Zum Thema Affekt in der Psychoanalyse – einige lose Enden



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„Das Problem liegt nicht darin, ob Affekte entweder Spannungs- oder Abfuhrvorgänge sind. Zweifellos sollten wir an Freuds ursprünglicher Definition festhalten, nach der die Affekte Abfuhrvorgängen entsprechen; wir sollten seine Definition jedoch um die Feststellung ergänzen, daß Affekte wohl ebenso gut die Anstiege wie auch die Verminderung von Spannung im Verlauf eines Abfuhrvorganges ausdrücken können, und daß sie während der Initialphase eines anhaltenden Spannungsanstiegs entstehen (Jakobson 1971, S. 39).


Ich glaube, daß Jakobson das Problem tatsächlich geklärt hat. Dafür spricht, daß diese Diskussion später kaum mehr eine Rolle spielt. Was sie damit geleistet hat ist meines Erachtens vor allem die Klarstellung, daß auch bei einem Affekt, den wir als Spannungszustand empfinden, es metapsychologisch gesehen um einen Abfuhrvorgang geht. Abfuhr bedeutet hier nicht die Befreiung von Spannung, sondern, um es in Freuds Worten zu wiederholen, Abfuhr von psychischer Energie aus dem psychischen Apparat durch motorische, innere Veränderung des eigenen Körpers.
Eine wichtige Erklärung für diese Kontroverse liefert auch noch Kernberg (1976 und 1992), der Brierley und Jakobson als wichtige Vorläufer seiner Affekttheorie bezeichnet. Bei ihm wird der Gegensatz von Abfuhr versus Spannung zu jenem von zentral versus peripher. Er vermutet, daß Freud in seiner Affekttheorie ausschließlich den Abfuhraspekt betonte, weil er unter dem Einfluß der damals vorherrschenden Theorie von James und Lange stand, welche besagt, daß der Affekt die Wahrnehmung der während der Aktivierung affektiver Verhaltensmuster auftretenden physischen Veränderungen, also peripherer Vorgänge sei.9 James gebrauchte dafür folgendes Bild: Wir laufen nicht vor dem Bären weg, weil wir uns fürchten, sondern wir fürchten uns, weil wir davonlaufen. Freud bezeichnet in den Vorlesungen (1917, S. 383) diese Theorie zwar explizit als unbrauchbar für die Psychoanalyse. Aber Kernberg mag durchaus recht haben, daß sie ihn beeinflußte, zumal sie tatsächlich bis in die 20er Jahre dominant war. Erst dann entwickelte der Physiologe Walter Cannon eine gegenläufige Theorie, wonach die physischen Veränderungen Ausdruck von Affekten seien, aber weder ihre Ursache noch mit ihnen identisch. Affekte wären demnach, und das ist auch die Meinung Kernbergs, primär zentrale Phänomene wie z.B. psychische Spannungszustände. Kernberg meint damit, „daß die subjektive Qualität eines bewertenden Empfindens das Kernmerkmal eines jeden Affektes ist.“ (1992, S. 16).

Mit anderen Worten: wir laufen doch primär deswegen vom Bären weg, weil wir uns fürchten. Aber eben nur primär. Auch auf dieser Ebene scheint es um kein ausschließliches entweder oder zu gehen, wie im Übrigen auch heutige Neurophysiologen zu bestätigen scheinen (LeDoux 1996).


Eine andere Schwierigkeit, die sich aus dem ökonomischen Gesichtspunkt ergibt, möchte ich noch kurz erwähnen. Die von Freud aufgestellte Gleichung Affekt = Quantität = Ökonomie hatte den Nachteil, daß sie dazu führte, die Rolle der an der Produktion von Qualität beteiligten Mechanismen zu übersehen (vgl. auch Green 1979 S. 700). Die Qualität von Affekten war reduziert auf den ökonomischen Vorgang von Steigerung oder Verminderung der Spannung im psychischen Apparat, welche Unlust bzw. Lust erzeugen. Erst 1924 in „Das ökonomische Problem des Masochismus“ gibt Freud diese fixe Zuordnung auf. Darin gesteht er die Existenz angenehmer Spannungen und unangenehmer Entspannungen zu, was impliziert, daß andere, nicht unbedingt quantitative Faktoren zu diesen Qualitätsunterschieden führen.

