Die deutsche Gelehrtenrepublik. Ihre Einrichtung. Ihre Geseze. Geschichte des lezten Landtags. Auf Befehl der Aldermänner durch Salogast und Wlemar. Herausgegeben von Klopstock. Erster Theil



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Der Abend.

Unterstüzung der Wissenschaften, die wir zu erwarten haben.


Die Versamlung im Thale war heute sehr zahlreich. Es wurde viel, und lebhaft von der Republik gesprochen. Unter anderm wurde Klopstock auf eine Weise veranlast, daß er es nicht von sich ablehnen konte, sich über den Inhalt der Zuschrift, die vor Hermanns Schlacht steht, näher zu erklären. Er wolt es, sagte er, der Geselschaft überlassen, nach einigen Stellen aus einem Plane zur Unterstüzung der Wissenschaften in Deutschland, und aus darüber gewechselten Briefen, von dem Inhalte dieser Zuschrift, zu urtheilen.

Der Plan hatte die Überschrift: Fragment aus einem Geschichtschreiber des neunzehnten Jahrhunderts. Wir müssen erst übersehn, (stand darinn) in welchem Zustande der Kaiser die Wissenschaften fand, eh wir von dem, in welchen er sie gesezt hat, urtheilen. Dieser Zustand war, daß die Gelehrten Deutschlands von keinem ihrer Fürsten unterstüzt wurden; und daß, indem sie das Verdienst hatten, alles, was sie thaten, allein zu thun, die Unterstüzung, auf die man sich hier und da ein wenig, und nur auf kurze Zeit einließ, viel zu unbedeutend war, als daß sie auf die Gegenwagschale jenes Verdienstes gelegt werden konte. Stolz konte freylich ein solches Verdienst diejenigen machen, die es hatten; aber zu einer Zeit, da eine Nation in Absicht auf die Wissenschaften in einer gewissen Bewegung ist, ist dem Fortgange derselben, und der Erreichung eines hohen Zieles nichts hinderlicher, als es haben zu müssen. Der Kaiser sah die Bewegung, in der die Nation war, und daß er in einem Perioden lebte, den seine Vorfahren vergebens würden haben hervorbringen wollen; er ergrif den Augenblik des Anlasses, und entschloß sich zu seyn, was er, weil er vaterländisch dachte, zu seyn verdiente ...

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(...) Wo drey Puncte stehn, fehlt etwas.

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Unterdeß fuhr die Nation fort ihre Sprache zu lieben, die Werke ihrer guten Scribenten mit Beyfalle aufzunehmen, und überhaupt Talenten mit viel mehr Antheile, als sonst gewönlich gewesen war, Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen. Und dieß war der Zeitpunkt, in welchem ein junger Kaiser, der den Geist Karls des Fünften in sich fühlte, Deutschlands Oberhaupt wurde. Die Nation war ungeachtet der Bewegung, in welcher er sie fand, gleichwol noch nicht patriotisch genung; einige der besten Werke der schönen Wissenschaften waren noch ungeschrieben, und viele Erfindungen der philosophischen waren noch nicht da. Ein Volk, das in viele Fürstenthümer abgesondert ist, konte auch nicht eher mit einem gewissen Feuer, und mit Festigkeit vaterländisch seyn, als bis man es veranlaste, Gesinnungen der Verehrung und der Dankbarkeit in seinem Oberhaupte zu vereinigen. Dieses, auch durch Unterstüzung der Wissenschaften, zu thun, und ihm durch die Kürze der Zeit, in der es ausgeführt wurde, eine noch stärkere Wirkung zu geben, war, und verdiente das Werk eines Kaisers zu seyn, dessen Namen unsre besten Dichter, und unsre strengsten Geschichtschreiber so oft ausgesprochen haben. Da die, welche in den philosophischen, und in den schönen Wissenschaften gut schrieben, als solche von Männern erkant wurden, denen man Entscheidung auftragen konte; so wurde hierdurch ein Grund gelegt, ohne den die Belonungen würden Verschwendungen gewesen seyn. Die Zahl derer, die zu entscheiden hatten, war klein. Sie hatten, und durften nichts Geringers, als die Ehre des Vaterlandes, des Kaisers, und der Beschüzer der Wissenschaften, die der Kaiser durch diese Befehle unterscheiden wolte, zum Zwecke haben. Auch ihre eigne Ehre konte ihnen nicht gleichgültig seyn. Sie hatten andern Gelehrten, oder wer sich sonst ins Urtheilen mischen wolte, gar keine Rechenschaft, aber dem Kaiser und den Beschüzern der Wissenschaften alle mögliche von ihren Urtheilen zu geben: und da diese oft gegeben wurde; so sähe man in das Innerste der Sache, und war nicht in Gefahr, Unwürdige zu belonen.



