Mitteleuropa zwischen Ost und West Kosmische und menschliche Geschichte Sechster Band



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RUDOLF STEINER GESAMTAUSGABE

VORTRÄGE


VORTRÄGE VOR MITGLIEDERN DER ANTHROPOSOPHISCHEN GESELLSCHAFT

RUDOLF STEINER KOSMISCHE UND MENSCHLICHE GESCHICHTE

Band I Das Rätsel des Menschen. Die geistigen Hintergründe der menschlichen Geschichte

15 Vorträge, gehalten in Dornach vom 29. Juli bis 3. September 1916


Bibliographie-Nr. 170.

Band II Innere Entwicklungsimpulse der Menschheit. Goethe und die Krisis des neunzehnten Jahrhunderts

16 Vorträge, gehalten in Dornach vom 16. September bis 30. Okt. 1916
Bibliographie-Nr. 171.

Band III Das Karma des Berufes des Menschen in Anknüpfung an Goethes Leben

10 Vorträge, gehalten in Dornach vom 4. bis 27. November 1916 Bibliographie-Nr. 172.

Band IV Zeitgeschichtliche Betrachtungen - Erster Teil

13 Vorträge, gehalten in Dornach vom 4. bis 31. Dezember und in Basel am 21. Dezember 1916 Bibliographie-Nr. 173.

Band V Zeitgeschichtliche Betrachtungen - Zweiter Teil

12 Vorträge, gehalten in Dornach vom 1. bis 30. Januar 1917 Bibliographie-Nr. 174.

Band VI Mitteleuropa zwischen Ost und West

12 Vorträge, gehalten in München am 13. Sept., 3. Dez. 1914, 23. März, 29. Nov. 1915, 18., 20. März 1916, 19., 20. Mai 1917, 14., 17. Februar, 2., 4. Mai 1918 Bibliographie-Nr. 174 a.

Band VII Die geistigen Hintergründe des ersten Weltkrieges

16 Vorträge, gehalten in Stuttgart am 30. Sept. 1914, 13., 14. Februar, 22.-24. Nov. 1915, 12., 15. März 1916, 11., 13., 15. Mai 1917, 23., 24. Februar, 23., 26. April 1918, 21. März 1921 Bibliographie-Nr, 174 b.

RUDOLF STEINER

Mitteleuropa zwischen Ost und West

Kosmische und menschliche Geschichte Sechster Band

Zwölf Vorträge, gehalten in München zwischen dem 13. September 1914 und dem 4. Mai 1918

1982


RUDOLF STEINER VERLAG DORNACH/SCHWEIZ

Nach vom Vortragenden nicht durchgesehenen Nachschriften herausgegeben von der Rudolf Steiner-Nachlaß Verwaltung

Die Herausgabe besorgten H. v. Wartburg und R. Frieden thal

1. Auflage in dieser Zusammenstellung Gesamtausgabe Dornach 1971

2. Auflage, neu durchgesehen

(photomechanischer Nachdruck)

Gesamtausgabe Dornach 1982

Einzelausgaben und Abdrucke in Zeitschriften siehe zu Beginn der Hinweise

Bibliographie-Nr. 174 a

Alle Rechte bei der Rudolf Steiner-Nachlaß Verwaltung, Dornach/Schweiz

©1971 by Rudolf Steiner-Nachlaßverwaltung, Dornach/Schweiz

Printed in Switzerland by Schüler AG, Biel

ISBN 3-7274-1741-2

Zu den Veröffentlichungen aus dem Vortragswerk von Rudolf Steiner

Die Grundlage der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft bilden die von Rudolf Steiner (1861-1925) geschriebenen und veröffentlichten Werke. Daneben hielt er in den Jahren 1900-1924 zahlreiche Vorträge und Kurse, sowohl öffentlich wie auch für die Mitglieder der Theosophischen, später Anthroposophischen Gesellschaft. Er selbst wollte ursprünglich, daß seine durchwegs frei gehaltenen Vorträge nicht schriftlich festgehalten würden, da sie als «mündliche, nicht zum Druck bestimmte Mitteilungen» gedacht waren. Nachdem aber zunehmend unvollständige und fehlerhafte Hörernachschriften angefertigt und verbreitet wurden, sah er sich veranlaßt, das Nachschreiben zu regeln. Mit dieser Aufgabe betraute er Marie Steiner-von Sivers. Ihr oblag die Bestimmung der Stenographierenden, die Verwaltung der Nachschriften und die für die Herausgabe notwendige Durchsicht der Texte. Da Rudolf Steiner aus Zeitmangel nur in ganz wenigen Fällen die Nachschriften selbst korrigieren konnte, muß gegenüber allen Vortragsveröffentlichungen sein Vorbehalt berücksichtigt werden: «Es wird eben nur hingenommen werden müssen, daß in den von mir nicht nachgesehenen Vorlagen sich Fehlerhaftes findet.»

Über das Verhältnis der Mitgliedervorträge, welche zunächst nur als interne Manuskriptdrucke zugänglich waren, zu seinen öffentlichen Schriften äußert sich Rudolf Steiner in seiner Selbstbiographie «Mein Lebensgang» (35. Kapitel). Der entsprechende Wortlaut ist am Schluß dieses Bandes wiedergegeben. Das dort Gesagte gilt gleichermaßen auch für die Kurse zu einzelnen Fachgebieten, welche sich an einen begrenzten, mit den Grundlagen der Geisteswissenschaft vertrauten Teilnehmerkreis richteten.

Nach dem Tode von Marie Steiner (1867-1948) wurde gemäß ihren Richtlinien mit der Herausgabe einer Rudolf Steiner Gesamtausgabe begonnen. Der vorliegende Band bildet einen Bestandteil dieser Gesamtausgabe. Soweit erforderlich, finden sich nähere Angaben zu den Textunterlagen am Beginn der Hinweise.


INHALT

ERSTER VORTRAG, München, 13. September 1914

Die geistigen Hintergründe des Kriegsausbruchs. Das Ereignis von Sarajewo. Franz Ferdinand nach dem Tode. Unwirkliche Beurteilung der Zeitlage durch prominente Politiker. Die «Rätsel der Philosophie». Der Dornacher Bau. Kanonendonner vom Elsaß. «Die Weisheit ist nur in der Wahrheit». Aufsatz von Robert Michel. Die Kriege von 1866 und 1870/71. Der Krieg als Opfer und als Lehrmeister zur Selbstlosigkeit. Wir suchen die brüderliche Vereinigung derer, die sich im Kriege bekämpfen. Mantrische Sprüche für die Verbindung mit Kämpfenden und Gefallenen. Einschneidende Ereignisse: Die punischen Kriege, die Völkerwanderung, der gegenwärtige Krieg.

Zweiter Vortrag, 3. Dezember 1914

Die Verbindung des einzelnen Menschen mit den Volksseelen im Wachen und im Schlafen. Die Eigenart der französischen, der italienischen und der russischen Volksseele. Michaels Bedeutung für das Erscheinen des Christus im Ätherischen. Umkehrung der Kriegskonstellation im Geistigen. Verheerende Wirkung von nicht zum Bewußtsein kommenden Imaginationen. Der Zusammenhang des deutschen Okkultismus mit dem geistigen Leben des deutschen Volkes. Gegensatz zwischen deutschem und britischem Okkultismus.



Dritter Vortrag, 23. März 1915

Sprüche für verstorbene Freunde. Die Bedeutung des Todesaugenblickes für das Leben zwischen Tod und neuer Geburt. Die Verschiedenheit der europäischen Völker - ihre Aufgaben und Schicksale. Das Wirken geistiger Mächte im Hintergrund der Kriegsereignisse. Die Trennung von der Theosophischen Gesellschaft im Zusammenhang mit dem Krieg zwischen England und Deutschland.



Vierter Vortrag, 29. November 1915

Verstorbene als Helfer für die anthroposophische Arbeit. Seelenerlebnisse nach dem Tode. Nachtodliches Ich-Bewußtsein durch den Rückblick auf das vergangene Leben. Das Rückwärtsdurchlaufen der Schlaferlebnisse unmittelbar nach dem Tode. Das Wirken der früh Gestorbenen in der geistigen Welt.



Fünfter Vortrag, 18. März 1916

Verleumdungen Mrs. Besants. Aufgaben des fünften und des sechsten Kulturzeitraums. Das Wesen des russischen Menschen. Ost- und Westeuropa. Mitteleuropa und der neuzeitliche Okkultismus. Ziel

westlicher Orden: Verbindung zwischen Ost- und Westeuropa unter Ausschaltung des mitteleuropäischen Geisteslebens. H. P. Blavatsky. Benutzung ihrer okkulten Fähigkeiten für politische Ziele des Westens. Die «Prophezeihungen» der Mme de Thebes. Die Ermordung von Jaures. Westeuropäische Freimaurerei und russische Geheimbünde.

Sechster Vortrag, 20. März 1916

Die Entstehung des physischen Leibes. Der Zusammenhang unseres Ätherleibes mit dem Tierreich, unseres Astralleibes mit dem Pflanzenreich. Das Erahnen solcher Zusammenhänge durch Oken und Schelling. Die Arbeit der Hierarchien an unseren Wesensgliedern. Geisteswissenschaftliches Denken und lebenspraktischer Sinn: Karl Christian Planck. Alte Weisheit in einem Bild von Meister Bertram. «Die Brüder Kara-masow» von Dostojewskij. Krapotkin.



Siebenter Vortrag, 19. Mai 1917

Die Bedeutung der vierten Epoche in der nachatlantischen Zeit, der fünften Epoche in der atlantischen Zeit. Das Jüngerwerden der Menschheit. Stehenbleiben der Menschen auf der Stufe des Sieben-undzwanzigjährigen: Rudolf Eucken und Woodrow Wilson. Lebenspraktische Erkenntnisse durch die Geisteswissenschaft. Gedenken an Verstorbene: Ludwig Deinhard und Professor Sachs. Hereinragen des Persönlichen in die Gesellschaft. Verleumdungen, Cliquenwirtschaft. Konsequenz: Einschränkung von Privatgesprächen.



Achter Vortrag, 20. Mai 1917

Notwendigkeit der Entfaltung innerer Seelenkräfte. Mutlosigkeit gegenüber Neuem, Festhalten an Vergangenem, Beispiel Maurice Barres. Verzerrung der Ideen der Französischen Revolution durch bloß theoretische Auffassung. Gültigkeit der Ideen von Brüderlichkeit, Freiheit, Gleichheit für den Leib, die Seele, den Geist. Abschaffung des Geistes durch das Konzil von 869. Zukünftige Abschaffung der Seele durch bestimmte Medizinen. Verwirrung in der Auffassung des Christus-Impulses. Adolf Harnack. Die erzwungene Einweihung der römischen Cäsaren. Der mangelnde Denkwille unserer Zeit. Unrichtiger Vergleich zwischen Staat und Organismus beiiKjellen. Schädigung der Geisteswissenschaft durch Hineintragen von Persönlichem in die Gesellschaft.



Neunter Vortrag, 14. Februar 1918

Geisteswissenschaft heute. Schlafen und Wachen in bezug auf Denken, Fühlen und Wollen. Umkehrung der Bewußtseinsverhältnisse im nachtodlichen Leben. Impulse des Geschichtslebens werden traumhaft

erlebt. Falsche Vorstellungen in bezug auf Vergangenheit und Zukunft bei den Historikern. Verkehr mit den Verstorbenen. Verkrüppeltes Denken. Aufmerksames und intensiv bildhaftes Denken im Verkehr mit Verstorbenen. Jung und alt Verstorbene. Geisteswissenschaft wirkt auf Gefühl und Willen.

