Beziehungen zwischen der familie von behr und dem hof von rudolph II. Und deren auswirkungen auf die kultur kurlands



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BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER FAMILIE VON BEHR UND DEM HOF VON RUDOLPH II.  

UND DEREN AUSWIRKUNGEN AUF DIE KULTUR KURLANDS

Die Fragen über die Kulturkontakte und 

den Austausch von geistlichen sowie auch 

von materiellen Artefakten bekommen seit 

der intensiven Tätigkeit des deutschen Kunst­

historikers Niels von Holst und dessen Vor­

gänger im Baltikum Philipp Schweinfurth und 

Boris Wipper in der lettischen Kunstgeschich­

te der Gegenwart immer mehr Gewicht.

1. Familiengeschichte — 

Geschlechtergeschichte  

Jeder Staat kann stolz sein, wenn seine 

Bürger für den Ruhm, die Ehre, Kultur und 

wirtschaftliche Blüte ihres Landes sich ein­

setzen und mit ihrem Engagement in gesell­

schaftlichen und politischen Vorgängen sicht­

bare Spuren hinterlassen oder gar Fortschritte 

bewirken. Das angesprochene Thema fördert 

nähere Untersuchung mehrerer Aspekte, wie 

etwa: Es ist hier zu fragen, wie eine histori­

sche Person und ein Geschlecht in der Ge­

schichte des Landes und noch weiter — in 

der Geschichte Zentraleuropas — ihr Anse­

hen und ihre außerordentliche Rolle fundiert 

hat. Dies soll mit dem Beispiel von der Ge­

schichte der Familie von Behr illustriert wer­

den. 

Das Geschlecht von Behr gehört zum 



deutschen Uradel. Die heutigen Nachkom­

men des Geschlechts sind stolz darauf, daß 

die Geschichte mit der Schilderung vom Le­

bensablauf einzelner Vorfahren bis auf das 

12. Jahrhundert zurückgeht.

1

 Man kann dem 



Geschlecht unter dem Namen „Bero“ aus den 

Lehnsbesitzern von Salzhäusern in Lüneburg 

um 956 eine niedersächsische Abstammung 

nachweisen. Überliefert ist auch, dass die 

weiteren Nachkommen im 12. Jahrhundert 

zuerst nach Pommern gegangen sind und 

dort kräftig zur Ausbreitung des Christentums 

mitgewirkt haben. Um 1473 besass die Fa­

milie auch einen Anteil an den Kolbergschen 

(Kolobrzeg in Poland) Salzwerken.

2

 

Vom besonderen Interesse sind diejeni­



gen Mitglieder der Familie von Behr, die im 

Baltikum ihre Niederlassung gefunden ha­

ben und in ihrer Tätigkeit das Kunstmilieu im 

heutigen Estland und Lettland deutlich be­

reichert haben. Unter den im Dienst von Bi­

schof 1449 in Ösel ansässigen Rittern wird 

BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER 

FAMILIE VON BEHR

UND DEM HOF VON RUDOLPH II. 

UND DEREN AUSWIRKUNGEN

AUF DIE KULTUR KURLANDS

Ojārs Spārītis

osparitis@gmail.com

Schlüsselworter: Rudolph II, von Behr, Herzogtum Kurland, Schloss Edwahlen,  

Kirche zu Schleck, Renaissance, Manierismus, Humanismus, Architektur, Kunst



raksti

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Heinrich Beer genannt; Friedrich Beer wird 



1557 zum Stiftsvoigt von Ahrensburg.

3

 Zur 



solcher Konstellation von Beamtern, Besit­

zern und Geschlechtern in der Mitte des 16. 

Jahrhunderts kam Livland durch Folgen von 

Reformation, Abschaffen von katholischen 

Bistümern in Livland, Kurland und Estland, 

durch Zerfall und Säkularisation des deu­

tschen Ordens, dessen Schwäche in Landes­

verteidigung sofort die Nachbarländer Ruß­

land, Schweden und Polen ausnützten. Es 

ist überliefert worden, dass im ehemaligen 

Bistum von Kurland (Pilten) und Ösel­Wieck, 

im Kurländischen und Estländischen Teil 

Livlands, in der Mitte des 16. Jahrhunderts 

vom Bischof Johannes von Münchhausen ein 

umfangreicher Handel mit Getreide getrieben 

wurde, das er vor allem nach Lübeck gegen 

Salz und Stoff „zum hofcledung“ eintauschen 

oder nach Danzig, Riga, Reval und ande­

ren Märkten mit eigenen oder gecharterten 

Schiffen versenden ließ.

4

 

Der Zerfall von Konfederation von Fe­



odalstaaten Alt­Livlands beginnt mit dem 

Beschluß von Iwangorod, der Stadt und Or­

densburg Narwa, im Aprill 1558. Die diplo­

matischen Gespräche mit Iwan dem Schreck­

lichen blieben ohne Erfolg, denn er blieb 

seinem Zweck treu, nämlich — er wollte zu­

erst Narwa von Livland lösen. Den russischen 

Angriffen kamen auch die expansionistischen 

Pläne Polens und Schwedens dazu,  und die 

Folge davon war, dass das zur Auflösung Alt­

Livlands führte. Ein kleiner Teil an der West­

küste, Grobin, kam im April 1560 auf 15 Jah­

ren an das Herzogtum Preußen, so dass im 

Prinzip alle Territorien von Alt­Livland in den 

60er Jahren des 16. Jahrhunderts von Nach­

barländern zerstückelt wurden. Estland wurde 

unter der schwedischen Herrschaft gebracht. 

Oberland, Semgallen, Kurland und der östli­

che Teil Livlands kamen direkt an Polen oder 

in dessen Lehnsabhängigkeit. Das ehemalige 

Bistum Pilten sowie ein Teil des Bistums im 

Stift Ösel­Wieck wurde im Herbst 1559 vom 

letzten Bischof Johann von Münchhausen für 

den Betrag von 30 000 Talern an den König 

von Dänemark Friedrich II. verkauft. Damit 

konnte König Friedrich die Erbansprüche 

seines jüngeren Bruders Magnus befriedi­

gen. Im Aprill 1560 traf Herzog Magnus auf 

Ösel ein, ließ sich zum Bischof wählen und 

bestätigte die Privilegien der Ritterschaft. 

Ulrich von Behr, der Neffe des ehemaligen 

Bischofs Johann von Münchhausen, der 

1555 vom König von Dänemark Friedrich II.  

zum Stiftsvogt und zum Statthalter in Kurland 

ernannt wurde, wurde ebenfalls im Amt in 

Ahrensburg auf Ösel und 1561 als Statthalter 

in Ösel und Pilten gewählt.

