"Nein! Heut ist mir das Glück erbost!" "Du sattle gut und reite getrost!"



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Ich eilte nun zurück. Zerbrochen sollte

Mein Wagen mich noch eine Nacht verspäten;

Schon dacht ich mich, wie ich zu Hause rollte,

Allein da war Geduld und Werk vonnöten.

Und wie ich auch mit Schmied und Wagner tollte,

Sie hämmerten, verschmähten, viel zu reden.

Ein jedes Handwerk hat nun seine Schnurren,

Was blieb mir nun? Zu weilen und zu murren.


So stand ich nun. Der Stern des nächsten Schildes

Berief mich hin, die Wohnung schien erträglich.

Ein Mädchen kam, des seltensten Gebildes,

Das Licht erleuchtend. Mir ward gleich behäglich.

Hausflur und Treppe sah ich als ein Mildes,

Die Zimmerchen erfreuten mich unsäglich.

Den sündigen Menschen, der im Freien schwebet -

Die Schönheit spinnt, sie ists, die ihn umwebet.


Nun setzt ich mich zu meiner Tasch und Briefen

Und meines Tagebuchs Genauigkeiten,

Um so wie sonst, wenn alle Menschen schliefen,

Mir und der Trauten Freude zu bereiten;

Doch weiß ich nicht, die Tintenworte liefen

Nicht so wie sonst in alle Kleinigkeiten:

Das Mädchen kam, des Abendessens Bürde

Verteilte sie gewandt mit Gruß und Würde.


Sie geht und kommt; ich spreche, sie erwidert;

Mit jedem Wort erscheint sie mir geschmückter.

Und wie sie leicht mir nun das Huhn zergliedert,

Bewegend Hand und Arm, geschickt, geschickter -

Was auch das tolle Zeug in uns befiedert -

Genug, ich bin verworrner, bin verrückter,

Den Stuhl umwerfend, spring ich auf und fasse

Das schöne Kind; sie lispelt: »Lasse, lasse!


Die Muhme drunten lauscht, ein alter Drache,

Sie zählt bedächtig des Geschäfts Minute;

Sie denkt sich unten, was ich oben mache,

Bei jedem Zögern schwenkt sie frisch die Rute.

Doch schließe drine Türe nicht und wache,

So kommt die Mitternacht uns wohl zugute.«

Rasch meinem Arm entwindet sie die Glieder,

Und eilet fort und kommt nur dienend wieder;


Doch blickend auch! So daß aus jedem Blicke

Sich himmlisches Versprechen mir entfaltet.

Den stillen Seufzer drängt sie nicht zurücke,

Der ihren Busen herrlicher gestaltet.

Ich sehe, daß am Ohr, um Hals und Gnicke

Der flüchtigen Röte Liebesblüte waltet,

Und da sie nichts zu leisten weiter findet,

Geht sie und zögert, sieht sich um, verschwindet.


Der Mitternacht gehören Haus und Straßen,

Mir ist ein weites Lager aufgebreitet,

Wovon den kleinsten Teil mir anzumaßen

Die Liebe rät, die alles wohl bereitet;

Ich zaudre noch, die Kerzen auszublasen,

Nun hör ich sie, wie leise sie auch gleitet,

Mit gierigem Blick die Hochgestalt umschweif ich,

Sie senkt sich her, die Wohlgestalt ergreif ich.


Sie macht sich los: » Vergönne, daß ich rede,

Damit ich dir nicht völlig fremd gehöre.

Der Schein ist wider mich; sonst war ich blöde,

Stets gegen Männer setzt ich mich zur Wehre.

Mich nennt die Stadt, mich nennt die Gegend spröde;

Nun aber weiß ich, wie das Herz sich kehre:

Du bist mein Sieger, laß dichs nicht verdrießen,

Ich sah, ich liebte, schwur dich zu genießen.


Du hast mich rein, und wenn ichs besser wüßte,

So gäb ichs dir; ich tue, was ich sage.«

So schließt sie mich an ihre süßen Brüste,

Als ob ihr nur an meiner Brust behage.

Und wie ich Mund und Aug und Stirne küßte,

So war ich doch in wunderbarer Lage:

Denn der so hitzig sonst den Meister spielet,

Weicht schülerhaft zurück und abgekühlet.


Ihr scheint ein süßes Wort, ein Kuß zu gnügen,

Als wär es alles, was ihr Herz begehrte.

Wie keusch sie mir, mit liebevollem Fügen,

Des süßen Körpers Fülleform gewährte!