Zehnter Vortrag, 17. Februar 1918 221

Ist unsere Zeit spirituell oder materialistisch? Die Aufgabe der ahri-manischen Wesen und der Erzengel. Der geistige Kampf Michaels. Spiegelung der Ereignisse vor und nach 1879: 1844 - 1879 - 1914. März 1917. Plötzlicher Tod, Krankheitstod. Die vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Das Mysterium von Golgatha. Der Volksseelen-Zyklus. Alexander Moszkowski's «Sokrates, der Idiot». Jesus als Kranker.



Elfter Vortrag, 2. Mai 1918 242

Wachsende Feindschaft gegen die Anthroposophie vonseiten der Vertreter der Religionen. «Christus im Innern»: Verwechslung von Christus mit dem Engel. «Gott» und «Geist» im Wörterbuch. Mauthner und Boll. Menschen können nicht mehr alt werden. Begabtenprüfun-gen, Intelligenztests. Haupt und Gliedmaßen. Das Wirken der Volksseelen durch die verschiedenen Elemente.



Zwölfter Vortrag, 4. Mai 1918 265

Charakterisierung der Zeittendenzen: Borniertheit im Denken, Phili-strosität im Fühlen, Ungeschicklichkeit im Wollen. Das Schicksal Johann Heinrich Lamberts. Weitung des Erlebens durch die Beachtung der Weltenrhythmen. Lloyd George als Repräsentant unserer Zeit. Alte Spiritualität bei Rabindranath Tagore. Ansätze zu neuer Spiritualität im deutschen Geistesleben. Präsident Wilson als Repräsentant der amerikanischen Geistesart. Stumpfheit vieler Menschen nach dem siebenundzwanzigsten Lebensjahr. Chaotisches Heraufdämmern realer Geist-Erkenntnisse bei Otto Weininger. Imagination, Inspiration und Intuition im nachtodiichen Leben. Der Nachahmungstrieb als Fortsetzung der vorgeburtlichen Seelenhaltung. Das Mitwirken der Verstorbenen bei der Bewältigung der großen Lebensfragen.

Hinweise 289

Personenregister 303

Rudolf Steiner über die Vortragsnachschriften 305

Übersicht über die Rudolf Steiner Gesamtausgabe 307


ERSTER VORTRAG München, 13. September 1914

Es ist zu meiner tiefen Befriedigung, daß es das Karma so gebracht hat, daß wir an diesem Abend Zusammensein und einige Worte sprechen können in dieser ernsten Zeit. Vor allem aber wollen wir in diesem Augenblick gedenken derer, die draußen stehen, ihren Mut, ihr Leben, ihr Blut zum Opfer bringen für die Aufgaben, die diese ganz außerordentliche Zeit an den Menschen stellt. Unsere liebenden, um Hilfe bittenden Gedanken wollen wir richten an diejenigen in erster Linie, die mit uns oftmals zusammengesessen haben in unseren gemeinsamen Betrachtungen und die jetzt draußen stehen und in unmittelbarer Weise teilzunehmen haben an den großen Ereignissen, die jetzt da sind, Völker- und Menschenkarma zur Entwickelung bringend. An diese zunächst, die mit uns verbunden sind, und dann im weiteren Sinn an all die anderen. Dann wollen wir Ausblick hegen in einer gewissen Weise auf die engeren Bande und die weitesten Bande, die wir auch sonst auf dem Felde unserer geistigen Strömung suchen und die sich knüpfen von jeder Seele zu jeder Seele, die da aufgerufen ist von den großen Ereignissen. So richten wir unsere liebenden, bittenden Gedanken auch auf die, die draußen im Felde stehen und zum Zeichen, daß wir mit ihnen verbunden sind, wollen wir uns von unseren Sitzen erheben und ihrer in folgenden Worten gedenken:

Geister Eurer Seelen, wirkende Wächter,

Eure Schwingen mögen bringen

Unserer Seelen bittende Liebe

Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,

Daß, mit Eurer Macht geeint,

Unsere Bitte helfend strahle

Den Seelen, die sie liebend sucht!

Und hinaussenden zu euch wollen wir unsere liebenden Gedanken, daß Er mit euch sei, der Helfer, der Christus, den wir suchen, der Chri-

stus, der die Seelen in unserer Zeit aufrufen muß, um in Disharmonie die Harmonie zu suchen, daß Er die Seelen, denen Er Schmerz zufügen muß, sicher auch führen wird zu jener Erlösung, die ihnen nötig ist, damit der Sinn erfüllt wird, der da vorgezeichnet ist dem Menschen- und Volkskarma: Mit euch, ihr Seelen, wollen wir geeint sein in dem Zeichen, das uns verbindet mit dem alleinenden Erdengeist, dem Christus.

Lange voraussehen konnte man dasjenige, was jetzt scheinbar so überraschend hereingebrochen ist über die, man muß ja wohl sagen, Erdenmenschheit. So überraschend ist es hereingebrochen, weil mitgewirkt haben bei diesem Ereignis auch, man darf schon sagen, okkulte Ursachen, die sich eigentlich erst seit dem 28. Juni allmählich nach und nach gezeigt haben. Wirklich konnte man gerade in unserer Zeit so recht sehen, wie man auch den geistigen Welten gegenüber immer Neues erkennen kann. Ich kann dasjenige, was ich hier meine, eigentlich nur mit ein paar Worten andeuten. Als ich zurückkehrte im Juli aus Schweden von dem Norrköpinger Vortragszyklus, da mußte ich jemanden, der in einem gewissen Sinn verbunden ist mit den gegenwärtigen Ereignissen, aufmerksam machen darauf, wie das Ereignis von Sarajewo für den Okkultisten ganz merkwürdige Folgen gezeigt hat, wie es ein äußerliches Symptom war, und wie merkwürdig anders sich dieser Tote verhalten hat als alle anderen Toten, die man beobachten konnte auf dem okkulten Felde früher. Und so hat sich denn eigentlich auch im okkulten Hintergrunde der irdischen Ereignisse recht schnell das abgespielt, was ja dann auch auf dem äußeren physischen Plan mit so furchtbar schnellen Schritten in den letzten Julitagen und ersten Augusttagen hereingebrochen ist. Es hat aber auch ganz gewiß in den Seelen derer, die dem geistigen Leben in der letzten Zeit fern gestanden haben, manche Ahnungen, manche bestimmte Empfindungen für eine geistige Welt, für das Vorhandensein einer geistigen Welt gezeitigt. Ungeheuer, darf man sagen, und unvergleichlich sind die Erlebnisse, die die Erdenmenschheit jetzt durchmacht.

Wenn ich, meine lieben Freunde, als erstes ein Wort an Sie richten möchte, so sei es dieses, daß ich es anknüpfen möchte an manche Be-

merkung, die oft und oft in den letzten Jahren innerhalb unserer geisteswissenschaftlichen Betrachtung gemacht worden ist. Was soll uns denn der Zusammenhang mit dem geistigen Leben in tiefster Seele sein, den wir suchen? Sicherheit und innere Kraft soll er uns geben, Sicherheit darüber, daß es in allem Wandel der Zeiten, Wandel der Ereignisse Festes gibt, an das man sich halten kann. Und in solchen Zeiten wie diesen soll in unsere Seelen etwas anderes einziehen können von dem Glauben an die Unbesieglichkeit des geistigen Lebens und seiner Aufgabe, und wir sollen verbinden lernen mit den äußeren Ereignissen des Tages diesen Glauben an den Sieg und die Sieghaftig-keit des Geistes.

In den ersten Augusttagen, als so nach und nach von den verschiedensten, man möchte sagen, Weltrichtungen her die Stürme der Kriegserklärungen kamen, mußte ich mich an Worte erinnern, die gesprochen worden sind in der letzten Zeit, Worte, die sich einem gerade jetzt tief eingraben können, und die das, was ich eben jetzt gesagt habe, im Grunde genommen uns doch recht, recht nahelegen. Eine wichtige Persönlichkeit hat wenige Wochen vor Kriegsausbruch etwa das Folgende an einer bedeutungsvollen Stelle gesagt: Mit allen Mächten stehen wir in dem freundschaftlichsten Einvernehmen. Wir haben uns auseinandergesetzt, nachdem im Frühling dieses Jahres die Pressetreibereien in Rußland losgegangen waren und auch in den deutschen und in den Wiener Zeitungen Widerhall gefunden haben; auf Pressetreibereien ist nicht zu achten und an dem altfreundschaftlichen, nachbarlichen Verhältnis ist festzuhalten. - Ein Wort, das auch zu denken gibt, ist gesprochen worden im Juni: Die allgemeine Entspannung hat Fortschritte gemacht —, und ein anderes Wort derselben Rede: Die Verhandlungen mit England sind noch nicht abgeschlossen, werden aber in dem freundschaftlichen Geist geführt, der sonst in unseren Beziehungen zu Großbritannien herrscht. - Man denke: jetzt! Man denke daran, wie wandelbar in der physischen Welt dasjenige ist, was der Mensch heute glaubt, und was er genötigt ist durch den Gang der Ereignisse, schon in den nächsten Wochen mitanzusehen. Man vergegenwärtige sich das Wogen, Treiben, Wanken, Stürmen der Ereignisse auf dem physischen Plan, man vergegenwärtige sich, wie not-

wendig es ist, dieses Wogen, Stürmen. Man möchte sagen: Was heute geglaubt werden kann, erweist sich morgen schon nicht mehr wahr. Wie notwendig ist es, in diesen Stürmen ein Sicheres, Festes zu haben, das heute, morgen und übermorgen und durch alle Ewigkeiten wahr ist! Was in dieser Weise wahr ist, das ist die Wahrheit vom Geist, von der Mission des Geistes, die die Menschheitsentwickelung durchzieht.

Recht symptomatisch, nicht weil es etwas Persönliches ist, sondern weil es wirklich symptomatisch und symbolisch zur Seele gesprochen hat, möchte ich folgendes erwähnen: Sie wissen ja, im Juli ist erschienen der erste Band meiner Schrift «Die Rätsel der Philosophie». Der zweite war gedruckt bis Seite 206, als der Krieg ausbrach. Es war die Überleitung der Gedanken von den französischen Philosophen Bou-troux, Bergson zu dem deutschen Philosophen Preuß, der Hinweis darauf, wie Bergson einen Gedanken ausführt, etwas leichtsinnig oben darüber hinweg, der früher mit wuchtiger Gründlichkeit von dem unbekannten, einsamen Denker, von Preuß, unsere theosophische Weltanschauung vorverkündend, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts gefaßt ist. Ich suche da auch diesem einsamen Denker gerecht zu werden. Nun ergab es sich dazumal, daß der Druck abgebrochen werden mußte, es mußte später weitergeschrieben werden, es brach ab mit dem Übergang von Frankreich zu Deutschland. Der Krieg brach aus. Ich mußte die leeren Blätter auf den zu zwei Dritteln gedruckten Bogen wirklich wie ein Symbolum ansehen desjenigen, was sich abgespielt hat zwischen dem Westen Europas und der Mitte Europas, über die herüberging gerade der Weg meiner Darstellung.