Ulrich von Behr, gebürtig aus Stellichte, 

aus dem Stammsitz von Behrs in Hanover, 

wurde erst zum Domprobst, später 1556 

auch zum Koadjutor des Bischofs. Nachdem 

Dänemark das Stift Pilten dem Prinzen Mag­

nus von Holstein als Sitz eingeräumt hatte, 

schloss der Domprobst Ulrich von Behr 1561 

mit Herzog Magnus einen Vertrag, in dem er 

den dänischen Prinzen als Bischof anerkann­

te und für sein Entgegenkommen „mit den 

Riesengütern Edwahlen, Schleck, Popen, 

Ugahlen u.s.w. erblich belehnte, ausserdem 

mit Amt in Hasenpoth und Zierau nach Emi­

gration der Kloster Hasenpotschen Minoriten, 

aufs Lebstagsrecht“

 

bedachte.



5

 Ein Jahr spä­

ter, 1562, überließ Ulrich von Behr das Gut 

Edwahlen seinem Bruder Johann, ging nach 

Deutschland und starb 1585 in Stellichte, 

wo er auch begraben wurde.



2. Besitz und Baugeschichte

Als vermutlicher Erbauer des Schlosses 

Edwahlen kann Bischof Heinrich genannt wer­

den, der laut einer Urkunde Edwahlen 1253 

dem Bischof von Kurland zugeteilt hat. Aber 

in Wirklichkeit konnte eine mit viereckiger 

Mauer umgebene und mit dem Torturm be­

festigte Burg nur nach der Unterdrückung von 

kurischen Stämmen erbaut werden — etwa zu 

Beginn des 14. Jahrhunderts. Um 1562, also 

zur Zeit der ersten Privatbesitzer — Brüder  

Ulrich und Dietrich von Behr, war das Schloss 




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BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER FAMILIE VON BEHR UND DEM HOF VON RUDOLPH II.  

UND DEREN AUSWIRKUNGEN AUF DIE KULTUR KURLANDS

eine auf dem Hügel stehende, mit Wassergra­

ben umgebene Burg — mit zwei Seitenflügeln 

und Tortürmen, sowie auch einem in der Süd­

West­Ecke stehenden Rundturm. Die Familie 

von Behr hat in den kommenden vier Jahrhun­

derten Schloss Edwahlen als Hauptsitz ihres 

Geschlechts gewählt. Die Familie hat diesen 

Ort als Zentrum für ihre ökonomischen, kultu­

rellen und intellektuellen Interessen angelegt 



(Abb. 1). 

Die diplomatische und auch politische 

Dimension der Familie von Behr stellt auch 

der Lebenslauf von Johann von Behr deutlich 

dar. Im Jahr 1564 fand die Bestätigung der 

erblichen Verleihung von Edwahlen, Schleck 

und anderen Gütern an Johann von Behr 

durch König Friedrich II. statt.

6

 1578 er­



scheint er als Rat des Herzogs Magnus von 

Holstein, Herr des stiftischen Kurlands und 

wie vormals Bischof von Bistümern Kurland 

(Pilten), Ösel und Wieck. Im gleichen Jahr 

erfolgte auch seine Belehnung mit dem Amt 

in Schleck und er erhielt vom Herzog Mag­

nus 2000 Reichstaler für das Inventarium 

zu Hasenpoth und Zierau. Johann von Behr 

war ebenfalls 1580 Abgesandter des Her­

zogs Magnus bei den Bündnisverhandlungen 

zwischen Rußland, Schweden und Polen. Er  

unternahm im Sommer 1580 eine diploma­

tische Reise nach Moskau zum Zaren Iwan 

dem Schrecklichen. Auch den Machtansprü­

chen auf Kurland, die vom König von Polen 

erfolgten, widersetzte Johann von Behr sehr 

tapfer mit Hilfe von Armee und Geschützen, 

so dass er nach dem Gefecht am 24. Mai 

1583 mit dem polnischen Heer unter dem 

Kommando von Oberst Oborsky Johann von 

Behr für das Stift Pilten, sowie auch für den 

König von Dänemark einen dauerhaftigen 

Friedensvertrag 1585 schloss und mit dem 

erlangten Frieden Kurland von weiteren pol­

nischen Überfällen geschützt hat. 

Am 25. November 1606 erstellte Johann 

von Behr in Edwahlen den Familienvertrag 

— den so genannten „Behren­Pakt“, der bis 

zum 19. Jahrhundert bestand. Mit diesem 

1. Schloss Edwahlen (Ēdole). Foto V. Mašnovskis



raksti

62

Dokument hat Johann von Behr eine wirt­



schaftspolitische, den Familienbund zemen­

tierende und kulturhistorische Präzedenz 

geschafft. Damit hat er die Grundprinzipien 

eines unteilbaren Familieneigentums und der 

Verantwortung von jedermann, der den Na­

men „von Behr“ trägt, gelegt. Hierzu gehören 

also Menschen, die ihre Familie, ihr Land und 

ihren sozialen Stand hoch schätzen und be­

wahren. Johann von Behr starb 1613. Er hin­

terliess seinen Söhnen Dietrich und Johann 

die Güter in Deutschland, Werner und Fried­

rich — die Güter in Kurland.

7

 Da Friedrich 



1648 ohne Hinterlassung männlicher Erben 

starb, wurde der älteste Bruder Werner von 

Behr (1565–1612) Erbherr auf Edwahlen, 

Ugahlen, Popen, Angermünde, Verdenschen 

Erbmarschall, Brandenburgischer Rat, der 

Stammvater aller kurländischen Behrs. Was 

bedeutet das in Kategorien von Wohlstand? 

wie reich eigentlich war das Geschlecht von 

Behr in Kurland? Im Jahr 1920 hat Baron 

Alexander von Behr aus Edwahlen



 berechnet, 

dass das Geschlecht von Behr mit seinen 

sechs Hauptgütern und mehreren Beigütern 

oder Wirtschaftshöfen insgesamt 125 179 

Hecktar Land besass und mit diesem Eigen­

tum auf der Liste von Privateigentümern in 

neugegründeten Staat Lettland die Nummer 

eins war.

8

 

3. Bezug zur Stadt Prag und dem 



Hof des Kaisers Rudolph II.

 Werner von Behr ist in diesem Bericht 

die Schlüsselfigur. Er studierte Rechtswissen­

schaften in Rostock und Königsberg. Nach 

der Beendigung des Studiums, bevor er nach 

Heimat zurückkehrte, begab er sich noch auf 

eine große Europareise. Nach dem Tode sei­

nes Vaters übernahm Werner von Behr die 

Verwaltung der Güter Edwahlen und Schleck.