So betonte denn auch Brierley schon 1936, daß der quantitative Gesichtspunkt unzureichend für die Erforschung der Affekte ist und rief dazu auf, auch qualitative Faktoren zu berücksichtigen. Sie tut dies, indem sie den Affekt nicht nur als Anzeichen des Triebes, sondern ebenso für die Art der Objektbeziehung sieht. (Brierley 1936, S. 446).

Als Beispiel für eine metapsychologische Reflexion der Qualität von Affekten sei wiederum noch Edith Jacobson genannt. Sie macht einen Vorschlag zur Einteilung der Affekte, in der die Qualität sozusagen mit dem Ort der Entstehung im psychischen Apparat zu tun hat: ob sie etwa durch Spannungen im Es (z.B. Wut) oder im Ich (z.B. Realangst) oder durch Spannungen ziwschen Es und Ich (z.B. Ekel) oder zwischen Ich und Über Ich (z.B. Schuldgefühl) hervorgerufen werden (1971, S. 27).
Aber die großen Probleme ergeben sich nicht daraus, wie denn nun der Affekt als quantitatives Phänomen am besten zu erfassen sei, sondern daß er überhaupt als Quantität, als Energiephänomen konzipiert wird. Dies hat vor allem Auswirkungen auf die Möglichkeiten, Affekte topisch einzuordnen.

Folgt man auch in diesem Punkt dem Resümee von Ruth Stein, so muß man sagen, daß die Erklärung von Affekten in Begriffen psychischer Energie unhaltbar ist. André Green ist vielleicht der einzige, der dem dezidiert widersprechen würde, der Affekte sehr wohl weiterhin als energetische Phänomene denkt. Darauf werden ich noch zurückkommen.



Der topische Gesichtspunkt: Affekt versus Vorstellung
Ist die vorangegangene Frage eher dem ökonomischen Aspekt zuzuordnen, so ergeben sich auch für das topische Modell und dem damit zusammenhängenden dynamischen Gesichtspunkt grundlegende theoretische Probleme, die aus einem praktischen Gesichtspunkt für’s Erste etwas befremdlich anmuten: Genau genommen kann ein Affekt nicht unbewußt sein, auf jeden Fall nicht so wie eine Vorstellung. Und es ist daher auch nicht richtig, im Zusammenhang mit einem Affekt von Verdrängung zu sprechen, er kann vielmehr nur unterdrückt werden.

Freud widmet sich diesem Komplex vor allem in den metapsychologischen Schriften von 1915:

In „Die Verdrängung“ (1915; GW X: 254f) führt er aus , daß neben der „Vorstellung oder Vorstellungsgruppe, welche vom Trieb her mit einem bestimmten Betrag von psychischer Energie (Libido, Interesse) besetzt ist“, noch „etwas anderes, was den Trieb repräsentiert“, in Betracht komme. Für dieses „andere Element der psychischen Repräsentanz“ habe sich der Name „Affektbetrag eingebürgert; er entspreche „dem Triebe, insofern er sich von der Vorstellung abgelöst hat und einen seiner Quantität gemäßen Ausdruck in Vorgängen findet, welche als Affekte der Empfindung bemerkbar werden.“ Auf psychischer Ebene wird also demnach der Trieb durch eine „Triebrepräsentanz“ oder „psychische Repräsentanz“ kenntlich, wobei „Vorstellungsrepräsentanz“ und „Affektbetrag“ unterschieden sind.

Konsequenterweise betrifft die Verdrängung eigentlich nur die Vorstellung:

„Wir werden von nun an, wenn wir einen Fall von Verdrängung beschreiben, gesondert verfolgen müssen, was durch die Verdrängung aus der Vorstellung und was aus der an ihr haftenden Triebenergie geworden ist.“ (GW X, S. 255).