Der Gedanke, eine kaiserliche Druckerey zu errichten, und darinn die besten Werke zum Vortheile ihrer Verfasser zu drucken, fand deswegen nicht statt, weil es zu schwer war auszumachen: Welchen Grundsäzen die Censoren dennoch folgen müsten, wenn es auch bey den Büchern nicht in Betrachtung kommen solte, ob die Verfasser Katholiken, oder Protestanten wären. Wenigstens hätte die Festsezung dieser Grundsäze zu viel Zeit erfodert; und man hätte sich gleich Anfangs in Schwierigkeiten verwickelt, statt mit schnellen Schritten zur Erreichung des vorgesezten Zweckes fortzueilen.

Die Belonungen für die guten, und für die vortreflichen Scribenten, und für die nicht schreibenden Erfinder von gleichem Unterschiede, bestanden in Geschenken von zweyerley Art. Die ersten erhielten Geld und Ehre dadurch, daß ihnen jenes gegeben wurde; die zweyten Geschenke zwar auch nicht von geringem Werthe der ersten Art, aber zugleich von solcher Beschaffenheit, daß der Empfang nicht allein die Ehre derselben ausmachte. Man kante alle, die Verdienste um die Wissenschaften hatten, so unbekant sie auch ausser ihrem Kreise zu seyn glaubten; und man ließ es ihnen dadurch merken, daß man sie zu Schriften oder zu Erfindungen auffoderte. Diese Ausspähung des bescheidnen Verdienstes erhielt den Beyfall der Welt so sehr, daß ihr Deutschlands Kaiser alle Fürsten zu übertreffen schien, die jemals durch die Unterstüzung der Wissenschaften waren berühmt geworden. Man war so gar auf junge Genies aufmerksam, und sie bekamen Beyhülfe, sich weiter zu bilden. Wenn für angezeigte Erfindungen, oder für Schriften von bestimtem Inhalte Preise ausgesezt wurden; so erfuhren die, welche sie erhielten, oder sich umsonst darum bemüht hatten, die Namen derjenigen, die ihre Beurtheiler gewesen waren ... Überhaupt wurde auf eine Art verfahren, die den Werth dessen, was geschah, noch erhöhte. Mannigfaltigkeit in dem Betragen, und Neigung, das Verdienst liebenswürdig zu machen, gab Allem eine Wendung der Anmut, mit der nichts, als die gutwählende Beurtheilung konte verglichen werden ... Durch dieses alles stieg der Ruhm des Kaisers so schnell, daß es bald lächerlich wurde, ihm publicistisch zu räuchern. Denn er ward wirklich verehrt, und geliebt ... Lessing und Gerstenberg, die Unteraufseher der Schaubühne, wählten so wol die deutschen Stücke, die gespielt, als die ausländischen, die für die Vorstellung übersezt werden sollen. Sie hatten die Gewalt, ohne Jemanden von dem Gebrauche derselben Rechenschaft zu geben Schauspieler anzunehmen, und fortzuschicken. Sie gaben ihnen zugleich Unterricht in der Kunst der Vorstellung, und bereiteten sie zu jedem neuen Stücke. Bey der Wahl der Stücke wurde nicht allein auf ihre poetische, sondern auch auf ihre moralische Schönheit gesehn. In Absicht auf diese hatte der Oberaufseher den streitigen Fall zu entscheiden. Denn dieser höchstwichtige Punkt ist nicht die Sache der Kunst, sondern des Staats. Weil die Schaubühne nicht allein von ihren Einkünften, sondern im Falle des Mangels auch vom Hofe unterhalten wurde; so kam der Gedanke, daß man weniger Zuschauer haben würde, wenn man auf diese oder jene Art verführe, nicht in Betrachtung, und man konte kühn mit dem griechischen Dichter sagen: Ich bin nicht da, ihr Athenienser, von euch, sondern ihr seyd da, von mir zu lernen ... Endlich eine Geschichte unsers Vaterlandes schreiben zu lassen, dazu gehörte mehr Zeit, als die Schaubühne zu heben, oder ein Singhaus (es ist hier nicht von der Oper die Rede) einzurichten. Einige Gelehrte, die bloß Samler waren, erhielten von zwey Geschichtschreibern, einem Katholiken, und einem Protestanten eine genaue Anweisung zu dem, was sie sammeln sollen. Sie konten nicht eher, als nach einigen Jahren von ihrer Reise zurükkommen. Nun waren zwar die Geschichtschreiber von einer grossen Menge Stof, Ruinen, aus denen sie bauen solten, umgeben; aber gleichwol musten sie erst lange und sorgfältig wählen, eh sie schrieben. Wir dürfen sie keiner Zögerung beschuldigen. Was hatten sie nicht zu thun. Sie musten festsezen, was wirklich geschehn sey, und sie durften aus dem Wahren nur dasjenige herausnehmen, was wissenswürdig war. Sie konten also nicht anders, als mit langsamen Schritten fortgehn. Dafür haben sie uns aber auch ein Werk geliefert, das uns auf unsre Nation, und auf sie stolz machen kann.