9

 



Im Auftrag des Herzogs von Kurland Wilhelm 

von Kettler hielt er sich 1596 am Hofe von 

Kaiser Rudolph II. in Prag auf. Seine Aufga­

ben bastanden darin, wirtschaftliche Verbin­

dungen zu knüpfen sowie politische Allianzen 

in den Ländern Mitteleuropas zu gründen, 

denn das neue Herzogtum Kurland brauchte 

starke politische Partner. In Prag hat er so­

wohl Sibylla von Schleinitz, die Tochter des 

böhmischen Großgrundbesitzers Freiherrn Jo­

hann von Schleinitz auf Schlucken (Šluknow

in der Oberlausitz, als auch Anna von Biber­

stein kennengelernt. Als kurländischer Ge­

sandter am Hof des Kaisers Rudolph II. hat 

Werner von Behr die Gelegenheit benützt, die 

böhmischen Magnaten kennenzulernen. Die 

Geschlechter von Schleinitz und von Biber­

stein gehörten zum sächsischen und böhmi­

schen Hochadel, die den obersten Rang im 

kirchlichen sowie im politischen Leben von 

Sachsen, Böhmen und Schlesien einnahmen, 

wie etwa die Ämter von Obermünzmeister 

(Karl von Biberstein, 1528–1593)

10

 oder von 



Domherren und Bischöfen in Meißen, Naum­

burg, Prag, Leitmeritz u.a.

11

 

In dieser diplomatischen Mission hat 



Werner von Behr als studierter Rechtswis­

senschaftler mehrere Male lange und be­

schwehrliche Reisen von Edwahlen nach 

Prag unternommen. Dabei kam es zu näherer 

Bekanntschaft mit Johanna von Schleinitz 

und dessen Familie. Bei Schleinitz hielt sich 

Werner für längere Zeit auf, als er zwischen 

den Staatsgeschäften in Prag war. Während 

seines letzten Aufenthalts verlobte er sich mit 

Sibylla von Schleinitz. Er kehrte kurz nach 

Kurland zurück, um alle Vorbereitungen für 

die Hochzeit zu treffen, dann reiste noch ein­

mal als Privatmann nach Böhmen, wo am  

1. Juli 1596 die Hochzeit stattfand. Das jun­

ge Paar begab sich bald nach Kurland und 

wählte für ihren Wohnsitz Edwahlen. Aus den 

Beschreibungen des Inventariums in Edwah­

len bekannt ist, daß das Schloss von Innen 

mit wertvollem und altem Mobiliar, mit Gob­

belins, Tafelsilberstücken, Gemälden, mit ei­

ner Kupferstichsammlung, mit Porzellan und 

einer Münzsammlung, mit Waffen und ver­

schiedenen exotischen Trophäen geschmückt 

war. Der Stolz der Famile von Behr aus Ed­

wahlen war ein Silberschatz — Humpen, 



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BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER FAMILIE VON BEHR UND DEM HOF VON RUDOLPH II.  

UND DEREN AUSWIRKUNGEN AUF DIE KULTUR KURLANDS

Pokale, Schüssel, Tafelaufsätze und Besteck 

aus dem 16. sowie aus dem 17. und 18. 

Jahrhundert.

12

 Leider ist in der Feuersbrunst 



der lettischen Revolution von 1905 fast alles 

in Edwahlen, ausser Erinnerungen und Fotos, 

verloren gegangen.

Nachdem die Familiengeschichte von 

Behr bis nach Prag skizziert wurde, möch­

te man fragen: Wo liegt aber der Reiz eines 

Kunsthistorikers? Die Antwort lautet: In den 

Kulturkontakten und im Kulturaustausch mit 

einem hochentwickelten Land sowie im mit 

Künstlerkapazitäten gesättigten Hof, wo Kai­

ser Rudolph II. von 1576 bis 1612 regier­

te und ähnlich wie Papst Julius II. Raphael 

und Michelangelo unterstützte, so hat auch 

Rudolph II. eine ganze internationale Künst­

lergruppe mit solchen Namen wie Giuseppe 

Arcimboldo, Karel van Mander, Joachim San­

drart, Adrian de Vries, Bartholomäus Spran­

ger, Christoph Jamnitzer und vielen anderen 

wegen ihrer ausserordentlich hohen und in­

ventiven Leistung gefördert und beschäftigt. 



2. Kirche zu Edwahlen (Ēdole).  

Foto V. Mašnovskis

3. Innenansicht von Kirche zu Edwahlen (Ēdole). Foto V. Mašnovskis


raksti

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Die männliche Linie der Familie von Behr 



hat immer die Rittergüter in Verden — Aller, 

in Stellichte als Beispiel für die Lebensqualität 

in Kurland betont. Alle Generationen waren in 

ihren Bestrebungen einig, das gleiche Niveau 

wie in Deutschland auch in der Architektur 

und Kunst auf ihren kurländischen Gütern 

erreichen zu können. Ein Zeugniss dafür ist 

die Kirche zu Edwahlen (Abb. 2–3), die aus 

rotem Backstein mit einigen gotisierenden 

Formen 1644–1648 gebaut ist. Im Nebengut 

von Edwahlen, nämlich im Gut zu Schleck, 

weisen die Kirche und das Herrenhaus noch 

ein höheres Niveau von der Baukultur auf. 

Das wirft natürlich die Fragen nach dem Kul­

tureinfluss und Kulturtransfer auf.

Wenn wir die Frauenlinie des Geschlechts 

bis nach Prag verfolgen und die Spuren in 

Böhmen, Sachsen, Schlesien und im Kaiser­

hof Rudolphs II. nachvollziehen möchten, er­

öffnet sich ein Spielraum nur für theoretische 

Annahmen, denn es fehlt an urkundlichen 

Beweisen. Eine hypothetische Glaubwürdig­

keit kann nur die Rekonstruktion der Lebens­

weise im 16. und 17. Jahrhundert verleihen. 

Hier ein paar Anhaltspunkte zur Biogra­

phie von Sibylla von Schleinitz: Nach der 

Hochzeit in 1596 kam Sibylla von Schleinitz 

nach Edwahlen, wo sie die folgenden 33 Jah­

re bis zu ihrem Tod in 1629 verbracht hat. In 

der Ehe mit Werner von Behr brachte sie vier 

Söhne und eine Tochter zur Welt. Nur die Ge­

burtsdaten ihrer Kinder und ihr Todesdatum 

am 10. Mai 1629 sind die einzigen Eintra­

gungen in der Stammtafel des Geschlechtes 

von Behr, wo diese Frau eine bedeutende 

Rolle gespielt hat.

13

 Diese Angaben sind das 



Einzige, was vom Leben einer hochadligen 

Frau mit anspruchsvoller Verwandschaft im 

Böhmischen Kaiserhof nach der Umsiedlung 

nach Herzogtum Kurland im 17. Jahrhun­

dert überliefert ist. Nicht viel. Als Tochter 

adliger und wohlhabener Eltern kam Sibylla 

nach Edwahlen mit einer reichen Aussteuer. 