Und auch sonst manches könnte einem symbolisch entgegentreten. Ich darf da auch an unseren Bau in Dornach erinnern, der ja bis zu einem gewissen Grad gediehen war, allerdings nicht so weit, wie wir ihn gern haben wollten. Vielleicht wissen einige unserer Freunde, wie sehr betont worden ist, solange es einen Sinn hatte gegenüber den sprechenden Tatsachen, wie sehr es betont worden ist, nicht nur als ein Herzenswunsch von mir, sondern als Notwendigkeit, die vor Augen stand, daß der Bau mit dem ersten August dieses Jahres abgeschlossen sein sollte. Vielleicht versuche man jetzt nachzudenken, ob es nicht

einen Sinn gehabt hätte gegenüber dem, was jetzt eingetreten ist, wenn der Bau abgeschlossen gewesen wäre gerade am ersten August. Gegenüber den Tatsachen war natürlich mit so etwas, das wie ein Wunsch ausschaute, nicht anzukämpfen, und unter mancherlei Dingen, über die ich heute nicht sprechen will, die mit dem Bau gelöst werden sollen, war ja dies, daß das Problem der Akustik für einen größeren Raum gelöst werden sollte durch eine größere Resonanz. Es war in den Julitagen, als der Bau schon eingeschalt war, da konnte man, wenn man an einem bestimmten Orte ein paar Worte sprach, zum ersten Mal eine Ahnung haben, daß es gelungen sein würde, dieses akustische Problem wirklich zu lösen, wenn der Bau einmal fertig ist. An bestimmten Stellen konnte man hören, da stellte sich die Resonanz in einer Weise heraus, wie es nach den okkulten Berechnungen für den Ort erwartet werden mußte, und so darf erwartet werden, daß das Wort und Musikalisches wirklich so erklingen werden, wie sie erklingen sollten. Es war so eine Art Ideal, schon in den Augusttagen drinnen zu hören das Wort, das vom Geist sprechen sollte. - Dasjenige, was unsere Freunde zuerst in unserem Bau hörten, war der Widerhall der Kanonen, die in unmittelbarer Nähe auf den Elsäßer Schlachtfeldern donnerten. So war der Raum, für den wir in einer gewissen Weise den Widerhall der dem Geist gewidmeten Worte erbeten hatten, zuerst Zeuge des Kanonendonners, der in gar nicht weiter Entfernung ertönte. Andere unserer Freunde hatten, auch in gewisser Weise symbolisch, etwas gesehen, was wir erwartet hatten als unser großes Ideal. Erwartet hatten wir, daß ertönen durfte die Kunde von dem Licht des Geistes, der geistigen Welten, daß dieses Licht der geistigen Welten zur Geltung kommen werde - gesehen wurde in einigen Nächten der Schein vom Isteiner Fort, der weithin sich erstreckte und vier Minuten lang auch sein Licht durchdrängte und durchdrückte durch unseren Bau: Ton und Licht der gegenwärtigen Ereignisse!

Aber auch andere Gedanken und Empfindungen konnten durch die Seele gehen. Am 26. Juli hatte ich zu unseren Freunden gesprochen über einiges, das unseren Bau betraf, und hatte mit wenigen Worten hingewiesen auf die ernsten Zeiten, die uns zu unseren Fenstern hereinsehen. Und ich muß sagen: Ich konnte nur unter Tränen den Brief le-

sen, den einer unserer jüngeren Freunde bald darauf an seine Mutter schrieb, die dabeigewesen war am 26. Juli. Unmittelbar danach wurde er einberufen, ist nach seiner österreichischen Heimat gezogen, und gerade aus der Kraft des geistigen Lebens heraus, die er - er ist ein noch recht junges Mitglied - aus unseren Bestrebungen gezogen hat, hat er auch die Kraft gewonnen, im schönsten, ich möchte sagen, im heiligsten, reinsten Sinn seinen Platz auszufüllen, auf den ihn das Karma gestellt hat.

Und wieder war es ein anderer, der dazumal am 26. Juli dabeigewesen war, der mir selbst schrieb, als er den Weg antrat zu dem serbischen Kriegsschauplatz, voll der Empfindungen, die auf der einen Seite genährt waren von der Sicherheit, die da fließt aus dem Glauben an den Sieg und die Sieghaftigkeit des Geistes, auf der anderen Seite genährt waren von den voll begeisterten Empfindungen für die unmittelbare Teilnahme an den Ereignissen unserer Zeit von dem Platze aus, auf den er gestellt war.

Wahrhaftig, meine lieben Freunde, man fühlte in diesen Zeiten die Seelen wachsen, die Seelen reifen und es war schön, es war groß, zu unseren Herzen sprechend, wenn man sehen durfte, daß all die Empfindungen, Gefühle, die durch die Jahre in die Seelen unserer Freunde gezogen sind, auch sich als geeignet erweisen, in der heutigen schweren Situation die Menschen an den richtigen Platz in der richtigen Weise zu führen.

Wenn man spricht von der Sicherheit, die man gewinnen soll durch die Betrachtung des Geistes und des geistigen Wesens, so hängt die Empfindung von dieser Sicherheit innig zusammen mit dem, was unser Wahlspruch ist, der einem Goetheschen Wort nachgebildet ist, es wiedergibt: «Die Weisheit liegt nur in der Wahrheit.» Unter den großen Hoffnungen, die man hegen darf aus den gegenwärtigen Ereignissen heraus, ist auch diese eine, daß alles dasjenige, was zusammenhängt mit diesem: «Die Weisheit liegt nur in der Wahrheit», daß alles das gerade durch die großen, schmerzlichen und tief ergreifenden Prüfungen der Menschheit eingeprägt wird. Alles, was zusammenhängt mit dem Worte: «Die Weisheit liegt nur in der Wahrheit», muß tiefer und immer tiefer in die Menschen eingreifen, und jetzt ist schon vieles

durch den großen Lehrmeister, der durch seine Geschosse spricht, bewirkt worden in der Überwindung des Materialismus.

Kurz vor dem Ausbruch des Krieges konnte ich das Wort lesen, das ein angesehener Journalist geschrieben hat: Trotz der Rüge des Herrn Liebknecht bleibe ich bei der Meinung, daß verantwortungsvoll Regierende nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet sind, Wahres zu leugnen und Unrechtes zu behaupten. Dieses Recht, diese Pflicht des von Kollektivsittlichkeit Geleiteten schränken zwei Bedingungen ein: Die Unwahrheit darf weder erweislich noch dem Staatsinteresse zuwider sein. — Man halte diesen Ausspruch zusammen mit dem, was wir als Devise gewählt haben, als wir die Anthroposophische Gesellschaft gegründet haben: «Die Weisheit ist nur in der Wahrheit»! Es wird vieles zusammenfallen, denn es sind schon ganz andere Empfindungen eingezogen in die Seelen derer, die den Ernst der Situation in der Gegenwart verspüren.

Wie oft, meine lieben Freunde, ist durch das, was auf unserem Boden gesprochen worden ist, das Wort gezogen, das so gelautet hat: Nicht nur das, was auf dem äußeren physischen Plan geschieht, ist Wirklichkeit, sondern die Gedanken der Menschen sind größere Wirklichkeit, eine Kraft, eine Macht des Wirkens. Aber gestehen wir es uns doch, denn es ist die Wahrheit: Solche Dinge sind nur auf dem Boden gesprochen worden, der eine spirituelle Strömung trug. Jetzt, auf der recht komplizierten Reise, die ich zu machen hatte, fiel mir eine Zeitschrift in die Hände, die das Datum des 1. September 1914 trägt. Ein sehr schöner Aufsatz ist darin von einem Soldaten, Robert Michel, der im Felde Gedanken niedergeschrieben hat. Der Aufsatz gibt schön wieder, wie die Mobilisierung verlautbart war, wie er mit seinen Kameraden gleichsam in das Unbekannte gezogen ist. Für uns sind von Bedeutung die letzten Worte: «Aber jeder einzelne Zurückgebliebene in der Monarchie hat die Pflicht, nach besten Kräften unterstützend zu wirken, bis die siegreiche Entscheidung gefallen ist. Alle die guten Worte, herzhaften Zurufe und Segenswünsche, die beim Auszug uns zuteil geworden sind, vermehrten die Zuversicht. Sie waren Splitter, die nicht verloren gegangen sind. Dieser Zuschuß an seelischer Kraft muß auch weiterhin der Armee zuteil werden, und der Wille zum Sieg

muß von jedem einzelnen herüberzittern zu den Kämpfern in der Front. Drum raste niemand vor der Entscheidung, die sich im Norden vorbereitet. Wer der ungeheuren Kräfteleistung von Heer und Reich untätig zuschauen muß, der trachte auf dem Wege, den seelische Kräfte gehen, sein Scherflein beizutragen. Wen Gott erhört, der bete - wer nicht beten kann, der sammle alle seine Gedanken und Willenskräfte zu dem inbrünstigen Wunsch nach dem Siege - und wer nichts anderes vermag, der drücke die Daumen in die Handflächen und spreche: So wird auch der Schwächste beigetragen haben zum Sieg.»

Der Soldat, der fortzieht ins Feld, schreibt aus dem Felde Worte zurück, die wie ein Widerklang sind dessen, was oftmals auf dem Boden spirituellen Lebens gesprochen worden ist: Wer nicht beten kann, sammle Gedanken und Willenskräfte zum inbrünstigen Wunsch nach dem Siege. - Der Glaube an den Geist, wir sehen ihn jetzt am Anfang des ungeheuren Ereignisses stehen.

Wir brauchen uns keinen Illusionen hinzugeben. Manches kann in den nächsten Zeiten ganz anders aussehen, aber es werden auch Zeiten kommen, die das wahr machen werden, was mit einigen Worten angedeutet werden soll. Der Weltenfortgang muß geschehen, dasjenige, was geschehen soll, geschieht; es geschieht manchmal auf eine sehr merkwürdige Weise, indem etappenweise geleitet werden die Willen der Menschen, so daß man sieht, wie von Stufe zu Stufe, wahrhaftig nicht in anderer Weise, als ein Erzieher es tun würde, in die Seelen hineingegossen werden die Richtungen, in die sie später kommen werden. Man braucht wahrhaftig nur auf eine kurze Spanne Zeit zu blicken und man sieht die über die Menschheitskraft hinausreichenden Geistesmächte, die pädagogisch wirken für den großen Menschheitsfortschritt.

Er ist nun an der Zeit, einen Gedanken zu hegen, der naheliegen kann, der aber nicht immer erwogen wird. 1866: deutsche Brüder standen gegen deutsche Brüder, Deutsche gegen Deutsche. Noch nicht ein Jahrzehnt ist verflossen - 1870/71: ein Teil der Deutschen mußte einem großen Ereignisse folgen, an dem der andere Teil nicht mitwirken konnte. Einer meiner Lehrer an der Wiener Hochschule hat oft und oft das Wort, das mir damals tief ins Herz ging, gesprochen:

Wir Deutsche in Österreich müssen uns bewußt sein, daß dasjenige, was geschehen ist, unser Schicksal ist, nicht unsere Schuld, daß wir an einem hervorragenden Ereignis nicht teilnehmen durften. - Jetzt ist die Zeit, wo zusammengeschmiedet sind, wie durch eine eiserne Macht zusammengeschmiedet dastehen die beiden Teile, die erst gegnerisch, dann einer ohne den anderen dastanden.

Es ist nicht Zufall, es ist bedeutsam, wichtig - es hat keines Jahrhunderts bedurft, diese große Lehre in alle folgenden Zeiten hineinzuschicken: Die Menschheitsfortschritte, das, was die geistigen Hierarchien wollen für die Menschheit, das muß geschehen; aber es kann auf mannigfaltigste Art geschehen. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt muß etwas ganz Bestimmtes erreicht sein. Nehmen wir an - nicht, weil dieses gerade stimmt, was ich da sagen will —, bis 1950 müßte ausgegossen sein über die Menschheit eine bestimmte Summe von Opferwilligkeit, von Liebefähigkeit und Selbstlosigkeit, von Bekämpfung des Egoismus. Nehmen wir an, es muß bis 1950 erreicht sein, was geschehen muß, was also die Zeichen der Zeit fordern. Es geschieht auf der einen Seite dadurch, daß zu den Herzen der Menschen gesprochen wird, daß man vertraut der Kraft des Wortes, daß dasjenige, was die Menschengeschicke in Händen hat, auf geistige Weise herankommen will an die Menschenindividualitäten, und sie so weit zu bringen sucht, daß der Geist auf sie wirken kann. Aber der andere Lehrmeister muß oft hinzutreten, der zweite Lehrmeister, der durch lebendige Beweise spricht. Und wie haben wir gesehen seine Erfolge! Welche Unsumme von Opfern, von Menschenliebe und Selbstlosigkeit sind erzeugt worden in erstaunlich kurzer Zeit in unserem Zeitalter des Materialismus, als der große Lehrmeister auftrat, der Krieg, der nach der einen Seite hin so Furchtbares hat, auf der anderen Seite das hat, was zu dem hinführt, was man im Okkultismus die eisernen Notwendigkeiten nennt, die eintreten müssen, um etwas Bestimmtes in einem bestimmten Zeitalter der Menschheitsentwickelung zu erreichen. Ströme von Blut werden vergossen, teure Leben welken dahin, andere werden im Augenblick entrissen dem physischen Leben, wenn die feindliche Kugel sie trifft. Das alles vollzieht sich in so ungeheurem Maße in unserer Zeit. Was ist das alles? Ein großes Opfer ist es, meine lieben Freunde, ein

ungeheures Opfer, das gebracht wird am Altar der gesamten Menschheitsentwickelung. Auf der einen Seite steht das, was eindringen soll in die Menschheitsentwickelung, was der Menschheit übergeben werden muß, damit die Menschheit vorwärtskommt, und auf der anderen Seite steht die Notwendigkeit des Opfers.