Kopenhagen den 28 Apr. 68. Ew. Durchlaucht sehen, daß der Zwek dieses Entwurfs ist, den Gelehrten, welche man der Belonung würdig hält, ausser den Ermunterungen der Ehre, auch Müsse zu geben, und zwar eine solche, die ihrer Arbeitsamkeit angemessen ist. Nur neue Arbeiten können nach demselben neue Geschenke veranlassen ... Die Ausgaben können von keiner Erheblichkeit seyn. Nur im Anfange konten sie es einigermaassen seyn, weil schon vieles da ist, das Belonung verdient. Aber auch den Anfang mit gerechnet, hat doch dem vorigen Könige von Fohlen seine Oper, in wenigen Jahren, mehr gekostet, als diese Unter-stüzung der Wissenschaften, in vielen, kosten würde. Und welcher Unterschied der Folgen. Auf der einen Seite diese nun vergesne Oper, die einigen Vergnügen gemacht hat; und auf der andern Seite: Die Wissenschaften in Deutschland zu einer Höhe gebracht, welche von der Geschichte als Epoke wird bemerkt werden ... weil ich für mich selbst nichts suche, und mich für glüklich halte, wenn ich etwas für die thun kann, denen es in den Wissenschaften gelungen ist ... Die Unterstüzung der Wissenschaften solte eben so wenig den Geist der Nachahmung haben, als ihre Werke. Auch aus diesem Grunde brauchen wir keine Academie.

K. den 12 Jul. 68. Es hat mir nicht wenig Überwindung gekostet bis jezo still zu schweigen. Denn mit eben der Unruh und Ungeduld liebt man, (ich bin einst glüklich in der Liebe gewesen) mit der ich oft mitten in andern Beschäftigungen zu dieser unsrer Sache, und gewiß des Vaterlandes, wenn sie gelingt, zurük gekommen bin ... Ich glaube jezo Ew. Excellenz einen noch kürzeren Weg, als in dem Plane von der Geschichte unsers Vaterlandes steht, anzeigen zu können. Die Hauptidee davon ist: Unsre Geschichte in Perioden abzusondern, und für die Ausarbeitung eines jeden einen Preis zu bestimmen. Die Preise für die gute, und für die vortrefliehe Ausarbeitung sind nicht allein verschieden; sondern wenn für Einen Perioden eine gute, und eine vortrefliche Ausarbeitung erscheint, so bekomt diese den grösseren Preis, und jene keinen. Solche Erklärungen in einer Ankündigung sind Stacheln, die in dem olympischen Wettlaufe das Pferd, das leicht genung zum Siege ist, zwar nur von ferne blinken zu sehn braucht; aber sehn muß es sie gleichwol ... Der lezte Periode dieser Geschichte ... wenn der Kaiser überhaupt fortfährt zu handeln, wie Er thut; und wenn Er ins besondre die Ehre der vaterländischen Wissenschaften an Sein Zeitalter mit Blumenketten fesselt.