Doch unbeachtet dessen, wieviele böhmische 

Spiegel, Tafelaufsätze, Prunkmöbel und Gob­

belins nach Edwahlen gebracht wurden, das 

Wertvollste in der Lebensgefährtin Werners 

von Behr war ihre Erziehung, ihr Geschmack 

und ihre Ansprüche nach einem glanzvollen 

und inhaltsreichen Leben in Kurland, was 

auch dem gewöhnlichen Kulturmilieu des 

täglichen Lebens von Böhmischen Hochadel 

entsprach: Dort schauten alle in Richtung 

von Kaiser, sie lernten, wiederholten und üb­

ten ein Zusammenleben mit den Extravagan­

zen der Hofkunst.

Heute in Edwahlen und Schleck, was 

nur 12 Kilometer östlich von Hauptsitz liegt, 

können wir die höchste Kunstqualität beob­

achten, die alle anderen Kulturdenkmäler 

Lettlands in vielen Kriterien übertreffen. Die 

Wasserburg Edwahlen gehört zu den so ge­

nannten kleinen Burgen, wie sie zwischen 

Weichsel und Memel sowie zwischen Kurland 

und Finnland in gewissen Variationen anzu­

treffen sind. Es ist ein beinahe quadratischer 

Vierflügelbau — ein kleiner Konventhof mit 

einem Einfahrtsturm, der im 14. Jahrhundert 

als Burg der Bischöfe von Pilten erbaut wur­

de. Auf dem hohen Plateau eines aufgestau­

ten Sees und umgeben mit einem Kanal wur­

de die Burg Edwahlen um 1380 bis 1450 

mit einer Vorburg westlich vom Konventhof 

erweitert. Unter den neuen Besitzern, den 

Baronen von Behr, bekam die Burg im 16. 

Jahrhundert in der Südwestecke einen Rund­

turm und wurde zum einen gut befestigten 

Herrensitz ausgebaut, was noch bis heute mit 

wenig Änderungen gut erhalten ist.

4. Gut und Kirche zu Schleck

Im Jahr 1623, nach dem Tod von Werner 

von Behr, wurde bei der Teilung des Fami­

lienbesitzes das Gut Schleck vom Hauptsitz 

Edwahlen separiert. Im 16. Jahrhundert soll 

es in Schleck ein Wirtschaftsgut mit einem 

Wohnhaus und einer Kapelle gegeben haben. 

Das frühe Herrenhaus erhielt später die Be­

zeichnung „das alte Haus“.

14

 Der gesamte 



Schlosskomplex in Schleck unterscheidet sich 

stark von der landläufigen Komposition der 




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BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER FAMILIE VON BEHR UND DEM HOF VON RUDOLPH II.  

UND DEREN AUSWIRKUNGEN AUF DIE KULTUR KURLANDS

Herrenhäuser in Kurland und Livland. Wäh­

rend in den meisten Fällen das Herrenhaus 

abseits der grossen Wirtschaftshöfe steht, ist 

die Anlage in Schleck am Rande der Wirt­

schaftsgebäude als selbstständiger Baukör­

per angelegt. Die Gestaltung um 1709–1715 

mit dem Übergang zum Rechtecksmotiv ist 

die letzte Formung des Schlossensembles. 

Das an der Schmalseite des Rechtecks ge­

baute Hauptgebäude stellt den Mittelpunkt 

und Abschluß zugleich. Das grosse Rechteck 

ist nur von drei Seiten bebaut. Die vierte Seite 

bildet einen natürlichen Anschluss zum Teich. 

Samt dem großen Wirtschaftshof macht die 

ganze Schlossanlage mit der Kirche und den 

Aleen den Eindruck einer Residenz. Die An­

fahrt zum Schloss führt durch eine etwa 300 

Meter lange Birkenallee sowie durch einen 

weiträumigen und aus insgesamt 24 Gebäu­

den bestehenden Wirtschaftshof. Nur wenige 

Schlossanlagen in Kurland entsprechen die­

sem Ausmass, dieser Grössenordnung. Als 

Kultursymbol dürfen wir Schleck dazu zählen. 

Der Bauforscher Carl von Lorck schreibt 

in der Begutachtung des Gutskomplexes 

von Schleck: „Nach allen diesen Tatsachen 

erscheint es höchstwahrscheinlich, dass die 

Verbindung beider Baumeister Jean de Bodt 

und Johann von Collas durch ihre Bauge­

meinschaft in Friedrichstein, Döhnhoffstädt 

und Carwinden auch von Ulrich von Behr aus 

Kurland für seine Bauvorhaben in Schleck 

und Popen gewonnen werden konnte.“

15

 

Jean de Bodt, der mit Johann von Collas zu­



sammen gearbeitet hat, war ein Hofarchitekt 

beim König Friedrich II. und beim Kurfürsten 

August dem Starken in Dresden. Doch in den 

Entwürfen für Zivil­ und Hofbauten sowie in 

der Militär­ und Kirchenarchitektur blieb er 

immer treu seinem „neufranzösischen Klas­

sizimus“.

16

 



Zwei Hofportale ermöglichen die Einfahrt 

in den Schlosshof sowohl von Norden als 

auch von Süden. An der westlichen Schmal­

seite des Gutskomplexes befand sich das Her­

renhaus in der Länge von ca. 70 Meter. Die 

Gesamtlänge von der Reihe der Flügelbauten 

auf der Nordseite beträgt ca. 120 Meter, auf 

der Südseite hingegen nur 85 Meter. Das 

Herrenhaus zeichnet sich durch eine klare  

4. Herrenhaus Schleck (Zlēkas). Foto der 1920-er Jahre



raksti

66

Gliederung aus und bildet in der Gesamt­



anlage den Mittelpunkt (Abb. 4). Auf dem 

Kellergeschoß, der sich unter dem gesamten 

Herrenhaus befindet, ruhen zwei Stockwerke. 

Die Mitte der Hof­ und Westfassade ist mit 

einem nach vorne geringfügig geschobenen 

Mittelrisalit versehen. Jeder Risalit ist mit ei­

nem Dreieckgiebel gekrönt. Die Zentren von 

beiden Mittelrisaliten sind durch eine Dop­

peltreppe akzentuiert. Die Wände des Her­

6. Kirche zu Schleck (Zlēkas). Foto O. Spārītis

5. Ruine von 

Herrenhaus Schleck. 

Foto O. Spārītis

renhauses gliedern sich in jeweils 

5+3+5 Fensterachsen. Aus dem 

steilen und mit Dachpfannen be­

deckten Walmdach ragen vier mo­

numentale Schornsteine. Die farb­

liche Gestaltung des Herrenhauses 

hat sich im Laufe der Zeit variiert. 

Unter den Putzschichten haben sich 

Farbenreste erhalten, darunter sind 

zwei Hauptfarben zu unterschei­

den. Die ursprüngliche Wandfar­

be ist rosa mit weiß in abgesetzter 

Rahmengliederung gewesen. Seit 

1860 hat das Herrenhaus weiß mit 

grauer Rahmengliederung erstrahlt. 

