Die Affektenlehre Der Körper als Maschine



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tarix17.09.2017
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Die Affektenlehre


Der Körper als Maschine

  • Voraussetzung:

  • Barockzeitalter als Epoche des Rationalismus

  • Beweisführung zentral für Argumentation

  • Aufkommen der experimentellen Naturwissenschaft

  • Physische Natur wird anhand mathematischer Begriff erklärt:

  • Ausdehnung – Bewegung - Ruhezustand



Erklärungsmodelle

  • Giorgio Baglivi (1668-1707):

  • Der menschliche Leib sei mit seinen „Chymico-Mechanischen Bewegungen“ von „Pinzipiis“ der „puren Mathematik“ herzuleiten: Zähne als Scheren, Drüsen und Eingeweide als Siebe, Brustkorb als Blasebalg

  • William Harvey (1578-1657):

  • Entdeckung des Blutkreislaufs

  • Réné Descartes:

  • Gesamtentwurf nach mechanischen bzw. mathematischen Prinzipien

  • Mensch und Tier funktionieren wie Automaten



Fortsetzung der Erklärungsmodelle

  • Descartes Maschinentheorie ermöglicht die Trennung von Erklärung der Funktionsweisen von Seele und Körper

  • In der „Körpermaschine“ ist des Herz der Sitz der Lebenswärme; das Herz ist bei Descartes gemäß der medizinischen Forschungsstandards seiner Zeit erfasst

  • Definition der „Lebensgeister“: Hirn ist der „Quellmeister“, es schafft die Bewegungen; „Spiritusverteilung“ wie Luftverteilung in einer Orgel

  • -> Umso mehr (feiner, schneller) die Lebensgeister, umso erregter das Gemüt



Réné Descartes





Erklärungsmodelle

  • Seele hat Denk- und Vorstellungsvermögen inne (und ihren Sitz im Gehirn)

  • Verstand mäßigt und reguliert die Leidenschaften

  • Descartes: Prinzipien der Philosophie

  • Brücke zur Kompositionslehre über das Ohr/ das Hören; vergl. Schon Aristoteles, der die Schwingungen physikalisch beschrieb



Descartes Resonanzmodell

  • Sympathia als Erklärungsmodell für „musica moret affectus“

  • A) motus harmonicus (die Musik betreffend)

  • B) Motus animae (die Seele betreffend)

  • Für die Musik gilt: je weiter vom Einklang der Klang entfernt, desto heftiger vermag die Musik die Lebensgeister in Bewegung zu versetzen



Frage nach Erregbarkeit/ Physiologische Beschaffenheit

  • Temperamentenlehre von Hippokrates

  • Basiert auf der Ausgeglichenheit der Säfte

  • I) Blut -> zu viel führt zum Sanguiniker

  • II) Schleim -> zu viel hat der Phlegmatiker

  • III) gelbe Galle -> zu viel hat der Choleriker

  • IV) schwarze Galle -> zu viel führt zum Melancholiker





Hippokrates



Zur Begrifflichkeit

  • Aus dem Bereich der Ästhetik, stammt aus dem Griechischen: affectus = pathos = Stimmung/Leidenschaft

  • Lehre von den Affekten urspr. eng verknüpft mit Ethik (Bsp. Spinoza, Sittenlehre)

  • Wichtiger Kontext: Rationalismus in Philosophie mit der Überzeugung, dass „Ordnung in der Welt herrsche“ (W. Seidel)

  • Kampf gegen Irrationalismus, Bemühen um rationale Erklärungen

  • Mattheson: Music als „Zuchtlehre“



Historische Entwicklung

  • Antike: Affekt als mechan. Seelenbewegung/Reaktion auf äußere Kraft (z. B. Musik)

  • Pythagoräer: Ordnung von Zahlengesetzen, die Weltall, Mensch und auch die Musik bestimmen