Constanz den 14 Aug. 68. Der Graf hat bey der ersten Gelegenheit dem Fürsten Kauniz alles vorgetragen, und Ihm sodann die Schriften übergeben. Er hat auch noch anderwärts die Sache angebracht, um sie zu befördern, und, ich muß Ihm die Gerechtigkeit wiederfahren lassen, sich ihrer so ernstlich, als es sich nur thun läst, angenommen. Er hat aber doch bis jezt noch keine positive Antwort bekommen ... Der Kaiser ist, wie Sie wissen, spät zurük gekommen, und bald wieder verreist.



Langenstein den 16 Sept. 68. Ich habe nun erfahren, daß der Kaiser die Dedication angenommen habe. Ich sage Ihnen dieß nur sub rosa. Das weitere werden Sie alles von dem Grafen schon hören.

K. den 20 Sept. 68. Ich kann mir vorstellen, daß viele und grosse Geschäfte die Untersuchung solcher Sachen hindern, die noch ausgesezt werden können. Jene unterdrücken selbst den Entschluß, diese zu untersuchen. Denn sonst würden leicht zu entscheidende Dinge oft nicht so langsam entschieden werden. Wenn ich mir eine andre Ursach der aufgeschobnen Entscheidung denke; so furcht ich alles. Aber ich habe gute Gründe diese Furcht zu entfernen, erst Ihren Charakter, nach welchem Sie bey mir unter die Wenigen gehören, die mehr halten, als sie versprechen; und dann alles das, was ich durch Sie von dem Fürsten Kauniz weis. Aber lassen Sie uns einmal das Schlimste sezen, ich meine, daß der Fürst Kauniz keinen Geschmak an der Sache fände. Dieß also gesezt, frag ich Sie: Wollen Sie dann nicht mein Führer werden, wie ich es machen muß, die Sache unmittelbar an den Kaiser selbst gelangen zu lassen? ... Ich habe Ew. Excellenz in meinem lezten Briefe gestanden, (ich that es, weil ich nichts Geheimes in der Sache vor Ihnen haben mochte) daß ich mit einigen meiner Freunde von unsrer Sache geredet habe. Ich habe sie durch meine Hofnung des guten Erfolgs zum Hoffen gebracht. Sie waren desto eher dazu zu bringen, je bekanter es ihnen ist, daß ich sonst eben kein grosser Hoffer bin. So oft ich mir die Sache als mislungen denke; so ist mir die Vorstellung von dieser Mittheilung derselben unangenehm. Unterdeß kann ich es nun nicht mehr ändern ... Ich fürchte nicht, daß, wenn irgend ein Theil meines Plans keinen Beyfall erhalten solte, dieser Umstand Einfluß auf das Ganze haben werde. Es giebt viele Arten der Ausführung einer so vielseitigen Sache. Ich hätte noch mehre anführen können, als ich angeführt habe, wenn ich mir hätte erlauben dürfen auch nur weitläuftig zu scheinen. Es ist nur Ein Punkt, von dessen Gegentheile ich schwer zu überzeugen seyn werde. Dieser ist: Der Kaiser muß entweder gar nichts für die Wissenschaften thun, oder Er muß etwas dafür thun, das Seiner würdig ist. Es würde völlig überfliessig seyn dieses Grundsazes erwähnt zu haben, wenn ich nicht in der Geschichte die Meinung so oft an den Höfen fände, daß es genung sey, diese und jene Kleinigkeit für die Wissenschaften zu thun. Aber die Beschaffenheit des Verfahrens an sich selbst, und die Geschichte haben mich gelehrt, daß der Erfolg des Nuzens und der Ehre auch nur von geringer Bedeutung seyn könne; und gewesen sey. Vielleicht sind Sie auf diese Meinung, in Betrachtung deß, was sie in der Geschichte, die sie in ihren Wirkungen zeigt, für Eindrücke macht, nicht so aufmerksam gewesen, als ich. Dieses ist die Ursach, warum ich sie berührt habe. Wenn Sie in den Fall kommen solten, sie bestreiten zu müssen; so kenne ich keine besseren Waffen, als sich auf ihre Folgen zu beziehn ... Ich wünschte sehr, daß Sie in Ihren Bemühungen für unsre Sache bald einmal zu der Frage kämen: Wie viel man jedes Jahr, und zwar fürs erste nur auf einige Jahre, für die Wissenschaften bestimme? ... Ich bin nicht gern Vorausversprecher; aber ich bin überzeugt, daß der Erfolg weniger Jahre so seyn würde, daß man sie, ohne meine Bitte, würde vermehren wollen.