Unendlich bedeutungsvoll war es für mich, mit anzusehen, wie innig verbunden über den Tod hinaus die Seelen derjenigen sind, die jetzt an den großen Ereignissen unmittelbar teilnehmen. Da konnte man es oftmals sehen, wie diejenigen, die von der feindlichen Kugel dahingestreckt waren, hinaufgenommen waren in die geistigen Welten, noch nicht erwacht mit ihren großen Individualitäten, verbunden waren auch noch mit demjenigen, was da unten vorging. Ich weiß nicht, ob Sie es mir nachfühlen können, was es bedeutet, mit anzusehen, wie hinter dem Krieger auf dem Schlachtfeld, der noch kämpft, die psychische Persönlichkeit desjenigen schützend waltet, der schon den Tod gefunden hat, und der mit dem ist, der noch gebunden auf dem physischen Plan ist. Es gehört dies zu meinen okkulten Erlebnissen, die ich mit nichts anderem recht vergleichen könnte. Unerwachte Krieger, die unten gekämpft haben, die durch den Tod gegangen sind, sie bleiben mit dem Ereignis verbunden und sind gleichsam wie eine zweite Persönlichkeit hinter demjenigen, der unten auf dem physischen Plan noch kämpft. Auch in den geistigen Welten gibt es Dinge, die Zuversicht in unsere Herzen gießen können, wenn diese Zuversicht auch nicht leicht wird.

Wer bedenkt, welcher Prozentsatz der Menschheit heute miteinander kämpft, wer bedenkt, wie wir am Anfang stehen - wenige Wochen währt dieses Ereignis erst -, welche ungeheuren Verluste an Menschenleben diese wenigen Wochen gekostet haben, der könnte wankend werden, könnte meinen: Was soll denn werden, wenn das lange andauern muß? - Und wenn mich das oftmals bestürzte - es kann einen bestürzen -, dann richtete der Gedanke mich auf: Das Rechte wird geschehen, dasjenige, was vorgezeichnet ist von den geistigen Welten, das wird geschehen. Und wenn man die Gewißheit hat, daß nicht nur die Lebenden kämpfen, sondern auch die Toten verbunden bleiben mit ihren Geschicken, dann werden noch immer Kräfte da sein.

Anderes kam mir in diesen Zeiten. Unsere Gesellschaft vereint in einer gemeinsamen geistigen Strömung die Angehörigen der verschiedensten Rassen, Völker, die heute feindlich gegeneinander sind. Da braucht es auch manchen Trost! "Wir blicken zurück auf eine Zeit, die der unsrigen recht unähnlich ist, nicht viel mit ihr gleich hat, auf die Zeit, welche die Bhagavad Gita uns schildert, auf eine Zeit, wo noch die alten, oft geschilderten Menschheitsverhältnisse waren, wo die Menschen noch in kleinen blutsverwandten Kreisen lebten. Der Übergang von dieser Zeit der Blutsverwandtschaft in die Zeit, wo die Blutsverwandten im Kampfe stehen, wird von der Bhagavad Gita geschildert, wo der große Geist hinweist den Arjuna: Drüben stehen wahrhaft die Brüder und hier stehst du, ihr werdet miteinander kämpfen, in deren Adern dasselbe Blut fließt; aber es gibt eine Möglichkeit, im Geist den Ausgleich zu führen. - Aus dem, was sich nicht bekämpfen sollte, entwickelt sich das heraus, was sich bekämpft: auch eine der eisernen Notwendigkeiten, die für die Menschheitsentwickelung notwendig sind! Der Geist überbrückt, daß der Bruder dem Bruder als Feind gegenübersteht, daß das andere sich entwickelt, was in Disharmonien einander gegenübersteht. Unähnlich der unseren ist diese Zeit. Wir machen den umgekehrten Weg durch innerhalb unserer geistigen Strömung. Wir suchen das, was zerstreut war in der Welt, wiederum zu sammeln, und die Angehörigen der verschiedensten Nationen umfassen sich wieder brüderlich, werden Brüder innerhalb unserer Reihen. Jetzt sehen wir, wie der eine herüberkommt aus Frankreich und drüben den anderen gelassen hat, wie er in das deutsche Heer eintritt und erwarten muß, dem anderen, den er als anthroposophischen Freund zurückgelassen hat, kämpfend gegenüberzustehen. Es ist die entgegengesetzte Situation: Die zerstreuten Menschheitsglieder suchen sich im Geist wieder zusammen, und wir finden uns zurecht, wenn wir den Geist der Wahrheit wirklich ernsthaft verstehen und ihn ernsthaft ergreifen. Nur müssen wir die Wege suchen.

Ich möchte sagen, wir Deutsche haben es schwer, uns zurechtzufinden, vielleicht am allerschwersten! Es kann Ihnen sonderbar erklingen, daß ich das sage, aber wir haben es wirklich schwer, wir haben es aus dem Grunde schwer - ohne daß wir damit renommieren wollen -,

weil es uns immer schwer fällt, uns selbst recht zu geben, weil es uns leichter ist, dem anderen gerecht zu werden als uns selbst. Es wird uns aus dem Grunde schwer, weil es wirklich der gegenwärtigen Menschheit noch nicht sehr leicht werden wird, besonders nicht in der Gegenwart, alles dasjenige, ich möchte sagen, mit dem richtigen objektiven, unbefangenen, gelassenen Blick zu überschauen, was oft in unserer Geisteswissenschaft angedeutet worden ist, was auch in den Vorträgen über die Volksseelen sich findet. Es wird notwendig sein, daß alle, die im echten, wahren Sinn unserer Zeit das geistige Leben ergreifen, verstehen lernen, wie diese Volksseelen, die echten, wahren Volksseelen, eine Art von Chor bilden, indem sie schon harmonisch zusammen leben. Aber man muß sich zu ihrem Wesen finden, und das kann man nur im Geist.

Es ist wirklich in der Gegenwart nicht die rechte Zeit, auf das aufmerksam zu machen, was da an Gefühlen, Empfindungen in den Hintergründen der Seele spricht, aber auf etwas anderes möchte ich Sie aufmerksam machen, darauf, daß wir einen Weg haben können, um in geheimer Zwiesprache, intimer, innerer Zwiesprache mit dem Geist des Volkes, dem wir angehören, den Weg zu finden, den unsere Seelen in der rechten Weise gehen sollen. Raten nur kann ich, wenn Sie einige Minuten finden, gerade in der jetzigen Zeit, die folgende Formel zu gebrauchen, um sich zurechtzufinden in der gegenwärtigen Weltensituation:

Du, meines Erdenraumes Geist! Enthülle Deines Alters Licht

Warum Alter? «Alter» sagt man bei geistigen Wesenheiten, wo man bei irdischen «Deines Wesens Licht» sagen würde. Alter ist für den Geist, was Wesen für das Irdische ist.

Du, meines Erdenraumes Geist! Enthülle Deines Alters Licht Der Christ-begabten Seele, Daß strebend sie finden kann Im Chor der Friedenssphären

Dich, tönend von Lob und Macht Des Christ-ergebenen Menschensinns!

Da finden wir den Weg zum Volksgeist, dem wir zugehören, und den Weg von diesem Volksgeist zur Zwiesprache des Volksgeistes mit dem Christus, der der Lehrer aller Volksgeister ist. Und wenn sie sich in diesem Christus zusammenfinden, werden sich die Volksgeister in der richtigen Art zusammenfinden, da all diese Volksgeister, die die Völker richtig führen - man kann das entnehmen aus dem Buch «Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit» —, den Christus als den Lehrmeister betrachten.

Oftmals mußte ich hoffen, daß es gar nicht wahr sei, was mitgeteilt worden ist, daß in einer Volksvertretung des Ostens, in der Duma, am Ende einer Rede, in welcher der Herrscher sein Volk aufgefordert hat, teilzunehmen an dem Kriege, als letztes Wort gesprochen worden ist: Der Gott Rußlands ist groß! - Schrecklich wäre es, wenn das Wort so gesprochen worden wäre: eine unbewußte Anrufung des Geistes, dessen Charakter man sich vorstellen kann, wenn der Anruf geschieht in bezug auf ein begrenztes Gebiet, wenn er nicht geschieht zum Geist, der mit dem Schicksal der Menschheit so verknüpft ist, daß auch die, welche sich als Feinde gegenüberstehen, sich in seinen Dienst stellen, indem sie mit ihrem Heil zugleich das Heil der Menschheit suchen. Der Christus, wenn er ein Volk führt, führt dieses Volk so, daß es mit seinem Heil das Heil der Menschheit sucht. Mit Recht rufen wir den Volksgeist an, dem wir innig verbunden sind, so daß wir hinaufblicken, wie er seinerseits mit dem Christus spricht; durch den Volksgeist sprechen wir mit dem Christus. Dadurch werden viele Gedanken vorbereitet werden, die bleiben sollen in der geistigen Atmosphäre der Menschheit bis in die Zeiten, wo einem bedeutungsvollen Krieg ein bedeutungsvoller Friede folgt.

Ein Opfer, sagte ich, ist es, das dargebracht wird auf dem Altar der Menschheit, und heiliges Blut ist es, das fließt auf unsere Erde nieder, ein Blut, das Zeuge wird davon, daß die, die jetzt, in diesem Kampf der Völker, mit ihren Seelen hinaufsteigen aus der physischen Welt in die geistigen Welten, wiederum zurückkommen werden in künf-

tigen Inkarnationen, um wichtige Glieder zu sein für den Geistesfortschritt der Menschheit - ein Opfer, ein großes Opfer! Dasjenige, was jetzt geschieht, es muß so geschehen; und wer zurückblicken will in vergangene Zeiten, um gleichsam nach den allerersten Ursachen zu suchen, er muß zurückblicken bis in die Zeit der punischen Kriege im 3. vorchristlichen Jahrhundert, damals, als der römische Feldherr -man kann das in der Geschichte nachlesen - die Enterbrücken benützt hat, um einen ersten bedeutsamen Erfolg zu haben. Heute stellt sich einem daneben, was als erstes Ereignis sich abgespielt hat in diesem Kriege. Eine künftige Geschichtsschreibung wird das erweisen; es ist schwierig, auf diese Dinge einzugehen.