  • Platon in Politeia: dorisch/ernst; phrygisch/kriegerisch; lydisch/weichlich

  • 4 Grundaffekte: Lust, Leid, Begierde, Furcht



Die Aristotelischen Affekte

  • Lust – Leid – Unlust als Grundeffekte

  • 1 Begierde

  • 2 Zorn

  • 3 Furcht

  • 4 Mut

  • 5 Neid

  • 6 Freude

  • 7 Liebe

  • 8 Hass

  • 9 Sehnsucht

  • 10 Eifersucht

  • 11 Mitleid = Mischformen der drei ursprünglichen Affekte



Musik in der Antike

  • Funktionen der Musik in der Antike

  • A) Unterhaltung

  • B) Erziehung

  • C) Bildung

  • Begriff der musiké als Verbindung nicht nur der Künste, sondern als Rückbezug zum Leben

  • Voraussetzung: Lehre von der Mimesis

  • Stoa: Affekt als Störung der Seelenruhe, Affektlosigkeit als Idealzustand



Mittelalter

  • Augustinus: Schönheit des Klanges aufgrund vernünftiger Ordnung

  • Musik als Abbild des Weltalls (In: De Musica)

  • In Confessiones: Wort Gottes steht vor der Musik

  • Boethius:

  • Musica mundana (Ordnung des Kosmos; Musica humana (Leibseelenharmonie); Musica instrumentalis (klingende Musik)

  • Johannes Tinctoris: erstes musikal. Lexikon, Darstellung der Wirkungsweisen von Musik

  • Erst im 16. jhd: Dopplung von affektdarstellender und auslösender Wirkung



Zeitalter des Barock

  • Neuerung hinsichtlich der Affekte:

  • vom affectus exprimere zum affectus movere; Exprimieren heißt hier: Verdeutlichung der im Text bereits vorgegebenen Affektgehalte/ siehe hierzu die Figurenlehre; Darstellung eines Typus. Keine individuelle Spiegelung, sondern Konstruktion

  • Siehe hierzu: Mattheson $ 63



Affekte und ihre Darstllungsmittel

  • Quantz bezieht den Interpreten mit ein:

  • der Vortrag sei „jeder vorkommenden Leidenschaft gemäß“

  • -> Voraussetzungen für die Wirkung der Affekte

  • konturierte Grundaffekte (Abgrenzung untereinander möglich)

  • Zuordnung über naturgesetzmäßig Übereinkunft von musikal. und menschl. Seele

  • Reaktion unter Einbeziehung des Temperamentes

  • Affektenlehre <-> Temperamentenlehre



Und noch einmal: Descartes

  • Grundaffekte bei Descartes:

  • Verwunderung, Liebe, Haß, Begehren, Freude, Traurigkeit; Mischungen funktionieren wie chem. Elemente

  • A. Kircher fokussiert die allgemeinen Affekte (Trauer und Freude), nicht diejenigen, die einem inhaltlichen Zusammenhang entnommen sind (Liebe und Hass gehören dazu)

  • Friedrich Wilhelm Marpurg, in den Kritischen Briefen zur Tonkunst: Klassifikation von 27 Affekten (beschreibt dies mit Blick auf die Rezitative)



Quantz bezieht die theoretischen Überlegung auf die praktische Umsetzung

  • Quantz zeigt auf, wie Affekte zu erkennen sind:

  • Tonarten

  • Intervalle

  • Dissonanzen

  • Vortragsanweisungen

  • -> Vermischung der Charaktere in einem Stück: Zeichen der Auflösung der Barockzeit

  • C. Ph. E. Bach: Komponist müsse gerührt sein, um Rührung hervorzubringen; galante Stil



Zusammenfassend gilt für die Affektenlehre des Barock

  • Komposition evoziert Affekt durch

  • Intervallverhältnisse in Melodik und Harmonik

  • (‚klagende‘ fallende kleine Sekunde, ‚Trauer‘ Mollakkord und Dissonanzen)

  • Tempo und Takt

  • Dynamik

  • Klangfarbe, Artikulation, Ornamentik

  • Lage des Instruments

  • (Manche Instrumente stehen für einen spezifischen Affekt)





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