Entzückt und froh in allen ihren Zügen

Und ruhig dann, als wenn sie nichts entbehrte.

So ruht ich auch, gefällig sie beschauend,

Noch auf den Meister hoffend und vertrauend.


Doch als ich länger mein Geschick bedachte,

Von tausend Flüchen mir die Seele kochte,

Mich selbst verwünschend, grinsend mich belachte,

Nichts besser ward, wie ich auch zaudern mochte,

Da lag sie schlafend, schöner als sie wachte

Die Lichter dämmerten mit langem Dochte.

Der Tages-Arbeit jugendlicher Mühe

Gesellt sich gern der Schlaf und nie zu frühe.


So lag sie himmlisch an bequemer Stelle,

Als wenn das Lager ihr allein gehörte,

Und an die Wand gedrückt, gequetscht zur Hölle,

Ohnmächtig jener, dem sie nichts verwehrte.

Vom Schlangenbisse fällt zunächst der Quelle

Ein Wandrer so, den schon der Durst verzehrte.

Sie atmet lieblich holdem Traum entgegen;

Er hält den Atem, sie nicht aufzuregen.


Gefaßt bei dem, was ihm noch nie begegnet,

Spricht er zu sich: So mußt du doch erfahren,

Warum der Bräutigam sich kreuzt und segnet,

Vor Nestelknüpfen scheu sich zu bewahren.

Weit lieber da, wo's Hellebarden regnet,

Als hier im Schimpf! So war es nicht vor Jahren,

Als deine Herrin dir zum ersten Male

Vors Auge trat im prachterhellten Saale.


Da quoll dein Herz, da quollen deine Sinnen,

So daß der ganze Mensch entzückt sich regte.

Zum raschen Tanze trugst du sie von hinnen,

Die kaum der Arm und schon der Busen hegte,

Als wolltest du dir selbst sie abgewinnen;

Vervielfacht war, was sich für sie bewegte:

Verstand und Witz und alle Lebensgeister

Und rascher als die andern jener Meister.


So immerfort wuchs Neigung und Begierde,

Brautleute wurden wir im frühen Jahre,

Sie selbst des Maien schönste Blum und Zierde;

Wie wuchs die Kraft zur Lust im jungen Paare!

Und als ich endlich sie zur Kirche führte,

Gesteh ichs nur, vor Priester und Altare,

Vor deinem Jammerkreuz, blutrünstger Christe,

Verzeih mirs Gott, es regte sich der Iste.


Und ihr, der Brautnacht reiche Bettgehänge,

Ihr Pfühle, die ihr euch so breit erstrecktet,

Ihr Teppiche, die Lieb und Lustgedränge

Mit euren seidnen Fittichen bedecktet!

Ihr Käfigvögel, die durch Zwitscher-Sänge

Zu neuer Lust und nie zu früh uns wecktet!

Ihr kanntet uns, von eurem Schutz umfriedet,

Teilnehmend sie, mich immer unermüdet.


Und wie wir oft sodann im Raub genossen

Nach Buhlenart des Ehstands heilge Rechte,

Von reifer Saat umwogt, vom Rohr umschlossen,

An manchem Unort, wo ichs mich erfrechte,

Wir waren augenblicklich, unverdrossen

Und wiederholt bedient vom braven Knechte!

Verfluchter Knecht, wie unerwecklich liegst du!

Und deinen Herrn ums schönste Glück betriegst du.


Doch Meister Iste hat nun seine Grillen

Und läßt sich nicht befehlen, noch verachten,

Auf einmal ist er da, und ganz im stillen

Erhebt er sich zu allen seinen Prachten;

So steht es nun dem Wandrer ganz zu Willen,

Nicht lechzend mehr am Quell zu übernachten.

Er neigt sich hin, er will die Schläferin küssen,

Allein er stockt, er fühlt sich weggerissen.


Wer hat zur Kraft ihn wieder aufgestählet,

Als jenes Bild, das ihm auf ewig teuer,

Mit dem er sich in Jugendlust vermählet?

Dort leuchtet her ein frisch erquicklich Feuer,

Und wie er erst in Ohnmacht sich gequälet,

So wird nun hier dem Starken nicht geheuer;

Er schaudert weg, vorsichtig, leise, leise

Entzieht er sich dem holden Zauberkreise,


Sitzt, schreibt: »Ich nahte mich der heimischen Pforte,

Entfernen wollten mich die letzten Stunden,

Da hab ich nun, am sonderbarsten Orte,

Mein treues Herz aufs neue dir verbunden.

