sei dabei die Emotionsmaschine schlechthin?

32

  

Richard Shusterman macht den "somatic turn" an vielen auffälligen Verhaltensweisen unserer 



Gesellschaft fest, die alle explizit den Körper betreffen: 

 

One striking paradox for our new media age is its heightended concentration on the body. As 



telecommunication renders bodily presence unnecessary, while new technologies of mediatic 

body construction and plastic cyborg-surgery challenge the very presence of a real body, our 

culture seems increasingly fixated on the soma, serving it with the adoring devotion once 

bestowed on other worshiped mysteries. In postmodern urban culture, gyms and fitness centers 

proliferate, largely replacing both church and museum as the preferred site of self-meliorative 

instruction, where one is obliged to visit in one´s leisure as a duty to oneself, even if it involves 

inconvenience and discomfort. (...) Despite mediatic dematerialization, bodies seem to matter 

more.


33

 

 



Dass die hier beschriebene Nabelschau nicht nur eine Wiederentdeckung sinnlicher Freude 

darstellt, sondern vielmehr auch als kapitalistische Eroberung des Körpers zu lesen ist, mag banal 

klingen. Doch sollte sie im allgemeinen Gefühlstaumel, der auch vor den TheoretikerInnen der 

Emotionen nicht Halt zu machen scheint, nicht völlig vergessen werden.  

Auf diesen Umstand hat Thomas Elsaesser in seinem Aufsatz "zu früh, zu spät" aufmerksam 

gemacht und von der Emotion der Akteure im Filmtheorie-Geschäft gesprochen. Durchaus parallell 

zu Lisa Cartwrights Neuorientierung der Medientheorie befindet auch Elsaesser, dass das Kino nicht 

länger mehr als Text, sondern als Ereignis gefeiert werde, von der Psychoanalyse, insbesondere 

ihrer Lacanschen Prägung, werde abgerückt, doch dieses Unbehagen an Theorien des Schauens 

und Zuschauens sei selbst eine Emotion, die von verschiedenen Fraktionen geteilt wird, auch wenn 

dabei völlig unterschiedliche Begrifflichkeiten im Spiel seien.

34

 Für ihn selbst ist in dieser Diskussion 



vor allem der Begriff der "Erfahrung"

35

  zentral,  der,  wie  er  meint,  natürlich  keinen  Zugang  zu 



Unmittelbarkeit und Präsenz verschaffe, was in der Nachfolge Derridas geradezu pervers wäre zu 

erhoffen. 

Heute würde, schreibt Elsaesser weiter über seine Kino-Erfahrung, interessanterweise nicht nur die 

Zeiterfahrung besonders betont werden, sondern damit zusammenhängend auch das Trauma. 

Wieder also wie bei Benjamin der Schock, lebten wir heute offenbar in einer Situation, die sich am 

ehesten als ein "Erlebnis ohne Erfahrung"

36

 umschreiben ließe. Hieran seien wohl die Medien mit 



ihrer Überflutung nicht unschuldig. Er denke dabei an  

 

einen somatischen Wahrnehmungskontext, der mit Medienerfahrungen dermaßen gesättigt sei, 



dass seine Modi der Rezeption, der Reaktion und des Handelns verschiedene Arten des 

Loslösens und Auftrennens des sensomotorischen Apparats bedingen würden, um zu 

                                               

32

 Elsässer Thomas: "Zu spät, zu früh". Körper, Zeit und Aktionsraum in der Kinoerfahrung, in: M. Brütsch, V. 



Hediger, U.v. Keitz, A. Schneider, M. Tröhler (Hg.): Kinogefühle. Emotionalität und Gefühl, Marburg 2005, S. 

415-439, hier S. 416. 

33

 Richard Shusterman: performing live. Asthetic Alternative for the Ends of Art, Ithaca 2000, S. 137 



34

 Vgl. Elsaesser, S. 415 

35

 ebda, S. 417 



36

 ebda, S. 438 




Affekt und Begehren 

Marie-Luise Angerer (Köln)

 

Seite 9  

 

e-Journal Philosophie der Psychologie 

funktionieren. "Erfolgreiche" Immersion in diesem Kontext fände ihr Korrelat in einem 

"traumatischen" Modus der Zuschauerschaft, womit ich die flexible Aufmerksamkeit und 

selektive Abstumpfung meine, die die periodische Intensität der Affekte absorbiert, die Flachheit 

der Erinnerungen, den Ennui der Wiederholung und die psychische Spurenlosigkeit der Gewalt, 

die der ständige Kontakt mit der Medienwelt mit sich bringt. Trauma wäre die Lösung (...)."

37

  

 



Und in der Tat spielt die Erfahrung, die Erfahrung von Zeit und Dauer, in der Kunst eine gewichtige 

Rolle. Ich kann dies hier nicht genauer ausführen, möchte aber kurz auf den Begriff des Affektiven, 

wie ihn Henri Bergson im letzten Drittel des 19.Jahrhunderts definiert hat und wie er heute 

insbesondere im Bereich der digitalen Kunst wieder auftaucht, eingehen. 

Mit dem Begriff der Erfahrung und jenem des Erlebnisses (eine Unterscheidung, die auf Benjamins 

Schock zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgeht) sind Erinnerung, Zeit, Gedächtnis verknüpft – 

alles Momente, die im Begriff des Affektiven bei Henri Bergson zusammengefasst werden. Jede 

Wahrnehmung ist nach Bergson affektiv: "Affection is, then, that part or aspect of the inside of our 

body which we mix with the image of external bodies; it is what we must first of all subtract from 

perception to get the image in its purity".