Das Schicksal des Affektbetrages kann nach Freud „ein dreifaches“ sein:

Der Trieb werde „ganz unterdrückt, so daß man nichts von ihm“ auffinde, oder er „komme als irgendwie qualitativ gefärbter Affekt zum Vorschein“, oder er werde „in Angst verwandelt“ (GW X: S. 255f)

In der darauffolgenden Schrift „Das Unbewußte“ führt er dann aus:

„Es besteht aber im Vergleich mit der unbewußten Vorstellung der bedeutsame Unterschied, daß die unbewußte Vorstellung nach der Verdrängung als reale Bildung im System Ubw bestehen bleibt, während dem unbewußten Affekt ebendort nur eine Ansatzmöglichkeit, die nicht zur Entfaltung kommen durfte, entspricht. Streng genommen und obwohl der Sprachgebrauch tadellos bleibt, gibt es also keine unbewußten Affekte, wie es unbewußte Vorstellungen gibt.“(Freud 1915b, GW X, S. 277).

Im Rahmen dieser Theorie kommt also, wie Fenichel (1941, S 250) betont, der Ausdruck „unbewußter Affekt“ einer contradictio in adjecto gleich. Es gibt demnach nur unbewußte Affektdispositionen. Im gleichen Artikel beschreibt Fenichel die Abwehrmechanismen gegen die Affekte, die sich, abgesehen von der „vollständigen Blockierung“, nicht allzu sehr von denen gegen die Vorstellung unterscheiden. Was auf der Ebene der klinischen Theorie sozusagen alltägliche Realität ist, stellt metapsychologisch, vor allem wenn man das Unbewußte nicht bloß deskriptiv, sondern dynamisch konzipiert, ein ernsthaftes Problem dar: der unbewußte Affekt.

In „Das Ich und das Es“ geht Freud die Frage auf dem Hintergrund der theoretischen Weiterentwicklung erneut an. Er spricht dort nicht von Affekten, sondern von „Empfindungen von Vorgängen des seelischen Apparates“:

„Die innere Wahrnehmung ergibt Empfindungen von Vorgängen aus den verschiedensten, gewiß auch tiefsten Schichten des seelischen Apparates. Sie sind schlecht gekannt, als ihr bestes Muster können noch die der Lust-Unlustreihe gelten. Sie sind ursprünglicher, elementarer als die von außen stammenden, können noch in Zuständen getrübten Bewußtseins zustande kommen. Über ihre größere ökonomische Bedeutung und deren metapsychologische Begründung habe ich mich an anderer Stelle geäußert. Diese Empfindungen sind multilokulär wie die äußeren Wahrnehmungen, können gleichzeitig von verschiedenen Stellen kommen und dabei verschiedene, auch entgegengesetzte Qualitäten haben.

Die Empfindungen mit Lustcharakter haben nichts Drängendes an sich, dagegen im höchsten Grad die Unlustempfindungen. Diese drängen auf Veränderung, auf Abfuhr und darum deuten wir die Unlust auf eine Erhöhung, die Lust auf eine Erniedrigung der Energiebesetzung. Nennen wir das, was als Lust und Unlust bewußt wird, ein quantitativ-qualitativ Anderes im seelischen Ablauf, so ist die Frage, ob ein solches Anderes an Ort und Stelle bewußt werden kann oder bis zum System W fortgeleitet werden muß.“ (GW XIII, S. 247)

Klar scheint mir, daß Affekte unter dieses quantitativ-qualitativ Andere fallen, das als Lust oder Unlust bewußt wird. In dieser Schrift, in der es so viel um unbewußte Schuldgefühle geht, hat es selbstverständlich zu sein, daß es unbewußte Affekte gibt. Ihre Existenz im Ubw unterscheidet sich von der Vorstellung dadurch, daß sie keine Worte als Verbindungsglieder brauchen, um bewußt werden zu können. Der Affekt hat somit einen, wie Green es bezeichnet, eigenen Daseinsmodus im Unbewußten, der sich vor allem durch Körpernähe und Sprachferne auszeichnet.

Aber Freud kommt damit zu keiner theoretischen Lösung, die Terminologie bleibt für ihn unkorrekt:

„Es bleibt also richtig, daß auch Empfindungen und Gefühle nur durch Anlangen an das System W bewußt werden; ist die Fortleitung gesperrt, so kommen sie nicht als Empfindungen zustande, obwohl das ihnen entsprechende Andere im Erregungsablauf dasselbe ist. Abgekürzter, nicht ganz korrekter Weise sprechen wir dann von unbewußten Empfindungen, halten die Analogie mit unbewußten Vorstellungen fest, die nicht ganz gerechtfertigt ist. Der Unterschied ist nämlich, daß für die ubw Vorstellung erst Verbindungsglieder geschaffen werden müssen, um sie zum Bw zu bringen, während dies für die Empfindungen, die sich direkt fortleiten, entfällt. Mit anderen Worten: die Unterscheidung von Bw und Vbw hat für die Empfindungen keinen Sinn, das Vbw fällt hier aus, Empfindungen sind entweder bewußt oder unbewußt. Auch wenn sie an Wortvorstellungen gebunden werden, danken sie nicht diesen ihr Bewußtwerden, sondern sie werden es direkt.“ (GW XIII S. 250).