Seit der Eroberung von Kurlandkes­

sel und Kapitulation der deutschen 

Armee am 8. Mai 1945 wurde das 

Herrenhaus Schleck sofort von Rot­

armisten angezündet und niederge­

brannt. Übrig geblieben ist nur eine 

Ruine, die nur theoretisch zu rekon­

struieren ist (Abb. 5). 




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BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER FAMILIE VON BEHR UND DEM HOF VON RUDOLPH II.  

UND DEREN AUSWIRKUNGEN AUF DIE KULTUR KURLANDS

Und nun zum eigentlichen Prunkstück: 

Das ist die Kirche zu Schleck, die von 1643 

bis 1645 erbaut und in den folgenden Jah­

ren von 1648 bis 1652 verziert wurde 

 

(Abb. 6). Das Kirchengebäude besteht aus 



drei Hauptteilen: aus einem monumentalen 

und mit Strebepfeilern gestützten Turm, aus 

einem dreischiffigen und gewölbten Gemein­

deraum und aus einem proportionell in die 

Höhe und Breite reduzierten polygonalen Al­

tarraum. Die Kirchenarchitektur weist auch 

wichtige Merkmale der späten Renaissan­

cearchitektur auf. Die Fassade der Kirche ist 

mit spitzbögigen Fenstern, die der Stilrich­

tung der sogenannten „Nachgotik“ entspre­

chen, geschmückt. Die Wandflächen zwi­

schen den Fenstern sind  durch toskanische 

Pilaster geteilt; alle Ecken und Fenster sind 

von Putzquadern umgeben. Unter der Kirche 

befindet sich die sogenannte „Präsidenten­

gruft“, wo alle Präsidenten und Landräte der 

Familie und des Stifts Pilten in einem separa­

7. Innenansicht von Kirche zu Schleck (Zlēkas). Foto V. Mašnovskis 

ten Grabgewölbe in großen, wappengezierten 

Prunksärgen liegen. 

Was den Innenraum der Kirche betrifft, 

das lässt sich nur mit viel Einbildungskraft 

schildern: Bunte Farben und willkürliche Or­

namente, Schnitzereien des Altars und der 

Kanzel aus dem Repertoir der Manierismus­

kunst Nordeuropas (Abb. 7–8). Dabei fallen 

solche Namen ein wie Cornelis Floris, Hans 

Wredeman de Vriese, Friedrich Unteutsch, 

Donath Horn, Schnitzer Hans Gudewert, Lud­

wig Münstermann und viele andere, die die 

Grundlagen für die Exzentrizität in der Kunst 

gelegt haben. In Schleck ist all dies einem 

Lehrling des herzöglichen Hoftischlers Franz 

Hoppenstädt zu bedanken, dessen Hand­

schrift in fünf Kirchen Kurlands vom 1643 

bis 1652 nachweissbar ist. Sein Stil im 

Schöpfen von manieristischen Ornamenten 

und Grotesken im Knörpelstil kann mit Stil 

von Hans Gudewert oder Ludwig Münster­

mann angeglichen werden, deren Werke im 



raksti

68

8. Kirche zu Schleck (Zlēkas). Altar. Foto V. Mašnovskis




69

BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER FAMILIE VON BEHR UND DEM HOF VON RUDOLPH II.  

UND DEREN AUSWIRKUNGEN AUF DIE KULTUR KURLANDS

Norden Deutschlands zu finden sind (Abb. 



9). Tänzende, spiralartige Darstellungen von 

allegorischen Skulpturen wiederholen die 

Komposition von „Figura serpentinata“ von 

Giovanni da Bologna und Adrian de Wriese. 

Der Silberschatz der Kirche zu Schleck be­

stand aus Gegenständen, die in Hamburg, 

Riga, Augsburg angefertigt waren.

5. Universum der Renaissance

Die Intrigue liegt aber im Konzept der 

ikonographischen und allegorischen Bot­

schaft in der künstlerischen Gestaltung der 

Kirchenbänke, die ein Modell von Universum 

im Sinne von Johannes Keppler in mehreren 

Reichen von Malereien auf dem Patronats­

gestühl darstellen. Die Überlieferung besagt, 



9. Seraph aus der Kanzel  von 

Schleck (Zlēkas). 

Foto V. Mašnovskis

10. Patronatsgestuhl aus der Kirche zu Schleck (Zlēkas). Foto Herder Institut, Marburg 


raksti

70

dass in den Beständen des Kreismuseums zu 



Bauske bis zum Zweiten Weltkrieg ein Ge­

stühl aus der Kirche zu Schleck mit den Dar­

stellungen von sechs Schöpfungstagen auf 

der Brüstung aufbewahrt wurde, das leider 

heute nicht mehr zu finden ist (Abb. 10).

17

 



Das Patronatsgestühl mit sechs bemalten 

Füllungen auf der Brüstung stand ursprüng­

lich vor dem Altar auf der linken Seite der 

Kirche. Die Bilderreihe fängt mit einer iko­

nographischen Darstellung an: Die Trennung 

von Licht und Dunkelheit als Genesis von der 

Materialität. Dies ist auf der linken Tür ge­

malt. Diese Tür ist als das einzige Bruchstück 

und Zeugniss erhalten geblieben. Mit der 

bemalten Füllung wird mitten des bevölkten 

Himmels ein sonniges Zentrum dargestellt, 

was den ersten Tag der Schöpfung symbo­

lisiert. Weitere Füllungen stellen die Schöp­

fung der Erde und die Trennung vom Wasser 

(Moses, Cap. I, Vers 9), die Schöpfung der 

Fisch­ und Vögelwelt (Moses, Cap. I, Vers 

20), der Tierwelt (Moses, Cap. I, Vers 24) so­

wie die Schöpfung der ersten Menschen. Die 

malerische Qualität ist nicht besonders hoch, 

denn im Baltikum im Zeitraum vom 16. bis 

zum 18. Jahrhundert wurden die Altar­ und 

Emporenmalereien nur von Mitgliedern der 

Malerzunft angefertigt; kein anderer ausser 

Zunftmitgliedern war berechtigt, diese Arbeit 

ausführen. Die Malermeister der Zunft waren 

aber hauptsächlich in den Städten und Guts­

höfen mit den Wand­ und Deckenmalereien, 

mit den Fassaden und mit der Möbelbema­

lung beschäftigt; ihre Leistungen in der Gen­

remalerei sind nur den Fertigkeiten von den 

Kupferstichvorlagen zu bedanken.

Die zweite Reihe der Malereien in der Kir­

che zu Schleck lässt die von Gott erschöpfte 

Welt mit fünf Sinnen wahrnehmen. Die rech­

te Reihe von den Kirchenbänken zur Altar­

seite endet mit einer Brüstung, wo auf den 

Füllungen alle fünf Sinne — Visus,  Tactus, 

Odor,  Auditus und Gustus — gemalt sind. 