Anderes führt uns zurück in die Zeiten, wo die Römer gerungen haben mit den Germanen, wo sich Menschengeschicke für viele Jahrtausende entschieden haben. Und dann kommt eben das dritte große Ereignis, das ist unseres, das wirklich eine Bedeutung haben wird wie damals die punischen Kriege, die natürlich in ihrer Ausdehnung klein sind gegenüber dem heutigen Weltereignis, die aber in bezug auf das Qualitative in ihrer Bedeutung noch hereinragen in unsere Zeit. Wie die großen, die Menschen bestimmenden Ereignisse, die sich an die Völkerwanderung anknüpften, sich wiederholen in einer gewissen Weise - ein ganzer Menschheitszyklus ist umspannt mit dieser Zeitangabe -, und wie dazumal in Rom sich das entschied, was dazumal geschehen mußte, daß die Form des Menschen-Ich, wie sie war im 3. Jahrhundert vor dem Ereignis von Golgatha, überging in die spätere, damit diese Form des Ich durch die Römer den Weg finde, den sie finden mußte für all das, was seither geschehen ist, so muß heute die Form des Ich, die eben im nächsten Menschheitszyklus die maßgebende ist, in einer ähnlichen Weise hineingestellt sein in einen Kampf der Völker. In die tiefsten Impulse der Menschheit geht das.

Dann aber, wenn wir verbunden sind mit dem, was wir seit Jahren im Geist miteinander verfolgen, können wir in uns tragen den Glauben an den Sieg und die Sieghaftigkeit des Geistes. Dann werden wir allem, was kommt, entgegenschauen mit diesem Glauben, und wissen, daß dasjenige, was geschieht, unter der Führung der hohen Hierarchien steht und seinen Weg gehen wird. Nur liegt es an uns, in der richtigen

Weise diesen Weg mitzugehen. Das aber tun wir, wenn wir in der richtigen Weise den Weg finden zur Beobachtung unseres Karma, wenn wir uns nicht entziehen den Aufgaben, die uns die große Zeit stellt. Und wenn wir mancherlei verdanken können dem, was uns die geistige Wissenschaft gibt, eines soll am ersten Platz stehen: daß die Geisteswissenschaft unseren Geist und Blick schärft, darauf zu schauen, daß wir gerade mit unserer Persönlichkeit am besten an unserem Platz stehen und das Richtige tun. Je mehr wir es sachlich, unpersönlich tun, ohne irgend etwas anderes im Auge zu haben, desto mehr hat Geisteswissenschaft unseren Blick geschärft, unsere Herzen empfänglich gemacht, desto mehr werden wir verstehen die Sprache, die jetzt in diesen ernsten Zeiten zu uns gesprochen wird.

Eine der Formeln, die aus dem Geist gegeben sind in dieser Zeit, die auch schon hier vor unseren Freunden gegeben werden kann, ist diese, die uns den Sinn vergegenwärtigt, den der Anblick des Schmerzes hat, den wir jetzt so reichlich, reichlich sehen können. Ungeheuer ist der Schmerz in den Seelen, der in unseren Zeiten erzeugt wird, ungeheuer groß die Opfer, die gefordert werden, ungeheuer muß die Opferwilligkeit und Empfänglichkeit für einen fremden Schmerz auch sein. Der Christus ist erstanden erst für viele, wenn wir ihn so verstehen, daß wir wissen: für den anderen kann es keinen Schmerz geben, der nicht auch unser Schmerz ist; denn überall, wo er eingetreten ist, ist es eigener Schmerz. Solange es für uns die Möglichkeit gibt, einen Schmerz bei einem anderen zu sehen, den wir nicht mitfühlen als unseren eigenen Schmerz, so lange ist der Christus noch nicht völlig in die Welt eingezogen. Der Schmerz im anderen soll nicht uns meiden! Schwer und groß und weit ist dieses Ideal, schwer und groß und weit ist aber auch das Christus-Ideal. Dann ist es erfüllt, wenn die Wunde, die wir an uns haben, nicht stärker brennt als die, die der andere an sich trägt. Darum ist es gut, uns geeignet zu machen, helfend einzugreifen durch die folgenden Worte, die wir an eine Gemeinschaft oder an den anderen, der Schmerz leidet, richten:

So lang du den Schmerz erfühlest, Der mich meidet,

Ist Christus unerkannt

Im Weltenwesen wirkend.

Denn schwach nur bleibet der Geist,

Wenn er allein im eignen Leibe

Des Leidesfühlens mächtig ist.

Man versuche einmal, diese Worte ganz durchzufühlen. Wird man durch die erste Formel insbesondere den Zusammenhang mit dem Volksgeist gewinnen können, durch diese Zeilen wird man sich durchdringen mit der Gesinnung, die den Schmerz der Menschheit, den Schmerz einer Menschengemeinschaft in dem eigenen Sein nacherleben und alles, was wir tun dürfen, im wahren christlichen Sinn tun läßt. Mögen wir es in dieser Zeit tun, insbesondere durchdrungen mit der Gesinnung des Geistes!

Die Wunde, welche die Kugel schlägt, meine lieben anthroposophi-schen Freunde, sie würde nicht heilen, wären nicht in dem wunderbaren Mikrokosmos, der der menschliche Organismus ist, die heilenden Kräfte. Es ist gut, daß in unseren Zweigen praktiziert wird, wie ja auch hier durch unseren lieben Freund Dr. Peipers das jetzt geschieht, eine Anleitung zum Verbinden von Wunden. Es ist gut, denn wir können leicht in den Fall kommen, das anwenden zu müssen. Aber wissen müssen wir auch, wenn wir an solche Aufgabe herantreten, daß der Geist Wirklichkeit ist, und daß dasjenige, was wir während des Verbindens helfen, sei es bei dieser oder jener Verletzung, diesem oder jenem Erleiden, mehr tut, wenn wir mit dem Geist in der richtigen Weise dabei sind, als wenn wir es nicht sind. Auf daß wir, wenn wir an das herantreten, was eine Wunde am menschlichen Organismus ist, die richtigen Gedanken damit verbinden, denken wir:

Quelle Blut, Im Quellen wirke, Regsamer Muskel Rege die Keime, Liebende Pflege Wärmenden Herzens, Sei heilender Hauch.

Denn in diesem Blute, das aus der Wunde quillt, liegt das Zeichen, daß hinter ihm Kräfte liegen, welche die heilenden Kräfte der Wunde sind.

Quelle Blut,

Im Quellen wirke,

Regsamer Muskel

Rege die Keime,

die Keime, die absterben, wenn die Kugel durchgeschlagen hat. Richtige Empfindungen senden Sie für denjenigen, der einen Verband anlegt, um dem Nebenmenschen zu helfen:

Quelle Blut, Im Quellen wirke, Regsamer Muskel Rege die Keime, Liebende Pflege Wärmenden Herzens, Sei heilender Hauch.

Lassen wir diese Gesinnung durch unsere Seele ziehen, lassen wir von ihr unser ganzes Wesen erfüllt sein, wenn wir den Nebenmenschen helfen, dann, meine lieben Freunde, wird der Geist mithelfen bei demjenigen, was wir als physischer Mensch als physische Hilfe bringen können. Und denken wir oft als einzelner an den einzelnen, der draußen steht an einem exponierten Platz, denken wir, wenn wir unsere Versammlungen beginnen, an die, die außerhalb unseres Kreises stehen, draußen im Felde wirken. Die Formel, die dafür ist, und die ich am Anfange selbst gerichtet habe an die im Felde Stehenden - der einzelne kann sie an den einzelnen richten:

Geist Deiner Seele, wirkender Wächter, Deine Schwingen mögen bringen Meiner Seele bittende Liebe Deiner Hut vertrautem Erdenmenschen,

Daß, mit Deiner Macht geeint, Meine Bitte helfend strahle Der Seele, die sie liebend sucht!

Wenn einer die Gedanken richten will an mehrere oder viele, die draußen stehen, dann sagt er:

Geister Eurer Seelen, wirkende Wächter,

Eure Schwingen mögen bringen

Meiner Seele bittende Liebe

Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,

Daß, mit Eurer Macht geeint,

Meine Bitte helfend strahle

Den Seelen, die sie liebend sucht!

Ein Lehrmeister der Liebe, der Selbstlosigkeit, das werden die großen Ereignisse sein, die sich jetzt abspielen. Und ein Lehrmeister für die geistigen Welten, hoffen wir, daß sie es werden! Dann werden die großen Opfer, die ungeheuren Opfer, die die Menschen bringen durch ihr Blut, dargebracht sein an dem Altar der geistigen Wesenheiten, und dasjenige, was so schmerzvoll sein kann dem unmittelbaren Anblick, es wird dazu dienen, daß die großen Ziele der Menschheit erreicht werden. Je mehr wir uns mit diesen Gesinnungen durchdringen, desto mehr werden Gedanken da sein, wenn nach dem Kriege ein großer Friede geschlossen ist.

Das 20. Jahrhundert ist dazu berufen, vieles umzugestalten in den Geschicken, in der Anordnungsweise der Menschheitsangelegenheiten. Und dasjenige, was schon erreicht wird nach diesem ersten großen Ereignisse, es wird der Menschheit ersparen, daß dieses Ereignis etwa wiederholt werden müßte in der Fortsetzung. Sieg und Sieghaftigkeit des geistigen Lebens ist ein Wort, das sich oftmals in unsere Herzen hineinfand in diesen Zeiten. Versuchet zu verstehen, wie wir Zeuge geworden sind des Ereignisses, das nicht für kurze Zeit entscheidend sein soll für die Entwickelung des ganzen Menschengeistes, sondern für lange, lange Zeiten! Und versuchen wir, daß aus diesem Ernst her-

aus wir die Liebe, die Selbstlosigkeit aufbringen, die uns die Wege führen, um nach unseren Kräften, nach unserem Vermögen, uns hinzustellen an den richtigen Ort. Unser Karma wird uns das schon weisen. Und der, welcher jetzt nicht helfend eingreifen kann, sei nicht trostlos. Darauf kommt es an, daß wir auch Kräfte aufsparen für dasjenige, was später noch für viele wird zu geschehen haben, daß wir erkennen im rechten Augenblick, daß unser Karma uns ruft. Dann möchte das eintreten, was man gerade als Bekenner der Geisteswissenschaft in diesem Zeitpunkt sich sagen möchte, daß immer ersichtlicher und ersichtlicher werde durch dasjenige, was in der äußeren Welt geschieht, wie in die Menschengeister, in die Menschenseelen, in die Menschenherzen hinein von allem Weltgeschehen die Wesenheiten, Kräfte, Willensimpulse der geistigen Welt gehen. Der Bund, der sich ergeben möge aus allem, was wir an Gram, auch an Schmerz erleben, der Bund knüpfe sich zwischen der Menschenseele und den göttlichen Geistern, welche die Geschicke der Menschenseele bewirken, regieren und leiten. Und finden werden die Menschenseelen diesen Punkt. Finden möge die Menschenseele das, was gemeint ist, wenn gesagt wird in unserer Formel: Die christbegabte Menschenseele möge strebend finden:

Im Chor der Friedenssphären Dich, tönend von Lob und Macht Des Christ - ergebenen Menschensinns!

Nun, meine lieben Freunde, vielleicht können wir nicht überall kämpfend dabei sein, vielleicht können wir nicht überall dasjenige tun, woran wir gerne nach unseren Idealen teilnehmen möchten, aber in dem Sinn an dem großen Ereignis teilzunehmen, wie das gemeint war in den eben gesprochenen Worten, das wird uns allen möglich sein. An vielen Orten, an den mannigfaltigsten Orten mögen wir an unserem Platze sein, der eine da, der andere dort; wo wir aber immer am Platze sind, weil jeder Mensch da am Platze ist, welchem Menschheitszusammenhang er auch angehört, das ist der Platz, wo die Liebe wirken soll, die Kraft, die uns aus der Liebe kommt, das ist der Platz, wo der Schmerz, das Leid, das Elend den Menschen auffordert zu tun, zu den-

ken, mitzuwirken, der Platz, wo wir so recht fühlen, wie wir verbunden sein sollen im Tiefsten unseres Herzens mit dem anderen Menschen, zu dem wir hinblicken sollen, weil er seine und unsere gemeinsamen heiligsten Güter mit seinem Mut, Lebensblut, opfernd schützt. Daher seien nochmals, wie am Beginn, so am Schluß, unsere Gedanken gerichtet an diejenigen, die also, wie eben ausgesprochen, hineingestellt sind in die Ereignisse unserer Zeit:

Geister Eurer Seelen, wirkende Wächter,

Eure Schwingen mögen bringen

Unserer Seelen bittende Liebe

Eurer Hut vertrauten Erdenmenschen,

Daß, mit Eurer Macht geeint,

Unsere Bitte helfend strahle

Den Seelen, die sie liebend sucht!