Zum Schlusse findest du geheime Worte:

Die Krankbeit erst bewähret den Gesunden,

Dies Büchlein soll dir manches Gute zeigen

Das Beste nur muß ich zuletzt verschweigen.«


Da kräht der Hahn. Das Mädchen schnell entwindet

Der Decke sich und wirft sich rasch ins Mieder.

Und da sie sich so seltsam wiederfindet,

So stutzt sie, blickt und schlägt die Augen nieder;

Und da sie ihm zum letztenmal verschwindet,

Im Auge bleiben ihm die schönen Glieder.

Das Posthorn tönt, er wirft sich in den Wagen

Und läßt getrost sich zu der Liebsten tragen.


Und weil zuletzt bei jeder Dichtungsweise

Moralien uns ernstlich fördern sollen,

So will auch ich in so beliebtem Gleise

Euch gern bekennen, was die Verse wollen:

Wir stolpern wohl auf unsrer Lebensreise,

Und doch vermögen in der Welt, der tollen,

Zwei Hebel viel aufs irdische Getriebe:

Sehr viel die Pflicht, unendlich mehr die Liebe!


Johann Wolfgang von Goethe

Goethes Gedichte in zeitlicher Folge. Insel Verlag.

Herausgegeben von Heinz Nicolai. 7.Auflage 1990

Das zerbrochene Ringlein


In einem kühlen Grunde,

Da geht ein Mühlenrad,

|: Mein Liebchen ist verschwunden,

Das dort gewohnet hat. :|

2. Sie hat mir Treu' versprochen,

Gab mir ein' Ring dabei,

|: Sie hat die Treu' gebrochen,

Das Ringlein sprang entzwei. :|

3. Ich möcht' als Spielmann reisen

Wohl in die Welt hinaus

|: Und singen meine Weisen

Und geh' von Haus zu Haus. :|

4. Ich möcht' als Reiter fliehen

Wohl in die blut'ge Schlacht,

|: Um stille Feuer liegen

Im Feld bei dunkler Nacht. :|

5. Hör' ich das Mühlrad gehen,

Ich weiß nicht, was ich will;

|: Ich möcht' am liebsten sterben,

Da wär's auf einmal still. :|


Eichendorff

Das
Der Tag an dem das verschwand,

da war die uft vo Kagen.

Den Dichtern, ach, verschug es gatt

ihr Singen und ihr Sagen.
Nun gut. Sie haben sich gefasst.

Man sieht sie wieder schreiben.

Jedoch:

Solang das nicht wiederkehrt,



muss aes Fickwerk beiben.
Robert Gernhardt

Dat du min Leevsten büst,

Dat du woll weeßt.

|: Kumm bi de Nacht,

Kumm bi de Nacht,

Segg mi wat Leevs. :|


2. Kumm du üm Middernacht,

Kumm du Klock een!

|: Vader slöpt,

Moder slöpt,

Ick slap aleen. :|
3. Klopp an de Kammerdör,

Fat an de Klink!

|: Vader meent,

Moder meent,

Dat deit de Wind. :|
4. Kummt denn de Morgenstund,

Kreiht de ol Hahn.

|: Leevster min,

Leevster min,

Denn mößt du gahn! :|

5. Sachen den Gang henlank,

Lies mit de Klink!

|: Vader meent,

Moder meent,

Dat deit de Wind. :|

De lindenboom

Aan de bron voor de poort

Daar staat een lindenboom;

Ik droomde in zijn schaduw

Zo vele zoete dromen.
Ik sneed in zijn schors

Zo veel lieve woordjes;

In vreugde en verdriet trok hij

Mij steeds naar zich toe.


Ik moest ook vandaag daar

in het diepste van de nacht voorbijwandelen,

Toen heb ik nog in het donker

Mijn ogen gesloten.


En zijn twijgen ruisten,

Als riepen ze naar mij:

Kom hier bij mij, vriend,

Hier vind je je rust !


De koude wind blies me

Recht in het aangezicht;

De hoed vloog van mijn hoofd,

Ik keerde me niet om.


Nu ben ik vele uren

Verwijderd van die plek,

En nog altijd hoor ik hem ruisen:

Daar zou je rust vinden !

Den Umfang einer Wolke misst

kein Mensch. Weil sie nicht rastet

noch ihre Freiheit je vergisst -

ich glaube: keine Wolke ist

mit Arbeit überlastet.