Von fünf bemalten Füllungen sind heute lei­

der nur noch zwei erhalten, nämlich diejeni­

gen, die die Allegorien von Visus und Odor 

darstellen. Das erste Bild — Visus (Gesicht; 

Sehvermögen) — zeigt eine Frauengestalt mit 

dem Spiegel in der Hand, welcher ihr Ge­

sicht und auch die Welt zu fassen versucht. 

Die zweite Füllung symbolisiert ein anderes 

Frauenbildniss in allegorischer Gestalt. Es ist 

der Sinn Odor  (Geruchssinn), der mit einer 

Geste ein Blumenbunt zur Nase erhebt. Es 

fehlen die weiteren Darstellungen von Tactus 

(Tastsinn), Auditus (Gehör) und Gustus (Ge­

schmack), die höchstvermutlich — ähnlich 

wie die ersten zwei — den Kupferstichvorla­

gen niederländischer Künstler Hendrik Goltzi­

us oder Marten de Vos aus dem Ende des 16. 

Jahrhunderts nah standen.

Die dritte Bildserie befindet sich an den 

Türen der Kirchenbank auf der rechten Seite 

des Gemeinderaumes: Da sind die drei Kardi­

naltugenden — Fides, Spes, Caritas (Glaube, 

Hoffnung, Liebe) — dargestellt in traditionel­

ler ikonographischer Form. Alle drei Allego­

rien haben in vereinfachter Komposition im 

Zentrum eine Frauengestalt: Die erste, mit 

dem Kreuz in der Hand, soll die Tugend vom 

Glaube illustrieren; die zweite Gestalt, mit 

dem Anker an der Hand, ist als Tugend der 

Hoffnung zu verstehen; und die dritte, die 

Frau mit dem Kind auf dem Arm, soll jedes 

Gemeindeglied an die wichtigste aller Tugen­

den erinnern, sie spricht von der Menschen­ 

und der Nächstenliebe. 

Direkt im Gang, unter der Kanzel, zum Al­

tar gerichtet, befinden sich mehrere bemalte 

Füllungen, die eine Reihe der Malereien auf 

den Türen der linken Reihe des Kirchenge­

stühls abschließen. Insgesamt sind neun 

Malereien erhalten. Einige Türen mit bemal­

ten Füllungen fehlen. Die Malereien, die wir 

heute nicht mehr betrachten können, gelten 

als verloren gegangenen. Auf den Füllungen 

bemalte Allegorien sollten vermutlich eine 

didaktische Folge von der Tugend und dem 

Laster des menschlichen Charakters vorstel­

len. Doch die Reihe ist nicht vollständig er­

halten; auch die erhalten gebliebenen Bilder 



71

BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER FAMILIE VON BEHR UND DEM HOF VON RUDOLPH II.  

UND DEREN AUSWIRKUNGEN AUF DIE KULTUR KURLANDS

erlauben keine einheitliche Einsicht in die 

Gestaltung der dialektischen Opposition vom 

„Guten“ und „Bösen“. Obwohl das Konzept 

des Auftraggebers im Ganzen nicht klar ist, 

wird der Verfasser dieses Artikels trotzdem 

versuchen, einige seine Beobachtungen in 

ein System zu bringen. Es ist durchaus mög­

lich, dass der Auftraggeber oder Pastor (als 

Konzeptträger) beim Ausmalen von Füllungen 

hauptsächlich eine intellektuelle Konstruktion 

mit „Thesis“ und „Antithesis“ im Kopf hatte 

und versuchte, mittels der Bildersprache — 

also durch die Sinnbilder — seine Botschaft 

sichtbar machen.

Im mittleren Kirchengang, in der Rich­

tung vom Eingang zum Altar, ist die erste 

allegorische Malerei zu betrachten, die eine 

weibliche Gestalt mit Blumen in einer Hand 

und einem Winkelmass in der anderen dar­

stellt. Es ist zu vermuten, dass diese Frauen­

gestalt eine Allegorie der Justitia/Gerechtig­

keit ist; die Injustitia/Ungerechtigkeit — als 

Opposition — könnte dem Pastor viel Stoff 

zu moralisierenden Gedanken schaffen. Die 

zweite Frauengestalt stellt eine Allegorie der 



Temperantia/Mässigkeit dar: Abgebildet mit 

einer Kanne und einem Pokal zum Mischen 

von Wein und Wasser. Als ungemalte Oppo­

sition zu dieser Allegorie könnte der Pastor 

beim Predigen besiegtes Laster von Luxuria/

Unkeuschheit nennen. Die dritte allegorische 

Darstellung befindet sich auf der Tür des Kir­

chengestühls: Es ist eine Frau mit Spiegel in 

der Hand, zwei Gesichtern und Schlangen 

auf dem Kopf; mit dieser Gestalt ist die Tu­

gend von Prudentia/Klugheit gemeint. Die 

allegorische Bedeutung von diesem Bild ist 

vielschichtig und kann nicht nur als Pruden-

tia/Klugheit, sondern auch als Sapientia/

Weisheit verstanden werden. Der Spiegel gilt 

als Zeichen von Selbsterkenntniss; die zwei 

Gesichter der Frau sind als Hinweis auf die 

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu 

interpretieren. Wenn in Schleck eine Dop­

pelreihe von Allegorien gemalt wurde, dann 

wohl als Opposition von der oben erwähnten 

Tugend, nämlich — als Laster des Insipien-

tia/Dummheit.

Um die Ecke der Kirchenbank, zum Altar 

gerichtet, das erste Bild von links auf dem 

Kirchengestühl (in die Sinnbildserie aber das 

vierte Gemälde), ist eine leicht erkennbare 

Allegorie zu sehen, und zwar eine Frau, die 

über die Schulter eine Säule trägt. Dieses 

Symbolbild hat eine allegorische Bedeutung 

von  Fortitudo/Tapferkeit; dessen Opposition 

durch Allegorie des Lasters der Timor/Furcht 

ausgedrückt werden könnte. Ein weiteres Bild 

zeigt eine Frauengestat mit einem Lamm, das 

die Zuflucht bei Frau sucht. Diese Allegorie 

deutet auf die Patientia/Geduld, welche als 

Tugend die Charakterfähigkeit personifiziert, 

das Laster von Ira/Zorn unterdrücken zu kön­

nen. Eine gemauerte Säule deckt zwei weitere 

Füllungen; deshalb hat der Künstler auch die 

schlecht sichtbaren Felder nur mit bemalten 

dekorativen Ornamenten verziert. Als fünftes 

Bildmotiv kann man eine Frauengestalt mit 

einem Blumenstrauß in der Hand betrachten. 

Die Blumen oder ein Blütenzweig ist vermut­

lich ein Attribut der Tugend von Spes/Hoff­

nung, welcher auf den Sieg über die Despera-

tio/Verzweiflung verweist. Zwei weitere Türen 

des zur nördlichen Wand gerichteten Kir­

chengestühls sind ohne Füllungen. Den Inhalt 

von verlorengegangenen Malereien können 

wir leider nicht glaubwürdig rekonstruieren. 