Möge der Geist, den wir suchen, suchen durch unsere Wissenschaft, suchen mit unseren Herzen, dem unsere geistige Bewegung dienen will, unser Führer sein. Möge er aber auch sein der ganzen Menschheit Führer, denn diejenigen unter den Menschen, die er führt, die werden nicht allein ihrem Ziel folgen, sondern das der ganzen Menschheit ins Auge fassen und ihm folgen.

Das Volk wird den rechten Weg finden, das dem Christus zu vertrauen weiß. So, meine lieben Freunde, denken zu dürfen, haben wir uns bestrebt die Jahre hindurch, die wir hinstreben zu diesem Christus. Möge die Zeit, die jetzt angebrochen ist, für uns eine Zeit der Prüfung sein, die wir bestehen, und mögen wir die Lehre vom Geiste so mit unserer Seele verketten, daß sie uns in den Zeiten der Prüfung Helfer sei, daß sie uns geworden ist die Kraft, die sich nicht auf uns beschränkt, sondern der allgemeinen Menschheit zugegangen ist! Der Geist, der uns zu Christus hinaufführt, möge uns diesen lebendigen, kosmisch-irdischen Christus durchdringen helfen, so daß wir unsere Gedanken immer in der richtigen Weise hinübersenden können zu denen, die draußen stehen, wo Völker- und Menschheitsgeschicke entschieden werden, damit ihnen der richtige Geist helfe, der die Ent-

wickelung der Menschheit so weisheitsvoll leitet, daß diese Entwicke-lung der Menschheit zuletzt Heil und Segen in die Erdenmenschheit hineinbringt! Mögen wir dasjenige, was wir tun können, dazu tun, daß diejenigen, deren heiligstes Opferblut jetzt die Erde tränkt, wenn sie einmal berufen sind, als wichtige Glieder einzugreifen in den weiteren Gang der Erdenentwickelung, so herunterkommen, daß ihnen aus dem, was auf der Erde selbst geschehen ist, im geistigen Fortschritt der physischen Erdenentwickelung etwas entgegenkommt, aus dem sie entnehmen: Wahrhaft, es war es wert, das Blut zu vergießen für diese Erde, die solches hervorbringt!

Alle, die nicht unmittelbar hinausziehen können, um ihr Blut zu vergießen, sie sollten eingedenk sein, daß sie so arbeiten sollten, daß Geist die Erdenentwickelung durchdringe, daß sie alles tun, damit solcher Geist die Erdenentwickelung durchdringen könne, daß die, die ihr heiligstes Opferblut vergossen haben, etwas finden, das wert war, daß sie ihr Blut vergossen haben. Dann, wenn wir so mitarbeiten an dieser Erdenentwickelung, dann werden wir auch als diejenigen, die nicht unmittelbar an die Front hinausziehen, uns so verhalten, daß wir freien Auges aufblicken können in die Verhältnisse und uns nicht zu schämen brauchen. Würden wir das nicht tun, wahrhaft unsere Augenlider würden uns vielleicht unseren freien Blick doch nicht recht gestatten, wenn wir uns auf der einen Seite fühlen als unserer Zeit angehörig, und nicht die Kraft in uns finden, würdig dieser Zeit anzugehören. Geisteswissenschaft wird ein gewisses Siegel enthalten, wenn sie mitwirken könnte, den Menschen diese Kraft gerade zu geben, Kraft auf der einen Seite, die aufrecht erhält den, der sein Blut vergossen hat, Kraft muß sie aber auch demjenigen geben, der in anderer Weise wirkend mithelfen muß - jeder an seinem Platze.

Und so wird Geisteswissenschaft sagen können: Ich war ein Mittel, um in einer großen Prüfung der Menschheit die Möglichkeit zu geben, diese Prüfung zu bestehen. Dann wird Geisteswissenschaft ihr göttliches Ziel erreicht haben.

Mit diesem einfachen Worte möchte ich den heutigen Abend abschließen, meine lieben Freunde, an dem es mir so lieb war, daß ich ihn mit Ihnen zusammen habe erleben können.

ZWEITER VORTRAG

München, 3. Dezember 1914

Ein Vortrag, wie er vorgestern gehalten worden ist, könnte leicht die Empfindung hervorrufen, als ob in einseitiger Weise für eine Volksseele nur gesprochen werden sollte aus der bloßen Sympathie heraus. Wenn aus der bloßen Sympathie, aus der bloßen Leidenschaft heraus heute der Geistes forscher über diese Dinge sprechen würde, dann könnte man sicher sein, daß, was er zu sagen hat, nicht einen besonderen Wert hat vor der Geistesforschung, oder daß dieses, was er zu sagen hat, weil es durchströmt ist von Leidenschaftlichkeit, im Grunde genommen innerlich doch unwahr sein müßte. Nun, inwiefern das, was vorgestern gesprochen worden ist, trotz alledem als zusammenhängend mit den tiefsten Erkenntnissen der Geisteswissenschaft der Gegenwart gesprochen werden darf, das soll Ihnen hervorgehen aus der Art und Weise, wie der Geistesforscher sich zu der einen oder zu der anderen Volksseele stellen muß.

Wir wissen ja schon aus der ganz elementaren Darstellung in der Anthroposophie, daß wir unter Volksseelen nicht das verstehen, was, durch einen abstrakten Begriff ausgedrückt, die äußere, exoterische Welt darunter versteht. Ganz bestimmte Wesenheiten, man möchte sagen mit Erzengelrang - man braucht das ja nur nachzulesen in dem Vortragszyklus über «Die Mission einzelner Volksseelen» -, Wesenheiten mit einem Bewußtsein, das höher ist als das menschliche Bewußtsein, leiten die Angelegenheiten der Völker. Und wir blicken hinauf zu diesen Volksseelen, sprechen also von ihnen als wirklichen, realen Wesenheiten, ja realeren Wesenheiten, als wir Menschen selber sind. Wie tritt der Mensch in bezug auf seine geistig-seelische Wesenheit in ein Verhältnis zu diesen Volksseelen? Diese Frage wollen wir zuerst einmal aufwerfen.

Wir kennen das Wechselleben des Menschen in bezug auf sein Bewußtsein zwischen Wachen und Schlafen; wir wissen, daß der Mensch zu wachen hat innerhalb seines physischen und Ätherleibes und daß er dann zwischen dem Einschlafen und Aufwachen in seinem astrali-

sehen Leibe und in seinem Ich weset. Wenn nun der Mensch zwischen seinem Einschlafen und Aufwachen mit seinem astralischen Leibe und Ich außerhalb seines physischen Leibes ist, dann ist er in einer Region, die in bezug auf sein Verhältnis zu der Volksseele, der er zunächst angehört in einer bestimmten Inkarnation, eine ganz andere ist als die Region, in der der Mensch ist in bezug auf die Volksseele, wenn er in seinem physischen Leibe ist. Der Mensch wird durch seine Sprache und durch manches andere ja hineingeboren in das Gebiet seiner Volksseele. Wie wirkt diese Volksseele auf die menschliche Seele, auf das, was im Schlafe herausgenommen wird aus dem physischen und Ätherleibe, was aber im Wachen im Leibe vorhanden ist? Wie wirkt die Volksseele des Volkes, dem ein Mensch angehört, auf die individuelle Seele des Menschen?

Sie wirkt eigentlich nur in der Zeit, in welcher der Mensch in den physischen Leib untertaucht vom Aufwachen bis zum Einschlafen. Der Mensch ist da untergetaucht in die Kräfte des physischen und Ätherleibes, und in diese Kräfte ist auch untergetaucht mit gewissen, ich möchte sagen, Fangarmen das, was die Volksseele ist, die Seele desjenigen Volkes, dem der Mensch eben in einer Inkarnation besonders angehört. Und wir tauchen nicht nur in unseren physischen Leib unter, wir tauchen auch in einen gewissen Teil unserer Volksseele unter, leben vom Aufwachen bis zum Einschlafen, während wir in unserem physischen Leibe sind, mit dem, was im physischen Leibe vorgeht, innerhalb der Volksseele. Wir erfahren das, was wir in Gemeinschaft mit der Volksseele erfahren, während unseres Wachzustandes, nur daß die Volksseele nicht unmittelbar in das hereinspricht, was uns vollbewußt ist im Ich, daß sie vom Äther leib aus mehr in das Unterbewußte des astralischen Leibes hineinspricht, daß sie uns tingiert, nuanciert, unserem Gefühl und Temperament eine gewisse Richtung gibt. Das ist das Wesentliche, wie wir mit ihr in Beziehung treten. Derjenige, der durch seine entsprechende Initiation fähig ist zu beobachten, was da alles mitspielt, wenn der Mensch in den physischen Leib untertaucht, der sieht, schaut die Begegnung mit der Volksseele beim Untertauchen in den physischen Leib. Aber er schaut auch noch etwas anderes. Und wenn ich davon spreche, so werden Sie bald erkennen,

daß innerhalb desjenigen, was der Geistesforscher zu sagen hat über die eine oder andere Volksseele, Objektivität herrschen muß.

Der Geistesforscher lebt ja in den Momenten, wo er in der richtigen Weise durchstärkt und durchleuchtet das Geistig-Seelische und es fähig macht, bewußt zu leben und unabhängig vom Leibe, er lebt so, daß er beobachten kann, wo der Mensch ist, auch dann, wenn er mit seinem Geistig-Seelischen, mit seinem astralischen Leibe und Ich außerhalb des physischen Leibes ist. Der Geistesforscher beobachtet da, wie jede menschliche Seele unbewußt zwischen dem Einschlafen und Aufwachen in den ganzen Umkreis der für eine Zeit in Betracht kommenden Volksseelen untertaucht. Während der Mensch also, wenn er in den physischen Leib untertaucht, mit der Volksseele seiner Nation zusammen ist, ist er im Schlafzustand mit all den anderen Volksseelen der betreffenden Zeit zusammen, mit Ausnahme derjenigen, mit der er während des Wachzustandes im physischen Leibe zusammen ist.