Trotz aller theoretischen Schwierigkeiten ist, wie auch Green sehr überzeugend herausarbeitet, die Wiederhinwendung zum Affekt deutlich. Bestand das dynamisch Unbewußte in der ersten Topik nur aus Vorstellungen, so ist das Es vor allem die Heimat der Triebregungen, der Affekt scheint, wenn man Greens Verständnis folgt, einen eigenen Status im Unbewußten zu haben.

Bemerkenswert finde ich auch, daß im Aufsatz über „Fetischismus“ sich das Verhältnis schließlich umdreht:

„Will man ... das Schicksal der Vorstellung von dem des Affekts schärfer trennen, den Ausdruck >Verdrängung< für den Affekt reservieren, so wäre für das Schicksal der Vorstellung >Verleugnung< die richtige deutsche Bezeichnung“ (GW XIV, S 313).

War früher dieser Ausdruck für die Vorstellung reserviert , so ist es nun der Affekt, der verdrängt wird.


Die Frage, wie weit Affekte metapsychologisch gesehen unbewußt sein können, präziser formuliert, ob und wie sie Teil des System Ubw sein können, ignorierten die meisten Autoren nach Freud oder glaubten, eine einfache Lösung dafür parat zu haben. Die einfache Lösung bestand immer darin, dem Affekt einen Vorstellungsgehalt oder kognitiven Gehalt zuzuordenen. Dieser kognitive Gehalt könne dann eben wie Vorstellungen und Gedanken sonst auch, unbewußt sein (vgl. Zilboorg, Lewin, Schur, Brenner).Auf dieses Verhältnis zwischen Kognition und Affekt wird später nochmals eingegangen.

Eine andere Lösung ergibt sich aus einem „Kluster-Konzept“, wie es Sandler vertritt (Vgl. Stein 1991, S. 183). Der Affekt ist dabei durch mehrere Kriterien definiert, die er nicht alle erfüllen muß: Körperveränderungen, mimischer Ausdruck, Gedanken, die das Gefühl begleiten, das Gefühl selbst, und der Drang, etwas dem Gefühl entsprechendes zu tun. Wir können danach ein Phänomen Affekt nennen, wenn es die meisten dieser Kriterien erfüllt. Wenn also körperliche Veränderungen, mimischer Ausdruck und teilweise Gedanken vorhanden sind, können wir auch ohne subjektive Bewußtheit eines Gefühls von Affekt sprechen. (Ähnlich ist auch das „Modul-Konzept“ bei Krause 1998 konzipiert).


Diese Lösungen gehen für André Green alle völlig am eigentlichen Problem vorbei. Er ist der einzige Autor, der sich weiter intensiv mit dieser metapsychologischen Fragestellung beschäftigt, für den sie geradezu die zentrale Frage im Zusammenhang mit der Affekttheorie darstellt.

Er interpretiert die oben zitierten metapsychologischen Erörterungen Freuds dahingehend, daß den Affekten ein eigener Status im Ubw zukomme. Es ist vor allem die Unterscheidung in Repräsentanz und Affekt, auf die er immer wieder zurückkommt. So lautet auch der Titel seines Vortrages in Santiago: „On discriminating and not discriminating between affect and representation“. Affekt und Repräsentanz stehen für ihn in grundlegender Opposition. Dies ist etwas schwer verständlich. Wie oben zitiert spricht Freud vom Affektbetrag als anderes Element der psychischen Repräsentanz. Da ist also der Affekt eine Triebrepräsentanz.