Ringelnatz

Denk ich an Deutschland

in der Nacht

Bin ich um den Schlaf gebracht,

Ich kann die Augen nicht mehr schließen

Und die heißen Tränen fließen.
ff
Deutschland hat ewigen Bestand,

Es ist ein kerngesundes Land,

Mit seinen Eichen, seinen Linden

Werd ich es immer wiederfinden.


Nach Deutschland lechzt ich nicht so sehr,

Wenn nicht die Mutter dorten wär;

Das Vaterland wird nie verderben,

Jedoch die alte Frau kann sterben.


Heine

Der Abend ist mein Buch


Der Abend ist mein Buch, ihm prangen

Die Deckel purpurn im Damast.

Ich löse seine goldnen Spangen

Mit kühlen Händen ohne Hast.


Ich lese seine erste Seite

Beglückt durch den vertrauten Ton

Ich lese leiser seine zweite

Und bei der dritten träum ich schon...


Rilke

Der Baum

Zu fällen einen schönen Baum,

braucht’s eine Viertelstunde kaum.

Zu wachsen, bis man ihn bewundert,

braucht er, bedenkt es, ein Jahrhundert.

(Eugen Roth)

Der fluchende Bischof


"So hole Pest und Höllenbrand

die gottverdammte Reise!"

sprach gallig Bischof Megingand

und haute auf den Tisch die Hand

- hoch sprang die Fastenspeise -.

"Will ich nach Rom? Verflucht: ich muß!

Ach, wie gedeiht zur Kümmernus,

wie stört die Lebensweise

die italiänsche Reise!"
Der Bischof hat zu sehr geflucht,

und weils der Papst vernommen,

hat ein Legat ihn jüngst besucht,

der lichtvoll sprach von Kirchenzucht.

Nun soll nach Rom er kommen . . .

Sein Beichtger, dem's ins Herze schnitt,

gab ihm zur Reise Ablaß mit

für hundert Flüche frank und frei.

Man hoffte, daß das reichlich sei.
Der Reisewagen wiegt dahin

im kühlen Morgengrauen,

noch war es mäuschenstill darin.

Am Fenster schwankt ein Doppelkinn

und zuckten Augenbrauen.

Das Schaukeln schuf dem Bischof Pein,

da trieb heraus das Zipperlein

das erste: "Gottverdimmian!

Ich komm nicht heil zum Vatikan!"

Der Hausknecht in Burg Elberdamm

vergaß das zeitge Wecken -

Schockschwerenot! Da schmolz zusamm'

der mitgenommene Vorratsstamm.

Den Bischof faßt ein Schrecken!

Bei Lemnitz in dem Hohlweg brach

ein Rad (die Straße war danach!),

und auch dies Rad kam teuer:

"Mord, Brand und Hollenfeuer!!"


Heil München! Heil das Bitterbier!

Du kühler Trost in Bayern!

Im Pschorrbräu stieß ein Stadtbalbier

des Bischofs Maßkrug aufs Brevier,

das auf dem Tisch tät feiern.

Ei du! Da gabs kein Gottvergelts!

"Du Schweinehund, du Lausepelz,

du grüner Teufelsbraten!

Potz, Bomben und Granaten!!"
Des Bischofs Zorn war bald verraucht.

Die Maß der Bartscher zahlte,

als ihn Hochwürden angehaucht.

Der letzte Fluch war jetzt verbraucht,

jedoch der Bischof strahlte:

"In München! Wie gut, daß hier vorbei

die gottverdammte Knauserei!

Jetzt mag zu Rom die Klerisei

lang warten zornbeklommen,

bis Ablaß hergekommen,

bis neuer Vorrat ist herein! -

Ich hatt' ihn ja doch viel zu klein,

ich Leichtsinn, mitgenommen!!"
Börries Freiherr von Münchhausen, 1874-1945

Der Gott und die Bajadere

Indische Legende
Mahadöh, der Herr der Erde,

Kommt herab zum sechsten Mal,

Daß er unsers gleichen werde,

Mitzufühlen Freud' und Qual.


Er bequemt sich, hier zu wohnen,

Läßt sich alles selbst geschehn;

Soll er strafen oder schonen,

Muß er Menschen menschlich sehn.


Und hat er die Stadt sich als Wandrer betrachtet,

Die Großen belauert, auf Kleine geachtet,

Verläßt er sie abends, um weiter zu gehen.
Als er nun hinausgegangen,

Wo die letzten Häuser sind,

Sieht er, mit gemalten Wangen,

Ein verlornes schönes Kind:


Grüß' dich, Jungfrau! - Dank der Ehre!