Wien; den 19 Oct. 68. Da wir wieder auf dem Plaze sind, wo der Graf handeln kann; so sind wir doch schon wieder so viel näher ... Es wird doch, wenn nicht im Ganzen, doch gewiß zum Theile gut gehen; und was Sie immer freuen solte, und was mich auch für Sie, und für Wien unendlich freut, ist, daß man Sie hier kent, und daß Sie durch die jezige Negociation noch mehr und genauer bekant werden ... Der Ausdruk, dessen ich mich bedient, und der Sie nicht vollkommen befriedigte, will sagen, daß der Graf die Sache auch bey Verschiednen, die man, ich meine der Fürst, wenn von den Wissenschaften die Rede ist, anhört, angebracht, und Sie auch empfolen habe.

W. den ioDec.68. Ich wiederhol es Ihnen: Mit der edelsten, mit einer Seiner würdigen Art, hat unser angebeteter, hoffnungsvoller Kaiser Ihre Declamation angenommen ... Der Graf hoft alles wieder gut zu machen, wenn Er Ihnen selbst schreiben werde. Sie sollen alsdann auch die Zueignungsschrift mit den wenigen Veränderungen, die mir wirklich, die Wahrheit zu gestehn, nicht bekant sind, die aber, wie ich höre, nicht groß seyn werden, so wie sie gedrukt werden darf, von Ihm erhalten.

W. den 24 Apr. 69. Wegen des Plans könne Er nichts weiter sagen. Freylich hätt es der Fürst Kauniz gut aufgenommen, aber noch keine weitere Erklärung oder Entschliessung gemacht. Vielleicht würde die Sache früher, als wir dächten, genuzt, und in Ausführung, wo nicht im Ganzen, doch in etwas gebracht werden.

K. den 9 May 69. Ich habe bey Übersendung des Plans an den Fürsten Kauniz geschrieben, daß ich nichts für mich suchte. Bey dieser Gesinnung freute mich das Geschenk des Kaisers vornämlich deswegen, weil es demjenigen gegeben wurde, dessen Plan für Andre der Kaiser mit dieser Gnade angenommen hatte. Wenn aber (nach der oben angeführten Nachricht) der Plan nun nicht angenommen seyn soll, oder die Annehmung doch wenigstens so ungewiß ist, und also auch die Zuschrift aufhört ein Theil des Plans zu seyn; (sie ist dieß dadurch, daß sie eine jezige Ankündigung der Sache enthält) so bin ich wirklich in einer Stellung, die nicht ohne Schwierigkeit ist sie zu ändern. Ich habe gleichwol auf den Fall hin, daß jene Nachricht völlig gegründet ist, meinen Entschluß gefast. Ich werde nämlich, ohne Tadel von denen zu fürchten, deren Beyfall ich am meisten wünsche, die Erlaubnis zu erhalten suchen, das Gedicht lieber ohne Zuschrift herauszugeben. (Dieser Brief wurde, weil der gleichfolgende darüber ankam, nicht weggeschikt.)

W. den 4 May 69. Von diesem werden Sie die Dedication, so wie sie darf gedrukt werden, nämlich mit Auslassung der Stelle: aber nicht Friederich; und Deutschland war doch auch sein Vaterland . erhalten ... Es steht Ihnen völlig frey, die Dedication so drucken zu lasssen wie Sie dieselbe empfangen werden. Denn so ist sie von der Hofcanzley durch einen Vortrag an den Kaiser gegangen; und auch so von Ihm gut geheissen worden.

K. den 16 Sept. 69. Die Anmerkungen zu dem Plane sind erst jezt hinzugekommen. In der Voraussezung, daß Sie die Beylagen durchgesehn haben, hab ich jezo nur noch dieses zu sagen. Ich bin darauf, daß ich das edle Vorhaben des Kaisers in der Dedication vor Hermanns Schlacht zuerst habe bekant machen dürfen, so stolz, als wenn ich die Erlaubnis erhalten hätte, eine Aufschrift unter eine Bildsäule des Kaisers zu sezen, und meinen Namen dabey zu nennen. Ich lese bisweilen in Gedanken jene Worte der Bekantmachung, als eine Umschrift des von mir oft wiederangesehnen Brustbildes der Medaille, die Seine Majestät mir zu geben die Gnade gehabt haben ... (guten und vortreflichen) Man war mit den Urtheilen, die eine Schrift oder Erfindung für gut erklärten, sparsam; und mit denen, die ihre Vortreflichkeit entschieden, geizig. Nicht wenige derer französischen Werke, welche dem Jahrhunderte Ludewigs des Vierzehnten angehören, würden die deutsche Untersuchung nicht ausgehalten haben. (Ausspähung des bescheidnen Verdienstes) Diese Art zu verfahren war allein schon zureichend, die Unterstüzung der Wissenschaften durch Joseph den Zweyten von denen zu unterscheiden, die in andern Ländern und Zeiten, gröstentheils bloß zur Schau, sind unternommen worden. Denn es ist hier der so wesentliche Unterschied des Scheinens und des Seyns ... (der Geist der Nachahmung) Er hält die Erreichung eines hohen Zieles in den Wissenschaften eben so sehr zurük, als er der Ehre der Nation nachtheilig ist; und es ist unter dem Kaiser, ihm auch nur mit Einem leisen Tritte zu folgen.