38

 Doch was, wenn wir Bilder nicht mehr als getrennt von 



unserem Körper wahrnehmen können, sondern wenn wir in die Bilder hinein gezogen werden? 

Wenn diese Bilder die repräsentative Ebene umgehen und auf den präsprachlichen Körper 

einwirken, wie dies de Kerckhove u.a. beschreiben? 

Der Bergsonsche Affektbegriff sei deshalb so bedeutungsvoll, weil er mit dieser 

Nichtunterscheidung, dieser Entdifferenzierung von Bildern immer schon arbeite. Und im Falle der 

digitalen Medienkunst, die immer weniger zwischen den Medien unterscheide, sei nun der affektive 

Körper als "framer" der nicht mehre gerahmten Bilder besonders gefragt. 

Mark B. Hansen baut diese These in "New Philosophy for New Media" auf, indem er Deleuzes 

Begriff des Affekt(bildes) verwirft und Bergsons Affekt ins Spiel bringt. Deleuze hätte nämlich den 

Affekt vom Körper getrennt und dem technischen Procedere überantwortet, während Bergson 

radikal den Affekt als Modalität des Körpers verstand. 

Wir leben nun, so Hansen, in der praradoxen Situation, dass wir aufgrund der technischen 

Entwicklung Subjektivität auf radikalste Weise erleben können.  

 

The fact that technical expansion of self-affection allows for a fuller and more intense 



experience of subjectivity, that, in short, technology allows for a closer relationship to 

ourselves, for a more intimate experience of the very vitality that forms the core of our being, 

our constitutive incompleteness, our mortal finitude.

39

 



 

All die hier skizzierten Entwicklungen, Verschiebungen und Verlagerungen könnten einfach auch als 

Reaktion auf die Postmoderne sowie den Poststrukturalismus abgetan werden – als Gegenreaktion 

auf eine Überbewertung von Struktur und Sprache. Doch ich denke, es geht um tiefere Schichten, 

die sich da bewegen. Man kann, ohne pathetisch zu klingen, behaupten, dass all dies auf die 

"Fassung des Menschen als symbolischem Wesen" abzielt, das in s/einer Sprache wohnt, auch 

wenn diese ihm nicht heimisch ist. Die psychoanalytische Fassung des Menschlichen hat mit dem 

Begriff des Begehrens diese Ex-zentrik klar betont. Das Affektive scheint nun so etwas wie ein 

                                               

37

 ebda, S. 438/39 



38

 Mark B. Hansen: New Philosophy for New Media, Boston 2004, S. 100 

39

 Mark B. Hansen, The Time of Affect, or Bearing Witness to Life, Critical Inquiry, vol. 30, no. 3 




Affekt und Begehren 

Marie-Luise Angerer (Köln)

 

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e-Journal Philosophie der Psychologie 

Versprechen zu beinhalten, diese Gespaltenheit zu überwinden, indem das Fremde des Körpers als 

natürliche Basis eingeholt werden soll.  

Psychoanalytiker wie Paul Verhaege oder Sexualitätsforscher wie Volkmar Sigusch behaupten, dass 

der Imperativ: Du musst genießen! In den westlichen Gesellschaften zu Langeweile, Angst, und 

Leistungssport in allen Bereichen geführt hätte. Sexualität sei nunmehr ein Lebensbereich u.a., der 

den Lebensstil mitbestimme wie Kinder, Wohnung und Auto.  

Man könnte – um zum Schluss zu gelangen – mit Paul Rabinow eine vorsichtige Antwort auf meine 

Frage, was den Affekt so begehrenswert macht, formulieren.  

Rabinow beschreibt das Auftauchen des Menschen, das Foucault in seiner Ordnung der Dinge so 

plastisch nachzeichnet, als das ledigliche Auftauchen einer "Manifestation der Figur anthropos". Das 

von Foucault als möglich gedachte Ende des Menschen hätte sich nicht bewahrheitet. Dennoch 

müsse man/könne man von einer Brechung der Sprache, des Lebens, der Arbeit ausgehen. D.h. 

wir sind angehalten, an uns die Frage zu stellen, wie wir uns zur Frage des anthropos stellen. Und 

wie immer man sich dieser Frage stellen mag, könnte man doch das Projekt folgendermaßen 

umschreiben: "Was wäre, wenn wir die jüngsten Veränderungen in den logoi von Arbeit, Leben und 

Sprache nicht als einen epochalen Wandel begreifen würden, sondern als fragmentarische und 

bereichsspezifische Veränderungen", die gegenwärtig nach ihrer Form suchen – und damit 

notwendigerweise die Figur des anthropos mitziehen. "Der anthropos der Gegenwart ist gesättigt, 

regelrecht überfrachtet von logoi".

40

 

Das heißt weiter gedacht, dass die gegenwärtige Überbetonung des Affektiven als Symptom eines 



in Umorientierung sich befindlichen Systems gelesen werden kann. Eines Systems, innerhalb 

dessen der Mensch, der anthropos, ein Rädchen u.a. ist. Doch dies entledigt ihn nicht, seine 

Differenz zu Tier und Maschine immer wieder festzulegen im Sinne einer ethischen Haltung. 

                                               



40

 Paul Rabinow: Anthropologie der Vernunft, Frankfurt/M 2004, S. 34-36. 





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