Wart', ich komme gleich hinaus -

Und wer bist du? - Bajadere,

Und dies ist der Liebe Haus.


Sie rührt sich, die Zimbeln zum Tanze zu schlagen;

Sie weiß sich so lieblich im Kreise zu tragen,

Sie neigt sich und biegt sich und reicht ihm den Strauß.

Schmeichelnd zieht sie ihn zur Schwelle,

Lebhaft ihn ins Haus hinein.
Schöner Fremdling, lampenhelle

Soll sogleich die Hütte sein.

Bist du müd, ich will dich laben,

Lindern deiner Füße Schmerz.

Was du willst, das sollst du haben,

Ruhe, Freuden oder Scherz.


Sie lindert geschäftig geheuchelte Leiden.

Der Göttliche lächelt; er siehet mit Freuden

Durch tiefes Verderben ein menschliches Herz.

Und er fordert Sklavendienste;

Immer heitrer wird sie nur,

Und des Mädchens frühe Künste

Werden nach und nach Natur.
Und so stellet auf die Blüte

Bald und bald die Frucht sich ein;

Ist Gehorsam im Gemüte,

Wird nicht fern die Liebe sein.


Aber, sie schärfer und schärfer zu prüfen,

Wählet der Kenner der Höhen und Tiefen

Lust und Entsetzen und grimmige Pein.
Und er küßt die bunten Wangen,

Und sie fühlt der Liebe Qual,

Und das Mädchen steht gefangen,

Und sie weint zum erstenmal;


Sinkt zu seinen Füßen nieder,

Nicht um Wollust noch Gewinst,

Ach! und die gelenken Glieder,

Sie versagen allen Dienst.


Und so zu des Lagers vergnüglicher Feier

Bereiten den dunkeln behaglichen Schleier

Die nächtlichen Stunden, das schöne Gespinst.
Spät entschlummert unter Scherzen,

Früh erwacht nach kurzer Rast,

Findet sie an ihrem Herzen

Tot den vielgeliebten Gast.


Schreiend stürzt sie auf ihn nieder,

Aber nicht erweckt sie ihn,

Und man trägt die starren Glieder

Bald zur Flammengrube hin.


Sie höret die Priester, die Totengesänge,

Sie raset und rennet und teilet die Menge.

Wer bist du? was drängt zu der Grube dich hin?
Bei der Bahre stürzt sie nieder,

Ihr Geschrei durchdringt die Luft:

Meinen Gatten will ich wieder!

Und ich such' ihn in der Gruft.


Soll zu Asche mir zerfallen

Dieser Glieder Götterpracht?

Mein! er war es, mein vor allen!

Ach, nur eine süße Nacht!


Es singen die Priester: Wir tragen die Alten,

Nach langem Ermatten und spätem Erkalten,

Wir tragen die Jugend, noch eh sie's gedacht.
Höre deiner Priester Lehre:

Dieser war dein Gatte nicht.

Lebst du doch als Bajadere,

Und so hast du keine Pflicht.


Nur dem Körper folgt der Schatten

In das stille Totenreich;

Nur die Gattin folgt dem Gatten:

Das ist Pflicht und Ruhm zugleich.


Ertöne, Drommete, zu heiliger Klage!

O nehmet, ihr Götter! die Zierde der Tage,

O nehmet den Jüngling in Flammen zu euch!
So das Chor, das ohn' Erbarmen

Mehret ihres Herzens Not;

Und mit ausgestreckten Armen

Springt sie in den heißen Tod.


Doch der Götter-Jüngling hebet

Aus der Flamme sich empor,

Und in seinen Armen schwebet

Die Geliebte mit hervor.


Es freut sich die Gottheit der reuigen Sünder;

Unsterbliche heben verlorene Kinder

Mit feurigen Armen zum Himmel empor.
Goethe
Der Harung

In einen Harung schwach und krank,

2, 3, 4

links war Blei und rechts war Blei


der auf dem Grund der Elbe stank

2, 3, 4


Kadmium war auch dabei
|: verliebte sich, kein Wunder

'ne kranke Flunder, 'ne kranke Flunder :|

Der Harung sprach: Du bist verrückt

Dich hat wohl hier der Müll erdrückt

Ich halbtot und du Klärchen,

was für ein Pärchen.