K. den 16 Sept. 69. Nur Einen ununterbrochnen Abend bitte ich mir von Ihnen Beyden aus, und daß Sie Ihren Freund überzeugen, Er thue etwas recht nüzliches, und ruhmvolles, oder mit Einem Worte, etwas, das recht deutsch ist, wenn Er diese vaterländische Sache dem Kaiser mit Wärme vorträgt. In dieser Stunde Ihrer Zusammenkunft, und zugleich der Grundlegung zu daurenden Denkmalen wird Deutschlands Genius mit hoher Fackel vorleuchten. (Der Erfolg wird zeigen, daß mein poetisch scheinender Ausdruk Prosa war) Es giebt auch fürs Vaterland Thränen der Ehrbegierde, und Seufzer einer edlen Rache, wenn es verkant worden ist. In der auf jene folgenden Stunde des Ausspruchs:

Has inter lacrimas sedet et suspiria Caesar.

W. den 24 Sept. 69. Weil ich Verschiedner, deren Stimmen gezählt werden, Gesinnungen gegen Sie erfahren habe, so getraue ich mir, Ihnen eine Reise zu uns zu proponiren ... Ich habe mit van Switen beynah eine Stunde von Ihnen gesprochen, und gefunden, daß er Sie ungemein liebt. Er sagte unter anderm, daß Sie hierher kommen, und unsre Maria Theresia, und unsern Joseph kennen lernen müsten. Nun denken Sie, wie er mein Project, daß Sie hierher kommen möchten, aufgenommen habe.

W. den 23 Apr. 70. Wir müssen die Hofnung und die Geduld nicht verlieren. Man kann bey der jezigen Lage der Sachen nichts anders thun, als nur immer die guten, und nicht einmal gesucht zu seyn scheinenden Gelegenheiten abpassen, wo man nötige Erinnerungen machen kann, die dann, wenn es einmal recht Ernst wird, gewiß nicht ohne Wirkung seyn werden.

K. den 9 Jun. 70. Graf Dietrichstein schrieb mir im Dec. des vorigen Jahrs, daß zur ächten Ausführung ich, und vielleicht ich allein der Mann wäre; schrieb aber auch, daß, was die Zeit derselben anbeträfe, wir noch andre Umstände abwarten müsten. Ich habe bisher noch nicht geantwortet, weil ich nicht dringend scheinen wolte. Aber wenn ich nicht ungewiß wäre, ob Er schon von Berlin zurükgekommen sey; so würd ich nun antworten. Ich mache mir jezo Vorwürfe wegen des Aufschubs. Denn nur immer nicht dringend zu scheinen, damit kann das Leben hingehn, ohne daß man etwas gethan hat ... Die Meinung war, daß die Reise schon im damals bevorstehenden Frühjahre geschehn solte. Mehr Einladung, und also auch mehr Hofnung, etwas auszurichten, würde gemacht haben, daß ich sogar das Unangenehme einer Winterreise nicht würde geachtet haben.

W. den 19 Jul. 70. Es war mein und Ihrer andern hiesigen Freunde Gedanken, die Sache während Ihrer Anwesenheit ganz anders anzugreifen, und sie hoffentlich zu Ihrem völligen Vergnügen zu endigen. Freylich können Sie mehr Einladung verlangen ... Der Kaiser selbst ist Ihnen geneigt. Was begehren Sie denn mehr ? Lassen Sie sich das für dießmal genung Einladung seyn.


Zwölfter Morgen.