Die letzte und die einzige auf der nördlichen 

Seite erhalten gebliebene Malerei stellt einen 

schwarz gekleideten, auf dem Tronsessel sit­

zenden Herrscher dar, dessen allegorische 

Deutung sich kaum enträtseln lässt. Die frag­

mentar vorgeführte Bildserie lässt sich als ein 

vielseitiges Universum von christlichen Tu­

genden interpretieren, zu dessen inhaltlichen 

Konzeption die Humanisten der Renaissance 

wesentlich beigetragen haben. Erwähnt sol­

len hier vor allem solche Namen wie And­

rea Alciato (1492–1550) oder Cezare Ripa 

(1560–1645), die ihrerseits viel von  den 

frühchristlichen Theologen, Philosophen und 

Schriftstellern Tertullian (um 160–220) und 




raksti

72

Aurelius Prudentius (348–405) übernommen 



haben.

18

 



Der letzte erwähnensbedürftige Gegen­

stand in der Kirche zu Schleck ist das Pa­

tronatsgestühl auf der rechten Seite des 

Altarraums. Dieses holzgeschnitzte und be­

malte Möbelstück gehört zur Hauptgruppe 

des zwischen 1648 und 1652 angefertigten 

Inventars und stammt höchstvermutlich aus 

der Werkstatt von Franz Hoppenstädt. Bun­

te Ausmalung, komplizierte baldachinartige 

Konstruktion, exotische Schnitzornamente 

machen dieses Patronatsgestühl zu einem 

sichtbaren Symbol des Herrscherstatus und 

stellen die männlichen Erben der Kirche und 

des Patronatsgutes in einer attraktiven Um­

rahmung von allen Gemeindemitgliedern zur 

Schau. Uns interessiert nur die Frontwand 

des Patronatsgestühls mit den vier Füllun­

gen, die mit geschnitzten Bögen, Cartouchen 

und überlappenden Ornamenten im Zentrum 

jeder Füllung eine geschnitzte allegorische 

Figur darstellt. Die Anzahl von vier Figu­

ren gestattet uns anzunehmen, dass diese 

Allegorien der in der griechischen Philoso­

phie durch Platon entwickelten Auffassung 

von den Kardinaltugenden — Temperantia 

(Mäßigkeit),  Prudentia (Klugheit), Fortitudo 

(Tapferkeit) und Justitia  (Gerechtigkeit) — 

entsprechen. Fast alle geschnitzten Figuren 

haben während der Jahrhunderte ihre Identi­

fikationsattribute verloren. Die dritte Füllung 

von links lässt leicht die Allegorie der Fortitu-

do/Tapferkeit erkennen. Die im langen Rock 

gekleidete Frauenfigur trägt auf der Schulter 

eine Säule und lässt sich ohne Zweifel in ih­

rer allegorischen Bedeutung identifizieren. 

Wenn wir die fehlenden Attribute von an­

deren Allegorien in unserer Imagination er­

gänzen würden, wie etwa der Allegorie der 

Mäßigkeit — Kanne und Pokal, der Allego­

rie der Klugheit — den Spiegel, der Allego­

rie der Gerechtigkeit — den Schwert und/

oder die Waage, dann können wir schluss­

folgern, dass die ersten drei — die Mäßig­

keit, Klugheit und Tapferkeit — der vierten 

mächtigeren allegorischen Tugend, nämlich 

der Gerechtigkeit, untergeordnet sind. Dies 

wird „als Früchte des ewigen Lebens“ und als 

ein verbindlicher Kanon in der christlichnen 

Ethik übernommen. Die in diesem Patro­

natsgestühl sitzenden männlichen Erben des 

Adelsgeschlechtes von Behr personifizierten 

das christliche und ethische Ideal der Renais­

sance. Es sollten auch während ihrer Lebzeit 

genug gebildete Familienangehörige und Ge­

meindemitglieder gegeben haben, die diesem 

Konzept als Gelehrte folgen könnten.

Es ist äusserst interessant, die Denkmus­

ter der Vergangenheit zu enträtseln und die 

zum Humanismus der Renaissance führen­

den geistlichen, ethischen, philosophischen 

Konstruktionen identifizieren zu versuchen. 

Für den einzigartigen Gutskomplex von Ed­

wahlen sowie auch für das Gut und die Kir­

che von Schleck haben wir dem europäisch­

geprägten Geschlecht der Barone von Behr 

in der Verwandschaft zu den hochadligen 

böhmischen Geschlechtern von Schleinitz 

und von Biberstein zu verdanken. Der heu­

tige Zustand von den erwähnten Kulturdenk­

mälern, die durch Kriege stark beschädigt 

wurden, ist jedoch trotz fehlender Bau­ und 

Kunstelemente genug aufschlussreich, um 

das Erhaltene richtig deuten zu können und 

die daraus gewonnenen Erkenntnisse für die 

Zukunft weiterzugeben.



Endnotes

1

  Behr, Paul Baron von. Aus der 800-Jäh-



rigen Geschichte des Geschlechtes Behr. 

Göttingen, 1954–1956, S. 5.

2

  Fircks, Friedrich von. Ueber den Ursprung 



des Adels in dem Ostsee-Provinzen Russ-

lands und das den alten Rittergeschlech-

tern daselbst gebührende Prädicat. Vom 

Freiherrn Friedrich von Fircks. Mitau und 

Leipzig bey A. Reyher, 1843, S. 145.

3

  Fircks, Friedrich von. Ueber den Ursprung 



des Adels in dem Ostsee-Provinzen Russ-

lands.  S. 145. 

Pistohlkors, Gert von. Deutsche Geschich-




73

BEZIEHUNGEN ZWISCHEN DER FAMILIE VON BEHR UND DEM HOF VON RUDOLPH II.  

UND DEREN AUSWIRKUNGEN AUF DIE KULTUR KURLANDS

te  im  Osten  Europas. Baltische Länder. 

Siedler Verlag, Berlin, 1994, S. 155.

5

  Schmidt, Oscar Emil. Album Balticum. 



Landschafts­, Cultur­ und Reisebilder als 

Beiträge zur baltischen Heimatskunde. 

Bd. I, Riga, Ernst Plates, 1907, S. 22.

6

  Schmidt, Oscar Emil. Album Balticum.  



S. 24.

7

 Vogell, Friedrich. Versuch  einer  Ge-



schlechtsgeschichte des hochadelichen 

Hauses der Herren Behr im Hannover-

schen  und  Curländischen  aus  theils  be-

reits gedruckten, theils ungedruckten 

Urkunden entworfen. Zelle, bei Schweiger 

und Pick, 1815, S. 99.  