Der Geistesforscher hat hinlänglich Gelegenheit, die Eigentümlichkeiten der anderen Volksseelen kennenzulernen, denn sobald er in seinem leibfreien Zustand seiner selbst bewußt wird, lebt er geistig-seelisch ebenso mit den anderen Volksseelen zusammen, wie er im physischen Leibe mit seiner eigenen Volksseele zusammen lebt. Da wäre es ganz unmöglich, aus den gewöhnlichen Leidenschaften heraus das eine oder das andere in einseitiger Weise über die eine Volksseele zu sagen. Aber wenn der Geistesforscher bewußt mit diesen anderen Volksseelen zusammen lebt, so zeigt ihm dieses Bewußte auch, daß jeder Mensch zwischen dem Einschlafen und Aufwachen unbewußt mit den anderen Volksseelen zusammenhängt, aber etwas anders als mit seiner eigenen Volksseele. Wenn man in den physischen Leib untertaucht, so lernt man die einzelne Volksseele mit ihren wesentlichen Eigenschaften, im wesentlichen ihrer Tätigkeit in der Wirkung auf sich kennen, wenn auch im Unterbewußten. Im Schlafe oder Initiationszustand lernt man die anderen Volksseelen kennen, aber nicht als einzelne, sondern in ihrem Zusammenwirken; nur die eigene Volksseele ist nicht dabei. Die anderen wirken zusammen wie in einem Reigen, und in dem, was ihre Reigentätigkeit ist, in dem lebt man drinnen, wie man bei Tag im physischen Leibe mit der einen Volksseele zusammen lebt. Also man lebt

da nicht mit der Eigentümlichkeit der einen Volksseele zusammen, sondern mit dem Zusammenwirken. Nur eines gibt es, wodurch man im leibfreien Zustand, also im Schlafe, gleichsam verurteilt werden kann, ganz sicher verurteilt werden kann, aus dem normalen Zusammensein mit dem Reigen der Volksseelen herausgerissen zu werden und mit nur einer fremden Volksseele zusammen zu sein. Verstehen Sie mich wohl: Das ist nicht normal, mit einer fremden Volksseele zusammen zu sein; aber man kann es erreichen, wenn man in leidenschaftlicher Weise diese andere Volksseele besonders haßt. Damit verurteilt man sich, herausgerissen zu werden aus dem Reigen der anderen Volksseelen und so zusammen zu sein im Schlafzustand mit dieser einen Volksseele, wie man wahrend des Wachzustandes mit der eigenen Volksseele zusammen ist.

Ja, das sind objektive Wahrheiten, welche die Geistesforschung ergibt. Sie zeigt Ihnen, daß es bitter ernst ist mit dem Satz, der oftmals ausgesprochen wird von seiten der Geisteswissenschaft: Daß das, was uns in der äußeren Wirklichkeit entgegentritt, Maja, große Täuschung ist, und daß hinter dieser Maja, hinter diesem Schleier Wahrheiten liegen, von denen sich derjenige, der sich nur mit dem Schleier der Maja begnügen möchte, nicht nur nichts mit seinem Verstände wissen kann, sondern auch nichts wissen möchte mit seinem Willen. - Es gibt in unserer Zeit eben noch viele, viele Menschen, die noch nicht einsehen können, was da hinter dem Schleier der Maja liegt, und deshalb nicht verstehen können, daß es eine solche übersinnliche, unsichtbare Welt gibt und in dieser ganz andere Verhältnisse der menschlichen Seele zu den anderen Volksseelen, als man sich träumen läßt. Wenn man die Geisteswissenschaft gerade da im Ernst nimmt, wo sie hineinweist in die Sphären, die mit unserem Leben zusammenhängen, dann muß man es ertragen, daß da die Geisteswissenschaft hinweist auf Verhältnisse der geistigen Welt, in die unterzutauchen, auch nur mit dem Bewußtsein, recht unbequem ist, so daß man sich dagegen sträubt auch mit seinem Willen. Man will nicht untertauchen, man möchte, daß die Wahrheit anders sei in bezug auf sehr viele Dinge. Daß nicht nur der Verstand, sondern auch der Wille sich sträubt gegen das, was die Geisteswissenschaft oftmals als bitter Ernstes zu sagen hat, das ist etwas,

was wir uns auch einmal vor die Seele führen dürfen. Und aus Empfindungen heraus, die angeregt werden können durch eine solche Auseinandersetzung wie die eben ausgesprochene, verspüren wir, daß der Grundsatz, den wir haben innerhalb unserer Geistesbewegung, von einem gewissen Wirken, ohne Unterschied der Rasse, Farbe, Nationalität und so weiter, im Grunde genommen so eng zusammenhängt mit dem tieferen Wesen dieser unserer Bewegung, daß es ja eigentlich für den, der den tiefen Ernst der geisteswissenschaftlichen Wahrheiten einsieht, ein Unsinn ist, diesen ersten Grundsatz nicht zu vertreten. Ein wirklicher Unsinn ist es, denn im tiefsten Menschlichen das Wesen irgendeiner Volksseele hassen, heißt eben, sich dazu verurteilen, mit dieser Volksseele im Unterbewußten genau ebenso zusammen zu sein während des Schlafes, wie man während des Wachens in seinem Unterbewußtsein zusammen ist mit der Volksseele, die die eigene ist. Denn das normale Zusammensein mit Volksseelen im Schlafe ist dieses: mit dem ganzen Reigen der anderen für ein Zeitalter in Betracht kommenden zusammen zu sein. Daß der Mensch nicht einseitig werden darf, dafür sorgt die weise Einrichtung der Welt.

Wir haben oftmals betont, daß das, was der Mensch durchzumachen hat in den nächsten Jahren, die er durchlebt zwischen dem Tod und einer neuen Geburt, in gewisser Weise abhängt von den Nachwirkungen des Lebens im Leibe zwischen Geburt und Tod. Nun gehört ja zu diesem Leben im Leibe - wir können es entnehmen aus dem, was eben auseinandergesetzt worden ist - das Zusammensein mit der Volksseele. Dieses Zusammensein mit der Volksseele, sagte ich, tingiert uns, nuanciert uns; wir nehmen das, was die Volksseele als Impuls in unserem seelisch-geistigen Wesen erregt, in die geistige Welt mit, wenn wir durch die Pforte des Todes schreiten, und müssen es nach und nach als solches abstreifen. Wenn wir dieses bedenken, so wird uns ohne weiteres erklärlich sein, daß es von der Art und Weise, wie der Mensch mit seiner Volksseele zusammen lebt, abhängt, wie er unmittelbar nach dem Tode noch in den Nachwirkungen zu dieser Volksseele steht.

Betrachten wir einmal zwei europäische Nationen auf das hin, was eben angeregt worden ist: das russische und das französische Volk. Das

ist ja das eigentliche Leben der Volksseelen, daß diese Volksseelen mit ihrem Bewußtsein in anderer Weise tätig sein müssen als der Mensch mit seinem Bewußtsein. Der Mensch mit seinem Bewußtsein, wie ist er tätig? Nun, er richtet den Blick hinaus auf den Horizont der äußeren Tatsachen und kann auch den Blick auf seine eigene Seele zurücklenken. Wir wissen, daß die Menschen sich ja in gewisser Beziehung voneinander unterscheiden. Zu der einen Gruppe gehört etwa Goethe, der mit dem Blick objektiv auf den Dingen ruht, zu der anderen Schiller, der sich mehr mit dem eigenen Inneren beschäftigt und mehr von da heraus das vollbringt, was er zu schaffen hat. So sind ungefähr auch die Volksseelen, aber eben nur ungefähr, denn ihr Bewußtsein ist ganz anders geartet als das menschliche Bewußtsein. Die Volksseelen stehen verschieden zu den einzelnen Individuen, die dem Volke angehören. Indem sie den Blick nach außen richten, ist das mehr ein Willensblick, ein Blick, der Impulse hineinschickt in die einzelnen Angehörigen des Volkes. Da also wirken sie objektiv nach außen, wenn sie sich nach den einzelnen Individuen hin richten. - Oder sie können mehr in ihrem Inneren leben. Solche Volksseelen, die mehr, man möchte sagen, nicht einem Volksseelen-Realismus, der sich verbreitet über die Individuen, sondern einem Volksseelen-Idealismus huldigen, der mehr in sich lebt, zu solchen gehört insbesondere die französische Volksseele. Diese französische Volksseele hat so, wie sie heute das französische Volk durchdringt, einen gewissen Halt des Bewußtseins dadurch, daß sie zurückblickt in eine frühere Zeit.

Ich habe schon öfters darauf aufmerksam gemacht, wie wir unser gewöhnliches physisches Wachbewußtsein dadurch haben, daß wir in unseren Raumesleib untertauchen. Nach dem Tode haben wir unser Bewußtsein dadurch, daß wir zurückschauen in der Zeit auf unser früheres Leben. Da ahnen wir schon das Charakteristische eines höheren Bewußtseins, das sich nicht im Räume, sondern in der Zeit entfaltet, und da wird es uns auch nicht mehr schwer sein, ein wenig zu verstehen, was die französische Volksseele für ein Bewußtsein hat. Sie entzündet ihr Selbst, indem sie zurückblickt ins alte Griechenland, denn sie ist im wesentlichen eine Art Wiederholung, Wiedererweckung des alten Griechentums. Dieses alte Griechentum lebt wieder auf in

der französischen Volksseele, geradeso wie das Ägypter-Chaldäertum der dritten nachatlantischen Kulturperiode in der italienischen Volksseele auflebt. Daher hat die italienische Volksseele mehr die Möglichkeit, in den einzelnen menschlichen Individuen, die dem Volke angehören, die Empfindungsseele anzuregen. Die eigentliche Natur der französischen Volksseele regt die Verstandes- oder die Gemütsseele der einzelnen Individualität an. Das läßt sich ganz im einzelnen nachweisen. Ja sogar die einzelnen historischen Tatsachen sind in wunderbarer Weise erklärlich, wenn man diese allgemeinen Ergebnisse der Geistesforschung zu Rate zieht.

Es sei nur auf einiges in dieser Richtung hingewiesen. Bedenken Sie: Was war das Eigenartige der ägyptischen Volksseele? Damals gab es noch eine unmittelbar auf die Seele wirkende Astrologie. Die Volksseele schaute hinaus auf die Bewegungen der Himmelskörper, sah nicht, wie die heutigen Menschen, in dem, was im Kosmos geschah, nur materielle Vorgänge, sondern nahm wirklich hinter dem, was draußen vorgeht, die wirkenden geistigen Wesenheiten wahr. Sie verhielt sich so zum ganzen Kosmos, wie sich der Mensch zum anderen Menschen verhält, indem er beim anderen Menschen weiß, daß ihn durch die ganze Physiognomie eine Seele anblickt. So war alles Physiognomie beim alten Ägypter, und er nahm das Seelische in der Natur wahr. Der Sinn der Fortentwickelung zur neuen Zeit liegt darin, daß das, was früher gleichsam elementare Fähigkeit war, unmittelbar sich entzündete im Leiblichen des Menschen, daß das seine Innerlichkeit wurde in der neueren Zeit, in unserem fünften nachatlantischen Zeitalter. Und so wie es mehr elementar war, was der Ägypter durchmachte, so macht der Italiener das, was er wiederholt, was er in seiner Empfindungsseele durchmacht, mehr im Innerlichen durch, dadurch, daß er in der Empfindungsseele dieses Geistig-Kosmische erlebt, aber jetzt mehr ver-innerlicht. Was könnte mehr verinnerlicht sein als die ägyptische Astrologie in Dantes «Göttlicher Komödie»: die richtige Wiederauferstehung der altägyptischen Astrologie, aber verinnerlicht!

Und ebenso könnten wir nachweisen, nicht im Bewußtsein des einzelnen Franzosen, aber im Wirken der Volksseelenimpulse, das Aufleuchten des alten Griechentums. Bis zu der neuesten Erfindung und

bis in die Einzelheiten hinein läßt sich das verfolgen; nur bringt man solchen Forschungen nicht den nötigen Ernst entgegen. Griechenland und, wie es die anderen Völker nannte, «die Barbaren», selbst das lebt wieder auf. So könnte man nachweisen, daß in der ganzen französischen Literatur und Kunst - ich meine nicht bewußt, aber in den tieferen Impulsen - das alte Griechentum so auflebt, wie es aufleben muß in unserer Zeit. Wir haben also eine Volksseele vor uns, die alles verarbeitet hat, was im Griechentum war, eine Volksseele, die deshalb außerordentlich stark wirkt auf die einzelnen menschlichen Individuen, die die Individuen durchsetzt und ergreift. Die Folge davon ist, daß, wenn die französische Einzelseele in den physischen und Ätherleib untertaucht, sie in das Weben und Wesen scharf ausgeprägter Tätigkeit der Volksseele untertaucht. Sie findet die Impulse dieser Volksseele scharf ausgeprägt. Daher kommt es, daß der Franzose, indem er in seinem physischen Leibe dieses scharfe, prägnante Leben und Weben der Volksseele aufnimmt, mehr in diesem lebt als in seinem elementaren Selbstgefühl, daß er mehr in dem Bilde lebt, in der Vorstellung, die er sich von dem Franzosen macht, die da heraufflutet von der Volksseele. Von dem Bilde des Franzosen lebt er. Und mit diesem Bilde hängt alles zusammen, was für ihn von großer Bedeutung ist: «Gloire» und so weiter. Der Franzose lebt im eigenen Bilde, das aus dem Ätherleib heraufkommt. Das ist stark geprägt, dieses Phantasiebild, das verwebt sich zusammen mit der geistig-seelischen Wesenheit des einzelnen, und das nimmt er als ein stark im Ätherleib bewegtes Bild auch mit, indem er nach dem Tode in die geistige Welt geht. Das bekommt er sehr schlecht los. Er bekommt sehr schwer sein Ätherbild los. Die Vorstellung, die er von sich selbst gemacht hat, die hängt ihm an, sie ist fest mit ihm verbunden.