Die Aldermänner halten Vortrag. Die Zunft der Drittler widersezt sich denselben.Was darauf erfolgt. Bitte einiger Jünglinge. Die Anwalde der Weltweisen, der Naturforscher, und der Dichter erklären sich über den Vortrag der Aldermänner.


Die Aldermänner waren heute beym Heraufgehn auf die Fragen, welche ihre Begleiter an sie richteten, sehr kurz in ihren Antworten. Sie schienen mit tiefen Entwürfen beschäftigt zu seyn. Dieß währte fort, und wurde, als man nun ganz versammelt war, überall bemerkt; und vielleicht war es die Ursach, daß kein Anwald vor den Aldermännern erschien, Vortrag zu halten. Als diese sahen, daß ihnen kein anderes Geschäft im Wege stünde; so trat ihr heutiger Wortführer aus dem halben Kreise hervor, sahe kurze Zeit mit kaltem Nachdenken umher, und sagte:

Es sind wenig Zeitpunkte, in denen man durch zusammentreffende Umstande unterstüzt, grosse Entschliessungen fassen kann; und noch seltner ist es, daß die gefasten Entschliessungen ausgeführt werden. Wie oft bleibt man so gar auf der Schwelle der Ausführung stehen. Kaum daß sich Schwierigkeiten zeigen, und es nun auf ausdaurendes Fortfahren, auf den unermüdeten Schritt ankomt, den nur Männer haben; so ist es mit der Sache vorbey, und das grosse Gebäude, welches sich nur eben über seine Grundlegung erhoben hatte, sinkt in Trümmern. Lieber die Hände völlig in den Schooß, unbemerkt gelebt, und unbemerkt gestorben, lieber nicht den ersten Gedanken zu irgend einem Entschlusse, als den überdachtesten, den mänlichsten, den kühnsten so ausgeführt! Doch von euch fürchten wir eine solche Ausführung nicht. Denn ihr seyd Deutsche! Aber euch zu überzeugen, daß der Entschluß, den ich bald bekant machen werde, zu fassen sey! darauf komt es an. Das alte wiedergefundne Gesez hat Ekharden, und er die Republik nicht wenig Schritte vorwärts auf der grossen Laufbahn gebracht. Wo das gegebne neue Gesez mit seiner Wirkung stehn bleibt, da fängt unser Entwurf an. Und wohin dieser von dort an führe? Bis zu einem Ziele, denken wir, das ihr euer, und unser würdig finden werdet. Was wir Deutschen, weil wir unsre ersten oft tiefen und weitsehenden Gedanken entweder nakt hinwerfen, oder sie durch weitläuftigen Vortrag, wie in einer Vermummung, beynah ersticken; (wenigstens haben wir erst seit kurzem aufgehört dieß zu thun) weil wir zu bescheiden von uns selbst urtheilen, und die Ausländer eben dieß Verdienst mehr nicht nur verkennen, sondern so gar zu unserm Nachtheile anwenden; was wir aus diesen Ursachen zu seyn scheinen, daran liegt wenig: aber alles daran, was wir sind! Wenn wir, in den meisten abhandelnden Wissenschaften, den rechten Weg zuerst gesehen, in vielen ihn zurükgelegt, in keiner unbetreten gelassen haben; wenn wir, in den darstellenden, neue Bahnen gebrochen haben, und auf einigen derselben weiter vorwärts gegangen sind, als manche Ausländer, auf alten lange bereisten Wegen und Stegen; wenn wir überhaupt mehr Altes verkürzt, umgebildet, verworfen, mehr Neues gefunden, entdekt, erfunden, es tiefsinniger bestimt, lebendiger gefast, gerader und stärker zum Gebrauche angewendet haben: wenn das unsre von vielen ungekante, aber wirkliche Vorzüge sind, warum sollen wir länger anstehn einen Entschluß zu fassen, zu dem solche Vorzüge nicht nur auflodern, sondern dem sie auch das, was zulezt, die Zuschauer mögen viel oder wenig gezweifelt haben, alles entscheidet, nämlich die glükliche Ausführung, in voraus versichern. Es gelte also das neue Gesez vom Übertreffen; mit gleichem Verfahren werd es aufrecht erhalten, und sein Erfolg breite sich in dem ganzen Umfange aus, den er haben kann. Aber lasset uns auf diesem Pfade fort, und weit fortgehn.



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