8

  Baron Alexander von Behr — Edwahlen. 



Der Kurländische Güterbesitz. Herder In­

stitut, Marburg (Handschrift), DSHI 190 

— Kurland, XVI, M 200, Tabelle, ohne 

Seitenangabe. 

9

  Behr, Ulrich Baron von., Senning Alex­



ander. Edwahlen und die Behrsche Ecke 

in Kurland. Lührs & Röver, Verden­Aller, 

1979, S. 79.

10 

Biographisches Lexikon zur Geschichte 

der  Böhmischen  Länder. Hrsg. von He­

ribert Sturm, Bd. 1, A–H, R. Oldenbourg 

Verlag München–Wien, 1979, S. 90.

11 


Neue deutsche Biographie. Bd. 23, 

(Schinzel–Schwarz), Duncker & Humlot 

Verlag, Berlin, 2007, S. 57.

12

 Buchholz, Anton. Goldschmiedearbeiten 



in Livland, Esthland und Kurland. Lübeck, 

1892 Tafeln XV–XXIII.  

13 

Behr, Ulrich Baron von., Senning Alex­



ander. Edwahlen und die Behrsche Ecke 

in Kurland. Lührs & Röver, Verden­Aller, 

1979, S. 428.

14

 Behr, Ulrich Baron von., Senning Alex­



ander. Edwahlen und die Behrsche Ecke 

in Kurland. Lührs & Röver, Verden­Aller, 

1979, S. 93.

15 

Baugeschichte Schleck. NDS Landes-



archiv-Staatsarchiv  Stade. Dep. 5 B II,  

Nr. 1657, S. 3.

16

  Allgemeines Lexikon der bildenden 



Künstler von Antike bis zur Gegenwart. 

Hrsg. von Ulrich Thieme und Felix Becker. 

Bd. 3/4, E.A. Seemann Verlag, Leipzig, 

1999, S. 171.

17

  Das Foto ist im Bildarchiv des Herder In­



stituts Marburg erhalten.

18

 Sachs, Hannelore; Badstübner, Ernst; 



Neumann, Helga.  Christliche  Ikonogra-

phie in Stichwörten. Koehler & Amelang, 

München–Berlin, 1996, S. 342–346. 



FON BĒRU DZIMTAS SAIKNES RŪDOLFA II GALMĀ UN TO IETEKME 

KURZEMES ARHITEKTŪRĀ UN MĀKSLĀ

Ojārs Spārītis

osparitis@gmail.com

Kopsavilkums

Atslēgas vārdi: Rūdolfs II, fon Bēru dzimta, Kurzemes hercogiste, Ēdoles pils,  

Zlēku baznīca, renesanse, manierisms, humānisms, arhitektūra, māksla 

Sakrālā arhitektūra un māksla ir būtiska Latvijas kultūras mantojuma sastāvdaļa. Sabied­

rība to vienmēr respektējusi un tā ir tikusi mazāk postīta, tādēļ cauri gadsimtiem tā arī labāk 

saglabājusies nekā citi kultūras mantojuma slāņi. Rakstā apcerēta neparasti augstas kvalitātes 




raksti

74

arhitektūras un mākslas mantojuma daļa — Ēdoles un Zlēku muižu ansambļi, kas radušies 



Kurzemē 17. gs. pirmajā pusē, un analizēti apstākļi, kas veicinājuši šo vērtību attīstīšanos. 

Pēc Piltenes bīskapijas pāriešanas Dānijas karaļa Fridriha II valdījumā 1559. g., Johans 

fon Bērs sāka pārvaldīt ievērojamas teritorijas gan tagadējās Igaunijas, gan Latvijas teritorijā — 

Ēdoles un Zlēku muižas. Dažus gadus vēlāk — 1564. g. — Johans fon Bērs ieguva īpašumā 

šīs un vēl citas muižas Kurzemē. Johanam fon Bēram bija ne vien plašs saimnieciskais vē­

riens, bet arī izcilas politiskās komunikācijas iemaņas. Lai novērstu tālāk Krievijas ekspansiju 

Baltijas jūras reģionā, Dānijas karaļa Fridriha II brālis — hercogs Magnuss — 1580. g. sūtīja 

Johanu fon Bēru uz Maskavu ar diplomātisku uzdevumu pie Ivana IV (Bargā), kur viņš sekmīgi 

pārstāvēja poļu un zviedru intereses un panāca mieru uz vairākiem gadu desmitiem.

Kā diplomāts un sekmīgs saimnieks Johana fon Bēra pēdās sekoja viens no viņa četriem 

dēliem — Verners fon Bērs (1565–1612). Pēc tieslietu studijām Rostokas un Kēnigsbergas 

universitātēs Verners fon Bērs atgriezās Kurzemē un sāka pārvaldīt Ēdoles, Ugāles, Popes un 

Rindas muižas, no Ēdoles kā otru nozīmīgāko īpašumu izdalot un attīstot saimniecību Zlēku 

muižā. Šajā laikā saimnieciski orientētais Kurzemes hercogs Vilhelms augstu vērtēja Vernera 

fon Bēra diplomātiskās prasmes un 1596. g. nosūtīja viņu uz Prāgu saimniecisku saišu veido­

šanai ar karaļa Rūdolfa II galmu, kura intereses, paralēli merkantilajām, bija cauraustas arī ar 

renesanses humānisma idejām. 

Diplomātiskā misija beidzās ar to, ka Prāgā Verners fon Bērs iepazinās ar ievērojamo čehu 

magnātu  Johana  fon  Šleinica  un  Annas  fon  Biberšteinas  meitu  Sibillu,  kuru  apprecēja  jau 

tā paša gada vasarā. Šo dzimtu savienība vairākās paaudzēs rosināja visaugstākās raudzes 

kultūras paraugu iesakņošanos Kurzemē, kuru vidū ir gan Ēdoles pils un baznīcas izbūve, gan 

Zlēku muižas kungu mājas arhitektūra, kura varēja rasties ar Prūsijas karaļa Fridriha II galma 

arhitektu Žana de Bodta un Johana fon Kollāsa palīdzību. Arī Zlēku muižas kompleksa un tā 

sastāvā integrētās Zlēku baznīcas arhitektoniskās un mākslinieciskās kvalitātes tālu pārsniedz 

caurmēra sniegumu un ir vērtējamas kā izcili piemēri renesanses humānisma ideju un manie­

risma stila tendenču pārcēlumam Latvijas kultūras mantojumā.         



Par autoru

Dr. habil. art. Ojārs Spārītis, mākslas vēsturnieks, Latvijas Mākslas akadēmijas profesors. 

Specializējies Latvijas arhitektūras un mākslas vēstures teorijas un stilistikas, kā arī kultūras 

mantojuma aizsardzības jautājumos. Īpašu uzmanību pētījumos velta renesanses, reformācijas 

un konfesionalizācijas perioda kultūras mantojumam.





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