Um zu verstehen, was Green meint, wenn er von der Opposition zwischen Affekt und Repräsentanz spricht, finde ich eine Stelle in seinem letzten Buch ganz hilfreich. Der Gedanke, der ihn geführt habe, sagt er da, sei die unauflösliche Interdependenz von Kraft und Bedeutung. Kraft könne man nur als orientierten Vektor beschreiben und sei deshalb immer auch Bedeutung. Bedeutung sei nicht zu trennen von einem Ziel, auf das sie sich richtet, bewegt von einer inneren Gewalt, daher nicht zu trennen von einer Kraft. Gleichzeitig sei es wichtig, Kraft und Bedeutung auseinanderzuhalten. Er unterscheide zwischen ihnen in den Kategorien des Ökonomischen und des Symbolischen. Die Kategorie des Ökonomischen verbindet er mit „bewegte Quantität“, also Verteilung, Austausch und Transformation von Kraft – das ist wohl das, was Freud Affektbetrag nennt. Die Kategorie des Symbolischen verbindet er mit Repräsentanz, welche, genährt von den vitalen Triebkräften des Körpers, Sprache und Gedanken ermögliche (Green 1999b, S. 230).

Reden können wir demnach über Affekte nur insofern, als Sach-Vorstellungen und Wort-Vorstellungen sich mit ihnen gedanklich verbinden. Aber manchmal erscheinen Affekte eben in einem Rohzustand, ohne daß eine Repräsentanz mit ihnen assoziiert ist (vgl. Green 1999b, S. 3). Als Beispiele beschreibt Green Übertragungsformen bei der Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen, in denen das Unrepräsentierbare überwiegt:

„Sie werden begleitet von Gefühlen des Überwältigtseins, vom Wiederholungszwang, von Agieren und somatischen Reaktionen. In der Gegenübertragung erlebt der Analytiker oft Gefühle der Hilflosigkeit und Verzweiflung und sogar die Unmöglichkeit, die Bedeutung der Mitteilungen des Patienten zu erfassen.“(Green 1999a, S. 314).

Mit diesen klinischen Beschreibungen werden wahrscheinlich viele übereinstimmen. Die wesentliche Frage bleibt aber: erkennt man darin die Existenz von psychischen Phänomenen, die nicht zum Bewußtsein gehören und die nicht erklärt werden können, indem man sie in Begriffen unbewußter Repräsentanzen beschreibt? Bemerkenswert finde ich, daß er mit dieser Frage so allein auf weiter Flur zu sein scheint.10 Man könnte meinen, er sei der letzte verbliebene große Theoretiker, der voll auf dem Boden der Freudschen Metapsychologie steht. Immer ein Gegner der Ich-psychologischen Anpassungstheorie nach Hartmann, warnt er auch davor, die regulierende Kontrolle des Ich über die Affekte zu wichtig zu nehmen. Auch wenn das Ich der Ort des Auftretens von Affekten sei, könne man es nicht einfach bei dieser Beobachtung belassen, außer man spreche dem Unbewußten die Möglichkeit ab, Affekte hervorzubringen. (Green 1999a, S. 286).


Einen Widerspruch, den ich in Zusammenhang mit der Verdrängung nur kurz erwähnen möchte und der auch nicht weiter diskutiert wurde, kann man folgendermaßen formulieren: Wenn man davon ausgeht, daß das Ich die Stätte der Affekte ist und daß Affekte verdrängt werden können stellt sich die Frage, wohin sie strukturell gesehen verdrängt werden? Dies nicht nur, weil sie nach dieser Feststellung keine Affekte mehr wären, wenn sie in das Es verdrängt würden. Freud stellt ja auch fest: „Für den Fall der Verdrängung wird die Tatsache entscheidend, daß das Ich eine Organisation ist, das Es aber keine; das Ich ist eben der organisierte Anteil des Es.“(S 124) Zumindest Signal-Affekte sind aber organisiert. Brierley versucht dieses Dilemma zu lösen, indem sie das verdrängte Unbewußte nicht dem Es, sondern primitiven Ich-Systemen zuteilt. (Brierley 1936, S. 450). Aber ich habe mich gefragt, ob dieser Widerspruch nicht genau so für die Vorstellungen besteht und es schlicht unhaltbar ist, das Es als bar jeder Organisation zu konzipieren.

Wegen der offensichtlich großen Bedeutung für die Auffassung der Affekte möchte ich auch dem strukturellen Gesichtspunkt eine eigene Überschrift widmen.






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