Da stieß die Flunder in den Sand,

wo sie nur Dreck und Scheiße fand,

Phosphate und Chlorose,

ja selbst 'ne Dose.

Da nahm der Harung sie zur Seit

Du bist je wirklich kreidebleich

Lebst du denn nicht gesund hier,

mein kleines Stinktier.

Als man die beiden endlich fing,

die nun zwar nicht zu essen ging,

wurden sie eingeschmolzen,

zu großen Bolzen

Und die Moral von der Geschicht'

Die Bolzen rosteten fast nicht.

So haben diese Zeiten

auch gute Seiten.

Der letzte Trunk
FAUST

Hier ist ein Saft, der eilig trunken macht;

Mit brauner Flut erfüllt er deine Höhle.

Den ich bereit, den ich wähle,

Der letzte Trunk sei nun, mit ganzer Seele,

Als festlich hoher Gruß, dem Morgen zugebracht!

(Er setzt die Schale an den Mund.)

- Glockenklang und Chorgesang.


CHOR DER ENGEL:

Christ ist erstanden!

Freude dem Sterblichen,

Den die verderblichen,

Schleichenden, erblichen

Mängel umwanden.


FAUST:

Welch tiefes Summen, welch heller Ton

Zieht mit Gewalt das Glas von meinem Munde?

Verkündigt ihr dumpfen Glocken schon

Des Osterfestes erste Feierstunde?
CHOR DER ENGEL:

Christ ist erstanden!

Selig der Liebende,

Der die betrübende,

Heilsam und übende

Prüfung bestanden.


FAUST:

Was sucht ihr, mächtig und gelind,

Ihr Himmelstöne, mich am Staube?

Klingt dort umher, wo weiche Menschen sind.

Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube;

Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.

Zu jenen Sphären wag ich nicht zu streben,

Woher die holde Nachricht tönt;

Und doch, an diesen Klang von Jugend auf gewöhnt,

Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben.

Sonst stürzte sich der Himmelsliebe Kuß

Auf mich herab in ernster Sabbatstille;

Da klang so ahnungsvoll des Glockentones Fülle,

Und ein Gebet war brünstiger Genuß;

Ein unbegreiflich holdes Sehnen

Trieb mich, durch Wald und Wiesen hinzugehn,

Und unter tausend heißen Tränen

Fühlt ich mir eine Welt entstehn.

Dies Lied verkündete der Jugend muntre Spiele,

Der Frühlingsfeier freies Glück;

Erinnrung hält mich nun, mit kindlichem Gefühle,

Vom letzten, ernsten Schritt zurück.

O tönet fort, ihr süßen Himmelslieder!

Die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!


Faust 1, Goethe

Der Lichtblick

Ein Mensch erblickt das Licht der Welt -

Doch oft hat sich herausgestellt

Nach manchem trüb verbrachten Jahr

Dass dies der einzige Lichtblick war.

E. Roth

Der Löffelzwerg


Ein Hase sitzt auf einer Wiese

des Glaubens niemand sähe diese.


Doch im Besitze eines Zeißes*,

betrachtet voll gehaltnen Fleißes


vom vis-á-vis gelegnen Berg

ein Mensch den kleinen Löffelzwerg.


Ihn aber blickt hinwiederum

ein Gott von fern an, mild und stumm.


Christian Morgenstern

Der Mördermarder


Der Mardermörder hockt vorm Bau,

der Marder ist vor Angst ganz blau.


Er weiß, daß ihm vor seinem Tod

die Qual der Mardermarter droht,


wenn er nicht kurzentschlossen handelt,

sich kühn zum Martermarder wandelt


und marternd dem entgegenspringt,

der mordend in sein Reich eindringt.


Gedacht, getan, er hüpft ans Licht,

der Mardermörder sieht das nicht,


da der sich, scheinbar unbemerkt,

grad für die Mardermarter stärkt.


Der Martermarder zählt bis vier,

der Mardermörder trinkt ein Bier.


Der Mardermörder beißt ins Brot,

der Mördermarder beißt ihn tot.


Robert Gernhardt, geb. 1937 in Reval, /Estland

Und...


bilden Sie mal einen Satz mit...
visuell

Vi su ell die Sonne strahlt -

als würde sie dafür bezahlt.

pervers


Ja, meine Reime sind recht teuer:

per Vers bekomm ich tausend Eier.

Minister

Aus welchem Mund dringt dies Geplärr?

"Min is ter Rachen", spricht der Herr.



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