Ganz anders ist das Verhalten der Volksseele des russischen Volkes zu der einzelnen Individualität. Diese russische Volksseele hat nicht in demselben Sinn irgendeine der nachatlantischen Kulturen zu wiederholen wie das französische Volk; sie ist eine jugendliche Volksseele, sie prägt wenig in den Ätherleib ein. Daher trifft das einzelne Individuum, das dieser russischen Volksseele angehört, wenn es in seinen physischen Leib untertaucht, wenig Prägnantes, nimmt daher auch,

wenn es in die geistige Welt geht, wenig Prägnantes mit, wenig gleichsam ätherisch gewobene Phantasiebilder mit.

So unterscheiden sich die Seelen in bezug auf das Verhältnis zu ihren Volksseelen nach dem Tode. Auf der einen Seite haben wir das Heer solcher einzelner Seelen, die durch den Tod gegangen sind, die in die geistige Welt scharf gewobene Bilder ihrer eigenen Wesenheit hinauftragen, und auf der anderen Seite, im Osten, sehen wir junge Seelen hinaufziehen, einer jungen Volksseele angehörig, wenig hinaufbringend von scharf gewobenen, im Ätherleib flutenden Menschenbildern.

Nun stehen wir ja, wie ich oftmals auseinandergesetzt habe, vor dem großen Ereignis der kommenden Zeit: dem Auftreten des Christus in einer ganz besonderen Weise. Ich brauche das heute nicht auseinanderzusetzen. Ihm aber geht voran, seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, als Kämpfer für die entsprechende Vorbereitung der Menschen zu dem Christus-Ereignis, derjenige Geist, den wir als den Geist Michael bezeichnen, als den Vorkämpfer des Sonnengeistes. Nun liegt alles daran, daß in der geistigen Welt dieses Ereignis, das geistig eben über die Menschheit hereinbrechen soll, in entsprechender Weise vorbereitet werde. Das kann aber nur geschehen, indem in der geistigen Welt gearbeitet wird gleichsam an der reinen Herausbildung des künftig ätherisch erscheinenden Christus, der ja dem Menschen als ätherische Gestalt erscheinen soll. Dazu aber ist notwendig, daß derjenige, der da vor dem Sonnengeist einherzieht, daß Michael einen Kampf ausficht in der geistigen Welt. Zu diesem Kampf braucht er die Hilfe der Seelen, die durch ihre Leiber eben hinaufgezogen sind in die geistige Welt, derjenigen Seelen, die in die geistige Welt wenig heraufbringen von scharf ausgeprägten Phantasiebildern. Und so sehen wir den Geist Michael und in seinem Gefolge eine Anzahl russischer Seelen für die Reinheit des geistigen Horizontes kämpfend und in hartem Kampfe mit den Seelen, die aus dem Westen gekommen sind, die scharf ausgeprägte Phantasiebilder hinaufbringen. Die müssen zerstreut, aufgelöst werden. Wir sehen diesen Kampf zwischen Osten und Westen vorbereitet schon seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, einen scharfen Kampf, der dem Fortschritt der Menschheit dienen soll,

und der darin besteht, daß geistig der europäische Osten kämpft gegen den europäischen Westen, daß das geistige Rußland einen scharfen geistigen Kampf führt gegen das geistige Frankreich. Das, meine lieben Freunde, gehört zu dem Erschütterndsten der Ereignisse der Gegenwart, zu sehen, wie in demselben Maße, in dem sich hier unten im Felde der großen Täuschung das physische Bündnis zwischen Westen und Osten vollzieht, droben in der geistigen Welt der scharfe Kampf des europäischen Ostens, Rußlands, gegen den europäischen Westen, Frankreich, sich richtet. Wir haben hier einen derjenigen Fälle, die so erschütternd auf den Geistesforscher wirken, wo man sehen kann, wie das, was hinter dem Schleier der äußeren Sinneswelt ist, oft das Entgegengesetzte ist von dem, was hier unten im Lande der Täuschung geschieht. Aber ich möchte immer und immer ermahnen, nicht zu glauben, daß man durch Spekulation solche Dinge ausmachen kann. Derjenige, der etwa aus dem, was ich für einzelne Fälle gesagt habe -daß sich das Geistige als Gegenteil dessen darstellt, was im Gebiete der großen Maja auftritt -, schließen wollte, daß er immer zum Gegenteil gehen müsse, wenn er vom Physischen ins Geistige kommen will, der würde sich sehr stark irren. Denn es gibt Fälle, wo in der geistigen Welt sich die Dinge genau so abspielen wie in der physischen. Zwischen diesem Falle und dem anderen, wo sie sich so stark entgegengesetzt abspielen, wie in bezug auf das Bündnis von Frankreich und Rußland im Physischen und Geistigen, sind alle möglichen Abstufungen.

Man hat heute noch wenig Empfindung dafür, aus welchen Impulsen heraus die wirkliche Geisteswissenschaft sich mitteilen muß. Unsere Zeit ist, ich möchte sagen, in gewisser Beziehung leichtsinnig geworden, namentlich in bezug auf das, was den einzelnen Menschen mitteilungswert erscheint; denn gar wenig wird gefragt um die Verantwortung, die hinter dem Mitzuteilenden steckt für den, der den Zusammenhang der geistigen Welt mit der physischen ins Auge zu fassen hat. Vielleicht darf ich Ihnen - nicht aus persönlichen Gründen, sondern nur, um zu illustrieren - etwas in Anknüpfung an meinen vorgestrigen Vortrag sagen. Sehen Sie, in diesem öffentlichen Vortrag, wo ich natürlich nur äußerlich, exoterisch sprechen kann, spreche ich

aber doch nicht so exoterisch, wie man gewöhnlich glaubt, und ich wäre wohl froh, wenn man gerade bei solchen Vorträgen ein wenig erwägen würde die Kulturaufgabe, die die Geisteswissenschaft hat. Namentlich in dem Herausheben und in der Art des Sagens dessen, was gesagt werden muß, drückt sich das aus, was als Geisteswissenschaft dahintersteht. Es sind nicht willkürliche Einfälle, ist nicht etwas Zusammengeklaubtes. Nehmen Sie das eine Beispiel: Ich habe gesagt, daß man, wenn man die Verhältnisse der einzelnen europäischen Nationen in diesem Krieg beurteilen will, geschichtlich vorgehen solle, daß man zum Beispiel bedenken solle, daß Österreich jene Mission auf dem Balkan empfangen hat auf Antrag der englischen Politik, und daß im Grunde genommen alles das, was sich zugetragen hat für Österreich, eine Konsequenz ist dessen, was ihm auf Impuls von England hin mit aufgetragen worden ist. Und ich sagte, man müsse das berücksichtigen, man müsse berücksichtigen, daß dadurch Österreich, und damit Deutschland, in besonderen Antagonismus zu Rußland gekommen ist, und daß England sein eigenes Werk verlassen hat und nun gegen Deutschland kämpft, während die Zentralmächte und Rußland in Antagonismus gekommen sind dadurch, daß Österreich auf Englands Impuls mit der Balkanmission betraut worden ist und auch, indem es den Türken zu Hilfe kam, zurückhalten sollte den Einfluß des russischen Ostens. Selbstverständlich kann man in einem exote-rischen Vortrag, der für das große Publikum gemeint ist, das nur andeuten, was wirken kann auf die Empfindungen, die gerade heute angeregt werden sollten. Aber, was ist denn hinter dieser Sache? Äußerlich, exoterisch sehen wir die englische Politik an der Seite der russischen, die gerade durch eine Tat Englands zu ihren Konsequenzen gekommen ist. Das sehen wir äußerlich. Der Geistesforscher, der sich die Dinge in der geistigen Welt anschaut, der kann heute eine ganz eigentümliche Entdeckung machen, eine höchst merkwürdige Entdeckung. Nehmen wir einmal an, der Geistesforscher würde, indem er sich einen bestimmten perspektivischen Punkt nimmt, von unten nach oben sehen. Er würde sich den perspektivischen Punkt unterhalb des physischen Planes nehmen und zum Astralplan aufschauen. Er könnte sich ihn auch oberhalb des Astralplanes nehmen. Dann würde er das

sehen, was auf dem physischen Plan sich abspielt, und gleichsam auch das, was auf dem astralischen Plan sich abspielt. Es würde das zusammenschwimmen. Nicht wahr, wenn man von unten hinauf- oder von oben herunterschaut durch den Astralplan, so sieht man durch das Astralische hindurch auf das Physische und umgekehrt. Wenn man nun auf den physischen Plan sieht, so kämpft zwar England gegen die Türkei, seit die Türkei an Rußland den Krieg erklärt hat. Aber das ist bloß Maja, denn in Wahrheit kämpft das astrale Wesen Englands mit der Türkei gegen Rußland. So daß man das Schauspiel hat, daß im Nordwesten England für Rußland und im Südosten England für die Türkei, also gegen Rußland, kämpft. Nur ist das eine maßgebend für den physischen Plan und das andere für den astralischen Plan.

Wenn man mit einer solchen Erkenntnis der Welt gegenübersteht, dann fühlt man: Man kann ja natürlich diese Erkenntnis nicht äußerlich dem Publikum mitteilen, aber sie drängt einen dazu, gerade diesen einen Punkt hervorzuheben von der Inkonsequenz Englands im Osten. Daß dieser eine Punkt herausgehoben wird, das rührt her aus dem Erkennen der geistigen Zusammenhänge. Das ist es, womit ich auf die Verantwortung hindeuten möchte, die man hat einfach bei dem Zusammenstellen der einzelnen Wahrheiten und der Art, wie man sie gibt.

Da klaubt man nicht in beliebiger Weise zusammen, wie es die heutigen Buch-Macher oder Journalisten tun, wenn man seine okkulte Verantwortung fühlt, sondern da muß das, was zu sagen ist, aus dem Wesen des Zeitwirkens heraus geholt werden. Wirklich nicht um etwas Persönliches zu sagen, sondern um Sie aufmerksam zu machen, sage ich dieses, daß Geisteswissenschaft, wenn sie mit voller Verantwortlichkeit hintritt vor die Welt, eben wirklich recht ernst genommen werden sollte, und nicht verwechselt werden sollte mit alledem, was sich heute als Journalisterei und Buch-Macherei breit macht und in der Art, wie es kombiniert, sehr weit entfernt ist von einem solchen Verantwortlichkeitsgefühl gegenüber den geistigen Mächten der Zeit. Ich darf schon gerade in unserer Zeit, meine lieben Freunde, ein wenig aufmerksam machen auf diesen Ernst der Geisteswissenschaft. Denn unsere Zeit zeigt uns in vieler Beziehung ein ernstes Antlitz, ein recht



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